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Für Michael Schumacher kann die Zukunft nicht schnell genug beginnen. Wohl kein Pilot im Formel-1-Fahrerfeld wünscht im trüben Spa-Francorchamps das Saisonende mehr herbei als nach seinem bislang ernüchternden Comeback der Rekordweltmeister selbst.
«Ich glaube, möglich ist alles. Das ganze ist ein Dreijahresplan, sonst hätte ich wahrscheinlich nur für ein Jahr unterschrieben», erklärte der 41-Jährige vor dem Großen Preis von Belgien.
Der siebenmalige Champion und sein Mercedes-Team sind vor dem letzten Saisondrittel im Titelrennen weit abgehängt, doch den Entwicklungs-Wettlauf um die WM-Krone 2011 wollen die Silbernen gewinnen. «Wir haben eine gute Kampftruppe», meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Während die drei anderen Top-Teams Red Bull, McLaren und Ferrari noch heftig um die WM 2010 ringen, kann das schwächelnde Werksteam der Schwaben schon die Ressourcen in Richtung neues Auto verschieben.
Der Konkurrenz blüht indes im Saison-Endspurt ein heikler Spagat. «Wir müssen bis zum Ende Druck machen», forderte der WM-Dritte Sebastian Vettel, will aber dabei seine Chancen für das kommende Jahr keineswegs schmälern. «Die Autos werden sich erneut ziemlich verändern. Deshalb müssen wir uns früh genug darauf einstellen, damit wir wieder vom Start weg dabei sind», schilderte der Red-Bull-Star aus Heppenheim das Dilemma.
In der Tat erfordern die kommenden Reglementsänderungen von den Formel-1-Teams wieder viel Ingenieurskunst. Erfindungen wie der F-Schacht, der das Auto auf der Geraden schneller macht, oder der Doppeldiffusor, der die Rennwagen stärker auf die Strecke presst, sind künftig verboten. Das Energie-Rückgewinnungssystem KERS kehrt zurück. Das Mindestgewicht der Fahrzeuge wird erhöht.
Als zusätzliche Herausforderung für die Branchenriesen greift ab Jahresende die nächste Kostenbremse in der Königsklasse. Die Teams müssen ihr Personal auf deutlich unter 400 Beschäftigte reduzieren. Nicht einfach vor allem für Ferrari mit seinen immer noch bis zu 900 Angestellten. «Früher haben wir rein ergebnisorientiert gearbeitet. Der Zweck heiligte die Mittel. Jetzt müssen wir mit weniger Leuten, weniger Werkzeugen, weniger Geldeinsatz auskommen», sagte Teamchef Stefano Domenicali dem Fachblatt «auto, motor und sport».
Mercedes GP hat diesen Einschnitt schon in diesem Jahr vollzogen - und könnte darunter sogar noch 2011 leiden. Können doch die Rivalen bis zum Dezember noch munter von ihren weitaus größeren Mannschaften profitieren und ein höheres Entwicklungstempo anschlagen. «Klar könnten wir noch zehn Millionen mehr in die Formel 1 stecken. Wollen wir aber nicht», sagte Mercedes-Manager Haug und zitierte aus seinem Erfahrungsschatz: «Die meiste Zeit Deines Lebens in der Formel 1 verbringst Du mit Verbessern und Aufholen.»
Auch Schumacher stellt sich der für ihn ungewohnten Situation des Hinterherfahrers. «Wir sind jetzt zurück in der Realität. Bei Ferrari hat der Aufbau auch einige Jahre gedauert», befand der 91-malige Grand-Prix-Sieger. Erst im fünften Jahr hatte Schumacher einst aus der Scuderia ein titelreifes Team geformt - so lange dürfte seine Geduld diesmal kaum reichen. Dennoch betonte der Altmeister vor dem Ardennen-Rennen beharrlich: «Ich bin guter Dinge, was die Zukunft angeht.» (Quelle: Spa-Francorchamps (dpa/lby))
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