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Die Mannschaft fast abgestiegen, die Bosse entsetzt und unverbesserliche Chaoten randalieren nach dem Abpfiff: Hertha BSC ist am Abgrund angekommen.
Im Abstiegs-Duell des 26. Spieltages unterlag der Hauptstadtclub dem 1. FC Nürnberg am Samstag mit 1:2 (1:0) - die nächste Spielzeit wird für die Berliner mit großer Wahrscheinlichkeit in der 2. Liga stattfinden.
Acht Punkte Rückstand zum Relegationsplatz und sogar neun Zähler zum rettenden 15. Rang lassen die Erstliga-Hoffnungen in der Hauptstadt gegen Null gehen. Nach dem 2:1-Siegtor des Clubs in der Verlängerung durch Angelos Charisteas (90.+1) drehten 100 bis 150 gewaltbereite Fans aus dem Hertha-Block durch und stürmten den Innenraum. Ordner und Polizei mussten die Berliner und Nürnberger Profis vor den teilweise vermummten Randalierern schützen.
«Die Sicherheitskräfte haben sich richtig verhalten, haben zunächst deeskalierend gewirkt», erklärte Hertha-Manager Michael Preetz, dem das Entsetzen über die 17. Saison-Pleite und noch mehr über die Ausschreitungen nach der Partie im Gesicht geschrieben stand. «Das Wichtigste ist, dass niemand zu Schaden gekommen ist», betonte Preetz, der «härteste Konsequenzen» für die Randalierer ankündigte. Teilweise waren die Chaoten mit Latten und Fahnenstangen bis an den Abgang zu den Spieler-Kabinen vorgedrungen. «Wir müssen entschieden dagegen vorgehen. Ich hoffe, dass sich da endlich welche finden, die Arsch in der Hose haben und dem Einhalt gebieten. Ich möchte nicht erleben, was passiert, wenn es den ersten Toten gibt», sagte Nürnbergs Coach Dieter Hecking, der wie seine Spieler in die Katakomben geflüchtet war.
Für die Berliner sind nach nun 217 Tagen ohne Heimsieg die Erstliga-Lichter fast ausgegangen, dazu hat das «mühsam aufgebaute Image» laut Präsident Werner Gegenbauer einen großen Schaden genommen. «Das ist ärgerlich für Hertha BSC und den ganzen Fußball», sagte Gegenbauer und kündigte eine Aufarbeitung der Ereignisse an. Zunächst hatte sich eine rund 80-köpfige Ordner-Gruppe vor den Chaoten zurückgezogen, die Polizei griff erst später ein. «Es ist eine geringe Anzahl von Gewaltbereiten, die diese Bühne nutzen. Dagegen muss man mit aller Härte vorgegangen werden», sagte Hertha-Coach Friedhelm Funkel, dessen Rettungsmission sportlich fast gescheitert ist. Funkels Position aber sieht Hertha-Chef Gegenbauer weiter ungefährdet: «Da ist kein Raum für Spekulationen.»
Zwar hatte Theofanis Gekas die zunächst klar überlegene Hertha vor der Saison-Rekordkulisse von 57 761 Fans 1:0 in Führung (36.) gebracht. Doch weitere glasklare Berliner Chancen blieben ungenutzt. «Das ist ganz, ganz bitter. Damit müssen wir erst einmal umgehen», beschrieb Funkel die Situation. Nach der Pause schafften FCN-Torjäger Albert Bunjaku mit seinem zwölften Saisontor (61.) und der eingewechselte Angelos Charisteas (90.+1) noch die Wende. Hertha ist mit nun 15 Punkten weiter Tabellen-Letzter, Nürnberg hält mit 24 Zählern Tabellen-Rang 15. «Noch haben wir die theoretische Chance, dafür werden wir weiter alles tun», unterstrich Präsident Gegenbauer, der aber die «internen Planungen beider Szenarien» jetzt auch intensiver angehen wird.
Mann des Tages in Berlin war Torhüter Raphael Schäfer, der in seinem 200. Pflichtspiel für den Club mit Glanzparaden gleich in Serie die Herthaner zur Verzweiflung trieb. «Wenn man auch hochkarätige Chancen nicht nutzt, hat das auch mit Unvermögen zu tun», erklärte Hertha-Trainer Funkel am Ende eines Abends, der als ganz schwarzer in die Berliner Fußball-Geschichte eingeht. (Quelle: Berlin (dpa/lby))
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