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Christian Reif ist zu EM-Gold, aber auch aus dem mächtigen Schatten seines Weitsprung-Rivalen Sebastian Bayer gesprungen. Der Wahl-Hamburger konnte nur zusehen, wie der 25-Jährige vom ABC Ludwigshafen mit sagenhaften 8,47 Metern in Barcelona Europameister wurde.
«Ich war etwas überrascht über den Sprung, doch ich wusste, dass ich ungefähr soweit springen kann», sagte Reif umlagert von Journalisten und Fernsehkameras in den Katakomben des Olympiastadions von 1992 nach der «reifen Leistung». Derweil saß Konkurrent Bayer, der 2009 Hallen-Europameister mit Europarekord (8,71 Meter) sowie mit 8,49 Meter deutscher Freiluft-Meister wurde und als Star alle Aufmerksamkeit auf sich zog, mit Freundin Carolin Nytra in einem Restaurant am Fuße des Montjuich. Er war nach einer langwierigen Fußverletzung nicht mehr in Form und lediglich als Zuschauer zur EM gekommen.
Nur sieben Zentimeter fehlten Reif, der der sechste deutsche EM- Gewinner in der Sandgrube seit 1934 ist, um den 30 Jahre alten Rekord von Lutz Dombrowski zu erreichen. Nach dem Supersatz von Barcelona traut sich der selbstbewusste Student der Sportwissenschaften zu, auch diese Bestmarke zu übertrumpfen. «Absolut. Es sind nur sieben Zentimeter. Den Rekord hole ich mir nächstes Jahr», sagte Reif, der mit dem Gold-Sprung seine persönliche Bestleistung schon um 20 Zentimeter verbesserte.
Zweimal hing allerdings sein Medaillen-Projekt am seidenen Faden. In der Qualifikation vermied er das drohende Aus erst mit dem dritten Versuch und 8,27 Meter. «Da war ich ziemlich nervös. Ich wäre ja fast rausgeflogen», gestand Reif. Ähnlich wackelig begann er im Finale. Ein ungültiger Sprung und einer über 7,87 Meter - nun kam es darauf an, ob er in der Medaillenrunde bleiben durfte.
«Diesmal war ich überhaupt nicht nervös, die 8,27 Meter hatten mir noch mehr Selbstvertrauen gegeben», erzählte er. Und so preschte der «Mann ohne Nerven» mit vollem Risiko los, um mit 8,47 Meter als Drittbester in den ewigen deutschen Bestenliste einzugehen. «Beim Absprung habe ich gefühlt, dass es ein weiter Sprung wird», sagte Reif, der bei der WM 2007 in Osaka mit 8,19 Meter Neunter wurde und auf dem Sprung nach oben war. Doch nach Verletzungen und einer Fußoperation kam er 2008 nicht in Form.
Für Reif sind die 8,47 Meter nicht unbedingt ein «Sonntags-Sprung» gewesen. «Ich weiß, dass ich immer acht Meter schaffen kann, auch wenn ich vor dem Brett abspringe», sagte Reif, der zuvor bei drei Leichtathletik-Meetings 8,22, 8,27 und 8,21 Meter in Serie gesprungen war. Reifs Heimtrainer Ullrich Knapp imponiert diese Konstanz: «So einer ist mir lieber als einer, der einen Jahrhundertsprung macht wie 1968 Bob Beamon bei seinen 8,90 Meter.» (Quelle: Barcelona (dpa/lby))
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