24.08.2010

Deutsche Wirtschaft boomt dank Export

Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Der deutsche Exportmotor brummt und zieht die deutsche Wirtschaft im Rekordtempo aus der Krise.  (Foto: dpa) Bild vergrößern Deutschlands Wirtschaft erlebt eine fulminante Renaissance. Vor einem Jahr am Boden, hat sie sich wieder zu Europas Konjunkturlokomotive gemausert. Doch der Aufstieg ist teuer erkauft.

Während der deutsche Exportmotor nach dem verheerenden Vorjahr wieder brummt und die deutsche Wirtschaft im Rekordtempo aus der Krise zieht, klafft in den Staatskassen ein gigantisches Loch.



Allein im ersten Halbjahr 2010 fehlten dem Staat rund 42,8 Milliarden Euro, um seine etwa durch Kurzarbeitergeld außergewöhnlich aufgeblähten Ausgaben zu finanzieren. Das Defizit war damit mehr als doppelt so groß wie von Januar bis Juni 2009 (18,7 Mrd Euro), wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden berichtete.

Dabei war Deutschland eigentlich auf einem guten Weg, zumindest das stetige Wachstum des Schuldenberges zu stoppen. Vor der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, die Deutschland in die tiefste Rezession der Nachkriegsgeschichte stürzte, hatten Bund, Länder, Kommunen und Sozialkassen 2007 und 2008 zweimal in Folge einen Überschuss erzielt. Dann machte die Krise den Finanzpolitikern einen dicken Strich durch die Rechnung.

Jetzt müssen sie schon wegen der selbst auferlegten Schuldenbremse von neuem beginnen, den auf 1705 Milliarden Euro angewachsenen Schuldenberg mühsam abzutragen. Zwar werden im politischen Berlin schon Stimmen laut, die angesichts des unerwartet rasanten Aufschwungs Steuersenkungen fordern. Doch die Deutsche Bundesbank reagiert unwirsch und ermahnt die Politik, sämtlichen «Versuchungen zur finanzpolitischen Aufweichung (etwa durch Steuersenkungen oder Ausgabenerhöhungen) zu widerstehen».

Ohnehin werde sich die Lage der deutschen Staatsfinanzen 2010 nochmals erheblich verschlechtern. Dieser Trend muss aus Sicht der Notenbanker rasch gestoppt werden: Die jüngste Krise habe verdeutlicht, dass solide Staatsfinanzen eine entscheidende Voraussetzung für eine handlungsfähige Finanzpolitik auch in Krisenzeiten ist. Das hoch verschuldete Griechenland war nur mit internationaler Hilfe vor einem Staatsbankrott bewahrt worden.

Die Konjunkturpakete laufen zwar zum Jahresende aus. Die umfangreichen Steuersenkungen im laufenden Jahr - wie die Tarifsenkung bei der Einkommensteuer oder Erleichterungen bei der Unternehmensbesteuerung - vermindern die staatlichen Einnahmen aber weiter, betont die Bundesbank. Die Bundesregierung plant 2010 ein gesamtstaatliches Defizit von rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein. Danach muss gespart werden.

Experten bezweifeln, dass die öffentlichen Sparzwänge das deutsche Wirtschaftswachstum von zuletzt 2,2 Prozent im zweiten Quartal entscheidend bremsen werden. «Die Konjunkturpakete haben geholfen, den Abschwung zu stoppen. Aber der aktuelle Aufschwung ist weltweit und allgemein, damit haben die Konjunkturpakete gar nicht viel zu tun», betont Deutsche-Bank-Analyst Frank Zipfel.

Auch aus Sicht von Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud ist die Wirkung der staatlichen Stützungsprogramme auf das Wachstum eher bescheiden. «Der Aufschwung kommt von der weltweiten Erholung, die Konjunktur läuft längst von allein.» Sie begrüßt das Ende der Pakete, damit die Wirtschaft nicht länger am Tropf des Staates hängt: «Mit Blick auf den Arbeitsmarkt brauchen wir keine Staatsprogramme, und mit Blick auf die Staatsverschuldung können wir sie uns auch nicht leisten.»

Tatsächlich ist der Aufschwung nach dem tiefen Absturz 2009 stabiler als zuvor befürchtet, betont Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Denn auch Investitionen und Konsum ziehen wieder an. Wichtigster Wachstumstreiber bleibt aber der Export. Daher könnten auslaufende Konjunkturpakete in Partnerländern die Nachfrage nach deutschen Waren zwar schmälern. Deutsche-Bank-Chefökonom Thomas Mayer traut der wiedererstarkten deutschen Exportwirtschaft aber zu, auf solche Unwägbarkeiten richtig zu reagieren. Der «Wirtschaftswoche» sagte er: «Die sind mit ihren Produkten immer da, wo gerade Party ist.» (Quelle: Wiesbaden (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Die Kauflust der Deutschen ist um ein Prozent gestiegen. Foto: Boris Roessler
GfK: Privater Konsum steigt 2012 um ein Prozent

09.02.2012: Die Kauflust der Deutschen nimmt nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens GfK in diesem Jahr um ein Prozent zu. «Der private Konsum leistet damit einen Beitrag zur Konjunktur und verhindert ein Abgleiten in die Rezession», sagte GfK-Vorstandschef Matthias Hartmann am Donnerstag in Nürnberg.

GfK: Privater Konsum verhindert Abgleiten in Rezession

09.02.2012: Neue Schuhe, neuer Fernseher, neues Auto: Die Kauflust der Deutschen legt nach Einschätzung von Konsumexperten in diesem Jahr um ein weiteres Prozent zu. «Der private Konsum leistet damit einen Beitrag zur Konjunktur und verhindert ein Abgleiten in die Rezession», sagte der Vorstandschef des Marktforschungsunternehmens GfK, Matthias Hartmann, am Donnerstag in Nürnberg.

Wesentliche Stütze der Konjunktur in Deutschland ist der private Konsum. Foto: Marc Müller
DIHK: Unternehmer unbeirrt optimistisch

09.02.2012: Neue Arbeitsplätze, mehr Investitionen und Kunden in Kauflaune: Die Unternehmen in Deutschland lassen sich von Krisenszenarien wenig beeindrucken. In der jüngsten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bleibt die Lageeinschätzung optimistisch.

Ministerium: Jeder zwölfte Leiharbeiter stockt auf

08.02.2012: Jeder zwölfte Leiharbeiter hat nach Angaben der Bundesregierung im vergangenen Jahr zusätzlich zu seinem Lohn Arbeitslosengeld II bezogen. Etwa 65 000 der gut 820 000 Leiharbeiter in Deutschland hätten Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitslose erhalten.

Bayerns Unternehmer sorgen sich um Energiepreise

08.02.2012: Bayerns Unternehmen betrachten die Energiewende als eines der größten Risiken für die Entwicklung der Wirtschaft in diesem Jahr.

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist 2011 um knapp sechs Prozent auf 30 200 Fälle zurückgegangen. Foto: Oliver Berg
Konjunktur-Lok Deutschland dämpft Insolvenzen

07.02.2012: Die deutschen Unternehmen trotzen der tiefgreifenden Schuldenkrise in Europa: Die Zahl der Firmenpleiten sei 2011 um knapp sechs Prozent auf 30 200 Fälle zurückgegangen, sagte das Vorstandsmitglied der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, Helmut Rödl, bei der Vorlage der Insolvenzzahlen.

Konjunkturexperten verzeichnen eine Stimmungsverbesserung in der exportorientierten Industrie. Foto: Maurizio Gambarini
KfW: Zuversicht im deutschen Mittelstand steigt

06.02.2012: Allen Konjunktursorgen zum Trotz ist die Zuversicht im deutschen Mittelstand zum Jahresbeginn weiter gestiegen. Das mittelständische Geschäftsklima kletterte im Januar zum dritten Mal in Folge gegenüber dem Vormonat.

Heizöl und Kraftstoffe bleiben die wichtigsten Preistreiber. Foto: Marcus Brandt/Archiv
Inflation frisst nominales Lohnplus auf

06.02.2012: Der kräftige Anstieg der Verbraucherpreise hat zum Jahresende 2011 ein Loch in die Geldbeutel der Arbeitnehmer gerissen. Erstmals seit Ende 2009 sanken im Schlussquartal 2011 die Reallöhne in Deutschland im Jahresvergleich wieder, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete.

Stahlrollen auf einem Verladeplatz in Shenyang: Deutsche Manager fürchten sich nicht vor wachsender Konkurrenz aus dem Reich der Mitte. Foto:Linfeng
Manager fürchten Konkurrenz aus China nicht

05.02.2012: Deutsche Manager setzen weiter auf das rasante Wirtschaftswachstum in China und fürchten sich nicht vor wachsender Konkurrenz aus dem Reich der Mitte.


Meistgelesene Artikel

Singleschnäppchen Marina

Single-Schnäppchen: Marina aus Mittelfranken
Die quirlige Marina aus Mittelfranken ist auf der ...

mehr

Winter Schnee Baum kalt

Kälteeinbruch: So kommen Sie sicher durch den Winter
Brrrr. Es wird kalt in Bayern. Wir haben die beste...

mehr