26.12.2011

Löw: Keine Egoisten in unserer Mannschaft

Joachim Löw will bei der Auswahl seines EM-Kaders besonders auf die charakterlichen Eigenschaften seiner Titeljäger achten. «Welche Spieler sind vielleicht getrieben von zu viel Neid? Wer hat den langen Atem? All diese Dinge sind wichtig.
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Bundestrainer Joachim Löw findet Ausgleich zum Arbeitsstress in seinem Privatleben. Foto: Christian Charisius (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Joachim Löw will bei der Auswahl seines EM-Kaders besonders auf die charakterlichen Eigenschaften seiner Titeljäger achten.

«Welche Spieler sind vielleicht getrieben von zu viel Neid? Wer hat den langen Atem? All diese Dinge sind wichtig. Denn wir sind bei einer EM oder WM mit 60 bis 70 Leuten acht Wochen auf einem ganz engen Raum beisammen», sagte der Fußball-Bundestrainer in Interviews mehrerer Zeitungen.


Vor der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine im kommenden Sommer will der 51-Jährige deshalb auch darauf achten: «Welche Spieler können der Mannschaft Energie geben? Welche Spieler sind Frust-tolerant, wenn sie mal nicht spielen? Welche Spieler können dem Konkurrenzkampf standhalten und ihn fördern», beschrieb Löw seine Kriterien.

Seinem derzeitigem Personal stellte der DFB-Chefcoach einwandfreie Charakterzüge aus. «Ich sehe keinen ausgesprochenen Egoisten in unserer Mannschaft, der seine ganze Konzentration darauf abstimmt, selber gut auszusehen, oder immer selbst die Tore zu machen. Ich sehe bei uns ein sehr gutes Team, in dem niemand sich persönlich in den Vordergrund schiebt», sagte Löw. Im Mai wird Löw seinen Kader für das EM-Turnier benennen. Zuvor steht am 29. Februar in Bremen gegen Frankreich noch ein sportlicher Test auf dem Programm.

Angesichts des zunehmenden Drucks und der jüngsten Burnout-Fälle im Profifußball plädierte Löw für professionelle Unterstützung. «Es tut auch gut, sich mal von außen beobachten zu lassen, sein Tun zu reflektieren und Hilfe auch anzunehmen, sei es in Form von Sportpsychologen oder Gesprächstherapien», sagte er. Löw glaubt nicht, dass Druck ein spezielles Problem des Profifußballs ist, sondern dass alle Teile der Gesellschaft betroffen sind.

Er selbst spüre auch Druck, ihm helfe aber «eine gewisse Distanz zum Fußball». Deswegen versuche er seinen privaten Bereich «abzuschotten, so gut es geht». Geholfen hat ihm auch ein besseres Zeitmanagement und die bewusste Beschränkung seiner Arbeitszeit im heimischen Büro, ohne Ablenkung durch Mails oder Telefon. «Irgendwann habe ich mir gesagt, wenn ich zu Hause bin, dann mache ich alles aus und arbeite vier, fünf Stunden sehr konzentriert. Danach gehe ich einen Kaffee trinken oder ein bisschen Fußball spielen.»

Wichtig sei ihm, sein Umfeld und Aufgaben delegieren zu können. «Meine engsten Mitarbeiter im Trainerteam kennen alle meine Stärken und Schwächen. Früher habe ich geglaubt, immer alles selbst zu können und machen zu müssen», erklärte Löw. «Ich weiß, dass es in meinem Stab Mitarbeiter gibt, die in manchen Bereichen besser sind als ich. Denen vertraue ich.» Diese würden auch kritisch etwas hinterfragen und ihm sagen: «Das geht jetzt in die falsche Richtung. Das ist die Stärke in unserem Team.» (Quelle: Berlin (dpa/lby))


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