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Nachträglicher Punktabzug für beide Fahrer und Ferrari: Mit dieser Forderung hat Ex-Verbandsboss Max Mosley die Debatte um die Teamorder vor dem Start in den entscheidenden Saisonabschnitt der Formel 1 angeheizt.
«Eigentlich müssten beiden Autos und beiden Fahrern die Punkte des Grand Prix von Deutschland aberkannt werden», sagte der ehemalige Präsident des Internationalen Automobilverbandes FIA in einem Interview der «Welt am Sonntag».
Für Felipe Massa, der auf dem Hockenheimring seinen Ferrari-Kollegen Fernando Alonso offensichtlich an sich vorbeiziehen lassen hatte, tue es ihm besonders leid, meinte Mosley. «Aber er hätte sich streng nach den Regeln gegen die Stallorder wehren müssen.»
Während der «Pferdeflüsterer» auf der Ferrari-Homepage ausgerechnet mit seinem ehemaligen Angestellten Niki Lauda voller Polemik abrechnete, stellte Mosley klar: «Ich werde keine Empfehlung geben, aber aus der bisher bestehenden Faktenlage müsste es neben der ausgesprochenen Geldstrafe eine sportliche Sanktion geben.» Unmittelbar nach dem WM-Lauf wurde Ferrari zu einer Geldstrafe von 100 000 US-Dollar (79 000 Euro) verurteilt.
Der World Council der FIA verhandelt die umstrittene Teamorder, die vor allem auch Ex-Weltmeister Lauda in aller Deutlichkeit nach dem Großen Preis von Deutschland am 25. Juli auf dem Hockenheimring kritisiert hatte, am 8. September in Paris.
Ferraris ominöser «Pferdeflüsterer» konterte nun auf der offiziellen Homepage der Scuderia in einem Beitrag mit der Überschrift «Moralisten mit kurzem Gedächtnis» die Lauda-Schelte. Der Österreicher habe nach dem Ende seiner Karriere mit seiner Meinung um sich geworfen. «Diesmal hat der gute alte Niki eine feine Gelegenheit ausgelassen, seinen Mund zu halten», hieß es.
Lauda hatte das Vorgehen von Ferrari als inakzeptabel bezeichnet, nachdem Massa ohne Gegenwehr und zudem noch nach einem recht eindeutigen Funkspruch seinen Teamkollegen Alonso überholen lassen hatte. Der Spanier, der vor dem Großen Preis von Belgien am kommenden Wochenende als Fünfter 20 Punkte hinter Spitzenreiter Mark Webber (Red Bull/Australien) und 10 Zähler hinter dessen drittplatziertem Teamkollegen Sebastian Vettel (Heppenheim) liegt, gewann anschließend das Rennen.
Die meisten Teams seien für eine Aufhebung der Stallorder, meinte Mosley. Wenn man aber den Bedürfnissen des Publikums nachkommen wolle, müsse man das Verbot beibehalten. «Für den Fall, dass sie von einem Team ins Spiel gebracht wird, müssen wir eine empfindliche Strafe verhängen», forderte der Brite, der im vergangenen Oktober von Jean Todt an der Spitze der FIA abgelöst worden war.
Dass der Franzose aber nicht die Sitzung in der Causa Ferrari führen wird, liegt laut Mosley nicht an seinem früheren Engagement bei Ferrari unter anderem als Teamchef. Der FIA-Präsident werde in dem World Council von einem ordentlichen Richter vertreten, erklärte Mosley. Im aktuellen Fall sei dies Graham Stoker. Der Brite ist FIA-Vizepräsident. (Quelle: Berlin (dpa/lby))
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