26.11.2009

Der ANTENNE BAYERN Weihnachtstrucker

Angelika Demmerschmidt berichtet von Moldawien

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Angelika Demmerschmidt Bild vergrößern Mein erster Eindruck von Moldova ist Kälte. Wir haben Februar 2009 und in meinem ganzen Leben habe ich noch nicht so gefroren. Man gewöhnt sich daran, sagt mir Dr. Ulrich Wissmann von der "Moldauisch-Deutschen Wirtschaftsvereinigung", er wird mich die nächsten Tage begleiten und lebt seit fünf Jahren in Moldawien. Im Rahmen deutscher und anderer Entwicklungsprogramme unterstützt er Hilfsprojekte für Moldova.

Mein Zeitplan ist dicht, in aller Herrgottsfrühe geht’s los, damit ich die große Anzahl von Besuchen in Waisenhäusern, Behinderten -und Altenheimen auch schaffe. Hierfür fahren wir hunderte Kilometer übers Land.

Chisinau jedoch, meine erste Station ist überraschend großstädtisch und strahlt mit den riesigen Boulevards das aus, was man von einer Hauptstadt auch erwartet. Es gibt Geschäfte, in denen man viel Importiertes kaufen kann, allerdings zu horrenden Preisen. Unbezahlbar für mindestens 80% der Bevölkerung. Das Shampoo, für das ich in Deutschland 2,50 € bezahle, kostet hier das Doppelte.

Ulrich Wissmann erklärt mir, dass ein Pensionär in Moldova durchschnittlich 40 € Rente im Monat bekommt. Ein normaler Monatslohn liegt bei 2000 Lei, ca. umgerechnet 130 Euro. Soviel kostet es aber mindestens, um mit den einfachsten Mitteln über die Runden zu kommen. Schweinefleisch zum Beispiel ist viel teuerer als bei uns. Wer keine Arbeit hat, keine Eltern, keinen Sohn oder Tochter, die vielleicht sogar im Ausland arbeitet, hat, behindert oder alt ist, lebt von einem Tag zum Nächsten und hofft, dass es besser wird, dass jemand kommt, der hilft.

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Moldova ging es nicht immer so schlecht, eingebettet zwischen Rumänien und der Ukraine, war es mal eine der erfolgreichsten Sowjetrepubliken. Erst seit Anfang der 90er, seit der Unabhängigkeit geht es u. a. auch durch politische Konflikte bergab.

Die Straßen in den Dörfern sind unbefestigt, es gibt keine Geschäfte, keinen Lebensmittelmarkt, die Wasserversorgung ist eine Katastrophe. Frauen schleppen die schweren Eimer vom Brunnen in die kleinen Häuser. Das Wasser aus den uralten, maroden Leitungen darf man sowieso keinesfalls ungekocht trinken.

Ulrich Wissmann fährt mit mir übers Land und zeigt die kleinen Dörfer am Straßenrand. Ich wundere mich, dass man sowenig Menschen zu Gesicht bekommt. Manche Dörfer wirken regelrecht ausgestorben. Ich erfahre, dass mittlerweile mehr als ein Viertel der erwerbstätigen Bevölkerung weg ist aus Moldova. Irgendwo anders hin ins Ausland. Wo es Arbeit und eine Zukunft gibt. Aber viele wollen oder können eben nicht fort aus ihrem Land, das eben auch die Heimat ist und auch von rauer Schönheit. Denn schön ist dieses Land ohne Zweifel und herzlich die Menschen, obwohl sie kaum etwas haben. Wohin man auch kommt, es wird ein heißer, süßer Tee angeboten und man möchte mehr wissen von der Fremden.

Wenn ich dann erzähle, warum ich unterwegs bin und dass ich mir die Heime anschaue, wohin die Päckchen der ANTENNE BAYERN Hörer kommen, sind die Menschen ganz aus dem Häuschen. Ich werde wieder und wieder geküsst, umarmt, gedrückt. Und alle tragen mir auf, die herzlichsten Grüße mit nach Hause zu nehmen. Für Keinen hier in Moldova ist ein Lebensmittelpaket etwas Alltägliches, es ist ein besonderes, ein wunderbares, ein großes Geschenk.

Besonders bewegend erlebe ich die Besuche in den Waisenhäusern, den Behinderten - und Altenheimen. Dort geht man so sparsam mit unseren Päckchen um, dass immer noch etwas übrig ist vom Dezember. Die Kinder singen mir moldauische Lieder vor und sie freuen sich wie verrückt über die Gummibärchen, die ich im Gepäck habe.

Viele der Kinder werden von ihren Eltern in die Heime gebracht; jedoch nicht aus Lieblosigkeit. Die Eltern müssen früh morgens aus dem Haus und arbeiten bis zum späten Abend, wenn sie das Glück haben, Arbeit zu haben. Nur die gesunden Kinder können den Nachmittag über allein sein. Die behinderten Kinder brauchen ständige Pflege, doch sehnen sie sich nach der elterlichen Liebe. Die Betreuer versuchen, soviel es irgendwie geht, zu ersetzen. Aber wie soll man alles schaffen, wenn die Bedingungen deutlich schlechter sind als zum Beispiel bei uns in Deutschland.

Wenigstens gut essen sollen sie doch unsere Kinder, sagen die Heimleiterinnen, wenn die Kinder schon Mama und Papa nicht haben und auf ein normales Leben ohnehin verzichten müssen.

Hinzu kommen die Probleme mit den beengten Räumlichkeiten. Zu viele Familien fragen nach freien Plätzen, die rar sind und so gibt es klare Regeln für den Abschied der älteren Kinder. Sie müssen entweder zuhause betreut werden oder kommen in neue, unbekannte Unterkünfte, fort von der vertrauten Umgebung.

Davon sind auch Sergej und Natascha betroffen. Die beiden sind geboren mit Trisomie 21, landläufig auch Mongolismus genannt wegen der typischen Augenform. Sergej und Natascha leben zusammen, seitdem sie klein sind.

Nun mit 16 wird Sergej zu alt für das Kinderheim. Natascha jedoch, zwei Jahre jünger wird bleiben. Die Beiden spielen miteinander Friseur. Sergej macht Natascha die Haare hübsch und wenn er fertig ist, bewundert sie sein Werk im Spiegel, dann geht?s wieder von vorne los. Es macht Spaß, den Beiden zu zuschauen. Und sie sind glücklich, jeder im Raum, auch ich als Neuankömmling, kann das spüren. Sie wissen nicht, dass sie in Kürze getrennt werden. Die Heimleiterin sagt, das wird furchtbar für uns alle, die beiden lieben sich. Wir stellen immer wieder Anträge für einen Anbau, aber es gibt kein Geld. Wir müssen immer wieder Abschied nehmen.

Natascha und Sergej werde ich niemals vergessen. Ich frage mich oft, wie es ihnen nun geht. Ich kenne sie gar nicht und habe sie trotzdem so rasch und für immer lieb gewonnen.

Auf meiner Reise durch Moldova durfte ich viele Menschen kennen lernen, jeder Einzelne von ihnen ist eine Geschichte wert. Kinder und Familien - alte Leute, die in langer Schlange für ihr Mittagessen anstehen, das größte Erlebnis an jedem Tag. Soviele Menschen, die schicksalhaft da leben, wo sie nun einmal leben und daran auch nichts ändern können. Wir können daran ebenso wenig ändern und vielleicht ist das auch nicht nötig. Denn trotz der Armut habe ich viel Glück und Freude erlebt. Aber wir können die Menschen in Moldova und anderswo in Osteuropa unterstützen.

Denn, wie sehr Europa auch zusammengewachsen sein mag, unser Lebensstandard ist dort noch lange nicht angekommen und wird wohl sicherlich noch lange auf sich warten lassen. Mit unserer Hilfe schenken wir auch kein neues Leben, aber viele Momente des Glücks und der Zuversicht.

Durch unsere schönen Lebensmittelpäckchen und die tollen ANTENNE BAYERN Weihnachtstrucker, die die Päckchen zu Weihnachten ans Ziel bringen, schaffen wir gemeinsam etwas Großes. Ohne diese Menschen in den Zielgebieten zu kennen, schenken wir. Und wenn Sie das Gefühl haben, liebe ANTENNE BAYERN Hörer, dass Sie damit Gutes tun, dann hören Sie auf Ihr Gefühl. Denn Sie tun es.

In Dankbarkeit Ihre Angelika Demmerschmidt, Initiatorin ANTENNE BAYERN Weihnachtstrucker



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