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Sie ist ein Hingucker und spielte sich dennoch fast unbemerkt ins Rampenlicht. Andrea Petkovic behielt auf einem Nebenplatz die Nerven und zog als erste Deutsche in die dritte Runde der US Open ein.
Sabine Lisicki, Andreas Beck und Philipp Petzschner verzweifelten dagegen nacheinander im größten Tennis-Tempel der Welt vor riesiger Kulisse an der Weltelite.
Als die 22- Jährige Petkovic nach einer Achterbahnfahrt gegen die US-Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands ihren ersten Matchball zum 3:6, 6:3, 7:5-Sieg nutzte, riss sie beide Arme in den New Yorker Nachthimmel. Die 2:23 Stunden-Mischung aus Zittern und Zuversicht hatte ein erfolgreiches Ende.
«Ich habe immer an mich geglaubt, wusste, dass ich es schaffen kann. Jetzt habe ich meine Zweitrunden-Blockade endlich durchbrochen», jubelte Petkovic, nachdem sie erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier die Runde der besten 32 erreicht hat. Dort trifft sie auf Shuai Peng aus China - keine unlösbare Aufgabe. Zuvor hatte das «gute-Laune-Bündel» aus Darmstadt ein wenig geklagt. «Ich habe so Schmerzen in meinem ganzen Körper, dass könnt ihr euch nicht vorstellen», sagte sie.
Anschließend plauderte Petkovic vergnügt über ihre abgewehrten drei Matchbälle, ihren Reifeprozess und verriet, dass sie sich trotz ihrer 22 Jahre auf den großen Turnieren immer noch als 17- oder 18- Jährige fühle, weil die anderen Mädels ihr noch so viel an Erfahrung voraus hätten. «Die wissen genau, was in gewissen Situationen zu tun ist und ich stehe nur da, oh Gott, was mach' ich jetzt. Aber auf der anderen Seite ist es auch schön, denn ich kann noch wie ein kleines Kind durch die Tenniswelt gehen und staunen.»
Erstaunlich ist auch ihre mentale Entwicklung. Im Frühjahr vergab sie bei den French Open in ihrem Zweitrunden-Match gegen Titelverteidigerin Swetlana Kusnetsowa aus Russland noch vier Matchbälle und schied aus. «Dieses Match hat viele Zweifel in mir hervorgerufen. Und es ist auch nicht so, dass das jetzt vorbei und abgehakt ist, sondern das ist ein ständiger Prozess», betont die Hessin. Dennoch sei sie durch diese Erfahrung jetzt psychisch stärker.
Um eine Lektion reicher sind Lisicki, Beck und Petzschner. Wimbledon-Finalistin Wera Swonarewa, der fünfmalige US Open-Champion Roger Federer und Serbiens Superstar Novak Djokovic erwiesen sich im riesigen Arthur Ashe-Stadium für das deutsche Trio als eine Nummer zu groß. «Ich war glücklich, dass ich gegen Roger spielen konnte, aber natürlich war ich nervös», sagte Beck nach seiner 3:6, 4:6, 3:6- Niederlage gegen Federer. Seinem Kumpel Petzschner hatte er für dessen Match gegen Djokovic ein «genieß' es» mit auf den Weg gegeben.
Für den Bayreuther ging mit seiner Premiere bei der Night Session im mit 23 815 Zuschauern ausverkauften Tennis-Tempel ein Traum in Erfüllung. «Es ist geil. Du kommst da raus und es ist so laut. Ich hatte einfach Spaß, nur der vergeht dir halt, wenn du deine Chancen nicht nutzt», ärgerte sich Petzschner nach der 5:7, 3:6, 6:7 (6:8)- Schlappe. In allen drei Sätzen konnte der Weltranglisten-52. Breakchancen nicht nutzen und verlor anschließend sein eigenes Service. «Und gegen Spieler von diesem Kaliber bekommst du nicht allzu viele Möglichkeiten», resümierte Petzschner.
Ähnlich lauteten auch die Erkenntnisse von Beck und Lisicki. Allzu lange, so Petzschner, werde er sich jedoch nicht über dieses Match ärgern. «Natürlich tun Niederlagen weh, aber es gibt Wichtigeres im Leben.» Zum Beispiel seine Hochzeit in zwei Wochen auf Mallorca. Oder die Zeit in den kommenden Tagen mit seinem Sohn Aziz, den er sehr vermisse. Der Neunjährige ist in die vierte Klasse gekommen. «Er hat mir schon erzählt, wie unfair es ist, dass er schon Hausaufgaben aufbekommen hat», so Petzschner. (Quelle: New York (dpa/lby))
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