26.08.2010

Mehr Ausdauer als Schumi: Barrichellos 300. Start

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Rubens Barrichello hat fast immer ein Lächeln auf den Lippen. (Foto: dpa) Bild vergrößern Jedes Rennen ein Rekord, und ans Aufhören denkt Rubens Barrichello noch lange nicht. Nach eigener Rechnung durchbricht der Brasilianer beim Großen Preis von Belgien als erster Fahrer die Schallmauer von 300 Formel-1-Starts.

«Meine Frau hat schon Panik. Sie denkt, ich fahre für immer», meinte der Williams-Pilot in Spa-Francorchamps.

Schon seit zwei Jahren ist der Streckenveteran der Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Teilnahmen in der Königsklasse. «Wundervoll, eine große Ehre», sagte er und nannte schelmisch «die 400» als nächstes Ziel.

Die offizielle Statistik sieht den 38-Jährigen indes erst bei 298 Rennen, weil er 2002 in Spanien und Frankreich zwar in der Startaufstellung stand, die WM-Läufe aber nicht aufnehmen konnte. Doch davon lässt sich Barrichello nicht beirren. «Ich weiß nicht, wann ihr Jungs bei Eurer Zählweise die 300 erreicht habt, doch ich halte Spa für mein 300. Rennen», sagte der Südamerikaner und will seine Meinung am Ardennen-Wochenende durch ein spezielles Design von Helm und Rennanzug auch optisch unterstreichen. Auch auf seinem Auto wird die Zahl 300 aufgedruckt sein.

Unstrittig ist, dass Barrichello zumindest in der Ausdauer- Kategorie vor seinem alten Widersacher Michael Schumacher rangiert. Der Deutsche hat sein Konto seit dem Comeback in diesem Jahr auf 262 Starts aufgebessert und damit ebenfalls den langjährigen Rekordhalter Riccardo Patrese (256) überholt. Ansonsten aber galt Barrichello in seiner nun schon mehr als 17 Jahre währenden Formel-1-Karriere lange als die «ewige Nummer 2», wie zuletzt im Vorjahr beim Titelgewinn seines Brawn-Teamkollegen Jenson Button.

Vor allem die Zeit als Schumachers «Wasserträger» bei Ferrari hat diesen Ruf geprägt. Schumacher wurde in den sechs gemeinsamen Jahren fünfmal Weltmeister, Edelhelfer Barrichello musste mehrfach allzu offensichtlich Platz machen und sich mit den Vize-Titeln 2002 und 2004 begnügen. «Ich bereue nichts, weil ich soviel gelernt habe», beteuerte er.

Doch die Demütigungen von damals sitzen beim Mann aus Sao Paulo bis heute tief. Kein Wunder, dass der Vater von zwei Kindern überaus emotional auf die rüpelhafte Attacke Schumachers beim Ungarn-Grand-Prix vor vier Wochen reagierte. «Ein verrückter Kerl», giftete Barrichello. Am 26. August entschuldigte sich Schumacher via SMS, «Rubinho» gab sich versöhnt. «Ich habe geantwortet: Danke. Kein Problem», verriet der von drei Dutzend Journalisten umringte Barrichello.

Bei den meisten seiner Kollegen ist der PS-Oldie ohnehin als netter Zeitgenosse beliebt, hat zumeist ein Grinsen auf den Lippen. Als Formel-1-Pilot hat er sich einen Kindheitstraum erfüllt. Aufgewachsen in der Nähe der Rennstrecke von Interlagos, kletterte er als kleiner Junge sogar über die Mauer, um einen Blick auf die Boliden zu erhaschen.

Rund drei Jahrzehnte später hat er immer noch riesigen Spaß am Vollgas-Zirkus, Rekord hin oder her. «Vielleicht werde ich eines Tages dasitzen und mir all diese Zahlen zu Gemüte führen. Dann werden sie mir ein besonderes Gefühl vermitteln», erklärte Barrichello, der sich bei Williams ein spannendes Duell mit Neuling Nico Hülkenberg liefert. «Hier und jetzt habe ich das Vergnügen, das Auto zu fahren und selbst bei 300 Renneinsätzen noch konkurrenzfähig zu sein. Das ist das Wichtigste für mich.» (Quelle: Spa-Francorchamps (dpa/lby))


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