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Vom Wunderkind zum Fehlerteufel: Nach Sebastian Vettels Belgien-Blamage droht der deutschen Formel-1- Hoffnung das vorzeitige Aus im WM-Rennen - und die Degradierung zum «Wasserträger» für Stallrivale Mark Webber.
«Es ist noch nicht ganz soweit, aber so lange sollten wir es nicht hinauszögern», forderte der Gesamtzweite Webber von Red Bull bei der Jagd auf Spitzenreiter Lewis Hamilton eine schnelle Entscheidung über den Nummer-1-Status im Team. Vettel, der in Spa-Francorchamps schon wieder patzte, steht nach seiner Frustserie mit dem Rücken zur Wand.
Die Zahl seiner Pannen und Missgeschicke hat ihn sechs Rennen vor Saisonende schwer in die Bredouille gebracht. Nur bei seinen Siegen in Malaysia und Valencia lief alles nach Plan. Zu oft aber lässt der 23-Jährige Punkte liegen. So raste er schon siebenmal auf die Pole Position, im Rennen kam der «Trainings-Weltmeister» danach aber nur einmal als Erster ins Ziel. Statt komfortabel die WM anzuführen und im stärksten Auto dem Titel entgegenzusteuern, fährt der Heppenheimer nun schon einem Rückstand von 31 Punkten auf Hamilton (182 Zähler) und 28 auf Webber (179) hinterher.
«Es hätten einfache Punkte sein können, aber ich kann es nicht mehr ändern. Natürlich bin ich nicht stolz drauf», klagte der Hesse nach dem Debakel in den Ardennen, das mit Rang 15 endete. Ein Satz, wie er von Vettel anno 2010 schon mehrfach zu hören war. Waren es am Anfang noch Technik-Defekte wie in Bahrain oder Australien, bremste er sich zuletzt zunehmend selbst aus. «Er hat nicht nur heute Mist gebaut, sondern auch schon das eine oder andere Mal in diesem Jahr», urteilte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh knallhart.
Bestes Beispiel war der Spa-Crash mit Jenson Button, als Vettel wieder einmal mit der Brechstange am Gegner vorbei wollte. Das Manöver im Kampf um Platz zwei ging schief, für beide ein empfindlicher Dämpfer im WM-Fight. «Sebastian ist da ein Fehler unterlaufen, den man sonst nur in Nachwuchsformeln sieht und nicht in der Formel 1», ätzte Whitmarsh.
«Wir werden sehen, ob ihn dieser Fehler die WM kosten kann. Er wird sich sicher ärgern», sagte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda. «Man hat Druck und damit muss man klarkommen. Wenn es um die WM geht, erwartet jeder Großes von einem», meinte Adrian Sutil, der als Fünfter im Force India bester Deutscher in Spa war.
Trost für Vettel gab es von Rekordchampion Michael Schumacher. «Ich kann nur sagen: Das Jahr ist noch lang. Er weiß schon selbst, was er zu tun hat», sagte der 41-Jährige. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hat den Vize-Weltmeister noch nicht abgeschrieben. «Es ist für Sebastian noch lange nicht aus», sagte Haug.
Wie man das Beste aus seinen Möglichkeiten macht, zeigt in dieser Saison Hamilton. Zwar sind die McLaren auf den meisten Strecken nicht so schnell wie die Red Bulls, dennoch hat der Weltmeister von 2008 beste Aussichten auf seinen zweiten Titel. Der Erfolg von Spa war ein Meisterstück, auch beim nächsten Rennen in Monza gilt Hamilton dank des starken Mercedes-Motors als Favorit. «Wir machen immerzu Druck, und wenn wir dran sind, dann holen wir das Maximum heraus», erklärte er.
Die internationale Presse lobte den Briten nach seiner Gala in den höchsten Tönen. «Hamilton zaubert», schwärmte die italienische «La Gazzetta dello Sport». Die spanische «Marca» urteilte: «Hamilton erwies sich in einem Rennen für Experten als unfehlbar.» Und die britische «Daily Mail» titelte überschwänglich: «Allmächtiger Lewis!»
Abgehängt haben Hamilton und Webber vorerst neben Vettel auch Button (147 Punkte) und Ferrari-Pilot Fernando Alonso (141), die nach ihren Unfällen ebenfalls ohne Zähler aus Belgien zurückkehrten. Dennoch warnte der Spitzenreiter: «Die Meisterschaft ist offen. Wir haben in den letzten Rennen gesehen, wie schnell sich die Dinge ändern.» Genau daran dürfte sich auch Vettel klammern. (Quelle: Spa-Francorchamps (dpa/lby))
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