02.09.2010

Löw setzt gegen Belgien auf WM-Kräfte: Reinquälen

Auf zur EM und bloß kein Fehlstart.
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Bundestrainer Joachim Löw geht mit der WM-Elf in die Qualifikation. (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Auf zur EM und bloß kein Fehlstart. Das große Ballack-Thema hat Joachim Löw in die Warteschleife geschoben - nun ist wieder das WM-Personal gefragt. 55 Tage nach dem gewonnenen Spiel um Platz 3 gegen Uruguay greift das deutsche Fußball-Nationalteam in einen neuen Wettkampf ein.

«Wir müssen uns neu beweisen nach der erfolgreichen WM», betonte der Bundestrainer.
Von seinem Personal verlangt er nach dem schlauchenden Abnutzungskampf in Südafrika schon wieder einen Kraftakt. «Wir erwarten, dass sich die Mannschaft reinquält in dieses Spiel», sagte Löw-Assistent Hansi Flick vor dem 75. EM-Ausscheidungsspiel des DFB-Teams.

Die WM-Belastung steckt noch in Beinen und Köpfen. «Das ist ein ernsthaftes Problem», sagte Löw vor dem Start in die EM-Qualifikation am 3. September in Brüssel gegen Belgien. «Die Spieler haben noch nicht ihr hundertprozentiges Leistungsvermögen erreicht.» Dazu kommen Sorgen in der Abwehr, in der nicht nur die WM-Spieler Arne Friedrich und Jérome Boateng ausfallen. Andere wie Per Mertesacker oder auch Philipp Lahm sind nur stotternd in die neue Saison gestartet. «Man kann nicht erwarten, dass die Spiele so werden können wie gegen Argentinien und England», erklärte Lahm.

Doch der Ersatz-Kapitän, der in Abwesenheit des nach langer Verletzung noch um seine Fitness ringenden Michael Ballack weiter mit Stolz die Spielführer-Binde trägt, will mit seinen Kollegen den Widrigkeiten trotzen. «Wir wollen mit drei Punkten starten. Wir wissen, dass wir keine leichte Gruppe haben. Aber als deutsche Nationalmannschaft ist man immer der Top-Favorit», verkündete der 26- jährige Münchner in La Hulpe bei Brüssel, wo sich die 21 Spieler den letzten Schliff für den EM-Auftakt holen.

«Wir bereiten uns ganz seriös auf Belgien vor», unterstrich Löw, nachdem er die lange schwelenden Personalien um einen weiter als Kapitän eingestuften Ballack, einen Lahm als amtierenden Chef und einen Manuel Neuer als Stammtorhüter geklärt hatte. «Diese Entscheidungen müssen immer akzeptiert werden und das werden sie auch. Das lernt man von kleinauf im Fußball-Geschäft», kommentierte Lahm professionell seinen gescheiterten Vorstoß, dauerhaft die Spielführer-Binde zu übernehmen. Aktuell aber darf der 71-malige Nationalspieler weiter den Kapitäns-Ersatz für Ballack spielen.

Genau haben die Spieler die Ansagen von Löw registriert. «Der Trainer hat auch ganz klar angesprochen, dass das Leistungsprinzip Priorität hat», erklärte der neue Madrilene Sami Khedira zu Löws Ballack-Lösung und ergänzte: «Damit kann jeder leben.» Erst wenn der 33-jährige Leverkusen-Rückkehrer wieder Topform aufweist, kann er ins DFB-Team zurückkehren und muss dann den WM-Aufsteiger Khedira erst einmal aus der Startelf verdrängen. Bis dahin aber soll schon die Grundlage für die EM-Teilnahme 2012 gelegt sein. «Es geht nicht um enttäuscht oder nicht enttäuscht. Jetzt geht es darum, die Mannschaft weiter zu führen», erklärte Lahm.

Löw weiß genau um die Gefahren gerade nach einem gelungenen Turnier und gegen einen Gegner im Umbruch, der gegen einen WM-Dritten zum jetzigen Zeitpunkt eine große Chance wittert. «Wir werden auf eine hochmotivierte belgische Mannschaft treffen, die sich im Unterschied zu uns in Ruhe vorbereiten konnte.» Die «Roten Teufel» wollten unbedingt diesen Termin, wohlwissend, dass der namhafte Kontrahent noch nicht wieder in Top-Form sein kann. «Sie sehen ihre Chance in den ersten Spielen», meinte auch Löw und schloss an: «Die Spieler sind bei Manchester City, Arsenal London, Bayern München und Zenit Leningrad - das sagt schon einiges über die Qualität.»

Belgiens Trainer Georges Leekens schob die Favoriten-Bürde dennoch dem WM-Dritten zu: «Deutschland ist aktuell die beste Mannschaft der Welt zusammen mit Spanien. Sie unterschätzen nie ihren Gegner. Sie sind viel stärker als wir.» Doch Leekens, der auf die Bundesligaprofis Logan Bailly (Gladbach) im Tor, Daniel van Buyten (FC Bayern) in der Abwehr und Timmy Simons (1. FC Nürnberg) im Mittelfeld setzt, versicherte auch: «Eine Überraschung ist trotzdem möglich.» Die letzte deutsche Niederlage gegen den Nachbarn ist beachtliche 56 Jahre her, die letzte Auswärts-Pleite einer DFB-Elf in der EM-Qualifikation datiert aus dem Jahr 1998 (0:1 in der Türkei).

Zum großen Teil wird Löw im Stadion «König Baudouin» auf die WM-Stammkräfte setzen. «Es ist mit keinen großen Veränderungen zu rechnen», kündigte Co-Trainer Flick an. Nur in der Abwehr muss die sportliche Leitung eine neue Lösung finden. Der Neu-Hamburger Heiko Westermann könnte dabei sowohl neben Mertesacker im Deckungszentrum als auch auf der linken Seite spielen. «Wir müssen den inneren Schweinhund überwinden», forderte Löw-Assistent Flick. Und Kapitän Lahm verriet ein mögliches Erfolgskonzept: «Man muss den Gegner eine Stunde, 70 Minuten bearbeiten - und dann zuschlagen.»



Belgien: Bailly (Borussia Mönchengladbach/24/4) - Aldterweireld (Ajax Amsterdam/21/6), van Buyten (Bayern München/32/55), Kompany (Manchester City/24/32), Vermaelen (FC Arsenal/24/29) - Fellaini (FC Everthon/22/21), Simons (1. FC Nürnberg/33/74), Vertonghen (Ajam Amsterdam/23/22) - Hazard (OSC Lille/19/13), Lukaku (RSC Anderlecht/17/3), Dembélé (FC Fulham/23/28)

Deutschland: Neuer (FC Schalke 04/24/11) - Lahm (Bayern München/26/71), Mertesacker (Werder Bremen/25/69), Westermann (Hamburger SV/27/19), Jansen (Hamburger SV/24/35) - Khedira (Real Madrid/23/12), Schweinsteiger (Bayern München/26/81) - Müller (Bayern München/20/8), Özil (Real Madrid/21/17), Podolski (1. FC Köln/25/79) - Klose (Bayern München/32/101)

Schiedsrichter: Hauge (Norwegen) (Quelle: Brüssel (dpa/lby))


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