13.03.2010

Deutsche Bank ließ Lehman Brothers abblitzen

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Die Lehman-Pleite hatte die Finanzkrise im Herbst 2008 dramatisch verschärft. (Foto: dpa) Bild vergrößern Kurz vor ihrer schicksalhaften Pleite hat sich die US-Investmentbank Lehman Brothers hilfesuchend an die Deutsche Bank gewandt. Die Frankfurter zeigten den New Yorkern allerdings die kalte Schulter.

Die Deutsche Bank sei nicht einmal bereit gewesen, über eine mögliche Transaktion zu reden, heißt es im 2200 Seiten starken Untersuchungsbericht zur Lehman-Insolvenz. Am 15.

September 2008 brach das US-Institut schließlich zusammen und löste damit eine Schockwelle an den internationalen Finanzmärkten aus.

Die Deutsche Bank steht auf einer langen Liste von Kreditinstituten und Finanzinvestoren, bei denen Lehman Brothers in den Monaten vor der Pleite angeklopft hatte. Die US-Investmentbank wollte dabei eine rettende Fusion, eine Übernahme oder zumindest eine Beteiligung ausloten. Das erschien aber allen Angesprochenen zu riskant. Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte die Informationen am Samstag nicht kommentieren.

Alles in allem war die US-Investmentbank laut Untersuchungsbericht auf mehr als 30 mögliche Partner und Geldgeber aus aller Welt zugegangen. Auch mit dem direkten Rivalen Morgan Stanley hatte Lehman-Chef Richard Fuld Kontakt aufgenommen. Einige der Angesprochenen wie die japanische Nomura oder die britische Barclays Bank bedienten sich später aus der Insolvenzmasse.

Die Hektik bei der Suche nach einem Partner resultierte aus dem Beinahe-Kollaps des kleineren Konkurrenten Bear Stearns, der im März 2008 von der US-Großbank JP Morgan aufgefangen wurde. Die Bank of America übernahm fast zeitgleich mit der Lehman-Pleite die Investmentbank Merrill Lynch - und verhob sich an ihr. Der Staat musste mit Steuergeldern einspringen.

Lehman Brothers hatte sich wie viele andere Finanzunternehmen mit kompliziert konstruierten Hypothekenpapieren verspekuliert. Schon Monate vor dem Zusammenbruch stand die Investmentbank auf wackeligen Beinen. Mit Bilanztricks kaschierte sie ihre desolate Lage. Über sogenannte «Repo 105»-Geschäfte hübschte sie ihre Bilanzen jeweils kurz vor wichtigen Stichtagen auf und präsentierte sich damit nach Außen hin als gesundes Unternehmen.

Die Deutsche Bank gehörte laut des am späten Donnerstag vorgelegten Berichts von Sonderermittler Anton Valukas zu den Partnern bei diesen Geschäften. Dabei ist allerdings unklar, ob die Frankfurter etwas von der Zahlenkosmetik bei Lehman Brothers mitbekommen haben. Repo-Geschäfte an sich sind in der Finanzwelt gang und gäbe. Dabei borgt eine Bank einer anderen kurzzeitig Geld und bekommt dafür im Gegenzug Vermögenswerte überlassen. Lehman Brothers ließ bestimmte Repo-Transaktionen in den Büchern wie dauerhafte Verkäufe aussehen.

Die Pleite von Lehman Brothers gilt als Höhepunkt der Finanzkrise. Ab diesem Zeitpunkt verloren die Banken jegliches Vertrauen untereinander, der Geldfluss versiegte. Eine Kettenreaktion an Pleiten in der Finanzwelt setzte ein. Nur das massive Eingreifen der Regierungen hielt die Märkte notdürftig am Laufen. Die Zeche zahlen die Bürger bis heute. (Quelle: New York (dpa/lby))


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