30.06.2010

Boeing fordert Milliardenrückzahlung von Airbus

Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Ein Airbus A380 und eine Boeing 747. (Foto: dpa) Bild vergrößern Im Streit um Subventionen für die Flugzeugindustrie bleiben die Konkurrenten Airbus und Boeing unversöhnlich.

Nach der offiziellen Vorlage der Entscheidung der Welthandelsorganisation (WT0) am Mittwoch in Genf, sehen die USA ihren Vorwurf der Staatssubventionierung für das europäische Flugzeug bestätigt. Dagegen verweist Airbus erneut darauf, dass 70 Prozent der von den USA erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen worden seien.



Boeing feiert die WTO-Entscheidung als Sieg. Der US-Flugzeugbauer fordert nun, dass der europäische Erzrivale erhaltene Kredite zurückzahlt. «Jeder einzelne Fall an Anschubfinanzierung, den die USA angefochten hat, wurde als unrechtmäßig befunden», sagte Boeings Chefjustiziar J. Michael Luttig am Mittwoch in Seattle. «Airbus muss fortan eigenständig in Wettbewerb treten - ohne die Unterstützung der europäischen Steuerzahler.»

Luttig bezifferte die fragliche Summe für den Großraumflieger A380 auf vier Milliarden Dollar. Airbus müsse das Geld zurückzahlen oder die Finanzierung zu marktüblichen Bedingungen neu auf die Beine stellen. «Zudem muss Airbus auf alle Pläne verzichten, den A350 mit unrechtmäßigen Subventionen zu finanzieren.» Der A350 ist Airbus' Antwort auf Boeings mittelgroße Langstrecken-Maschine 787 Dreamliner.

Airbus wies die Forderungen umgehend zurück. «Weder der WTO- Bericht, noch der WTO-Prozess sehen irgendeine Rückzahlung vor», sagte ein Konzernsprecher der dpa. Boeing schüre die Gerüchteküche. Die WTO hatte ihre Entscheidung bereits im März den Parteien EU und USA mitgeteilt. Dabei hatte sie zunächst die Subventionsklage der USA gegen die Europäische Union und Airbus bewertet. Die WTO erklärt in ihrem Bericht die Starthilfekredite für neue Airbus-Modelle grundsätzlich für Rechtens. Einzelne Bedingungen werden aber kritisiert. In etwa zwei Wochen will die WTO ihre Einschätzung zur Klage der EU gegen den US-Flugzeughersteller Boeing abgeben.

Im jetzigen Verfahren werfen die USA den Europäern vor, Airbus- Programme mit 15 Milliarden Dollar Starthilfen gefördert zu haben. Paris und Washington kommen zu unterschiedlichen Bewertungen der WTO-Entscheidung. Die französische Regierung begrüßte erneut das WTO- Urteil und kündigte die Fortsetzung der Starthilfekredite für Airbus an. «Die WTO hat bestätigt, dass es völlig akzeptabel ist, dieses Instrument im Rahmen einer bedeutenden strategischen Industriekooperation einzusetzen», erklärte das Pariser Verkehrsministerium.

Dagegen sprach der US-Handelsbeauftragte Ron Kirk in Washington von einem «wichtigen Sieg» für die Beschäftigten der amerikanischen Luftfahrtindustrie. «Diese Subventionen haben den Vereinigten Staaten großen Schaden zugefügt und Boeing Umsatz und Marktanteile gekostet», hieß es in einer Mitteilung. Die Entscheidung trage dazu bei, dass der Wettbewerb mit Airbus wieder auf gleicher Augenhöhe stattfinde. Präsident Barack Obama und er seien entschlossen, Handelsvereinbarungen durchzusetzen und dabei den Prozess der Welthandelsorganisation zu nutzen. (Quelle: Genf/Paris/Washington (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Die erste für Japan Airlines bestimmte Boeing 787 «Dreamliner». Foto: Boeing
Boeing mit neuem «Dreamliner»-Problem

06.02.2012: Der «Dreamliner» bereitet Boeing schon wieder Kopfzerbrechen. Nach Angaben des US-Flugzeugbauers ist bei der Produktion des hochmodernen Langstreckenfliegers etwas schief gelaufen.

Kehraus an der New Yorker Börse. Foto: Andrew Gombert/Archiv
Brüssel stoppt Börsenfusion

01.02.2012: Die Börsen von Frankfurt und New York müssen ihren Plan für den weltgrößten Handelsplatz beerdigen.

Thomas Enders beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Foto: Jean-Christophe Bott
Deutscher Top-Manager Enders wird EADS-Chef

26.01.2012: Der deutsche Spitzenmanager Thomas Enders (53) leitet künftig Europas größten Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Der derzeitige Chef der größten EADS-Tochter Airbus werde Ende Frühjahr die Nachfolge des Franzosen Louis Gallois antreten.

Jean-Claude Trichet, Ex-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Foto: Boris Roessler
Zeitung: Trichet wird Mitglied im EADS-Verwaltungsrat

26.01.2012: Jean-Claude Trichet, Ex-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), winkt eine neue Aufgabe.

Ein A380 während eines Demonstrationsflugs: Airbus muss auf Anweisung der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA fast ein Drittel der weltweit 67 Mega-Jets auf Risse an den Tragflächen untersuchen lassen. Foto: Ali Haider / Archiv
A380: Risse in Tragflächen sind Produktionsproblem

25.01.2012: Die jüngsten Probleme des europäischen Flugzeugbauers Airbus mit seinem doppelstöckigen Riesenflieger A380 liegen nach Angaben des Unternehmens am Fertigungsprozess.

Neue Milliardenaufträge für Boeing und Airbus: Die Fluggesellschaft Norwegian hat insgesamt 222 Flugzeuge beim US-Hersteller und dessen europäischem Konkurrenten bestellt. Foto: Fixion © Airbus S.A.S 2011
Jubel in der Luft: Flugzeugbauer und Airlines florieren

25.01.2012: Das Luftfahrtgeschäft boomt wie selten zuvor. Trotz Schuldenkrise, Börsenturbulenzen und neuen Rezessionsängsten lassen sich die Menschen nicht vom Fliegen abhalten.

Aus Sicht der EU-Kommission hat die Deutsche Post die staatlichen Beihilfen ungerechtfertigt bekommen. Foto: Oliver Berg / Archiv
Deutsche Post soll Beihilfen zurückzahlen

25.01.2012: Die Deutsche Post soll nach dem Willen der EU-Kommission ungerechtfertigte Beihilfen von bis zu einer Milliarde Euro an den Staat zurückzahlen. Im Kern geht es um Subventionen für Pensionskosten, verbunden mit hohen regulierten Preisen.

Zwei Tabletten Viagra liegen auf der Medikamentenverpackung. Foto: Uli Deck / Archiv
EU-Richter: Getränke dürfen nicht an Viagra erinnern

25.01.2012: Wer einen Energy-Drink oder auch etwas Alkoholisches zu sich nimmt, sollte dabei nicht auf potenzsteigernde Wirkung des Medikaments Viagra hoffen.

Insgesamt 67 Exemplare des Mega-Jets Airbus A380 sind weltweit im Dienst. Foto: Ali Haider
Airbus untersucht fast jede dritte A380 auf Risse

20.01.2012: Neue Probleme beim Riesenflieger A380: Der europäische Flugzeugbauer Airbus muss 20 Exemplare auf Risse an den Tragflächen untersuchen lassen. Das entspricht fast einem Drittel der insgesamt 67 Flugzeuge des Typs, die bisher weltweit im Dienst sind.


Meistgelesene Artikel

Singleschnäppchen Marina

Single-Schnäppchen: Marina aus Mittelfranken
Die quirlige Marina aus Mittelfranken ist auf der ...

mehr

Heiratsantrag

Was war Ihr schönster Liebesbeweis?
Pünktlich zum Valentinstag suchen wir Bayern tolls...

mehr