10.02.2012

Griechenland-Chaos bringt Euro unter Druck

Politische Querelen in Griechenland haben den Euro am Freitag von einem Zweimonatshoch fallen lassen. Die an der griechischen Regierung beteiligte Laos-Partei ließ neue Zweifel an der Reformfähigkeit des hochverschuldeten Eurolands aufkommen.
Diesen Artikel auf Twitter empfehlen

Die Erleichterung über die am Donnerstag bekanntgegebene Einigung der griechischen Übergangsregierung, die Ansprüche der internationalen Geldgeber zu erfüllen, war am Devisenmarkt schnell verflogen. Foto: Boris Roessler  (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)


Politische Querelen in Griechenland haben den Euro am Freitag von einem Zweimonatshoch fallen lassen. Die an der griechischen Regierung beteiligte Laos-Partei ließ neue Zweifel an der Reformfähigkeit des hochverschuldeten Eurolands aufkommen.

Die europäische Gemeinschaftswährung reagierte am Nachmittag empfindlich und fiel auf ein Tagestief bei 1,3156 US-Dollar. Am Morgen war sie noch mit 1,3286 Dollar in den Handel gestartet.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3189 (Donnerstag: 1,3288) Dollar festgesetzt.

Die Erleichterung über die am Donnerstag bekanntgegebene Einigung der griechischen Übergangsregierung, die Ansprüche der internationalen Geldgeber zu erfüllen, war am Devisenmarkt schnell verflogen. Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker hatte noch am Abend betont, man werde sich nicht weiter mit Versprechungen zufrieden geben. Um das im Grundsatz vereinbarte 130-Milliarden-Euro-Hilfspaket zu bekommen, muss Griechenland innerhalb der nächsten Woche weitere Bedingungen erfüllen.

Diese Auflagen will die rechtsgerichtete LAOS-Partei jedoch nicht mittragen und sorgte damit zum Wochenausklang für weitere Belastung beim Euro. «So wie das Abkommen derzeit aussieht, können wir nicht dafür stimmen», sagte Parteichef Giorgos Karatzaferis am Nachmittag in Athen. Alle 16 Abgeordneten seiner Partei würden hinter dieser Entscheidung stehen. Er wolle den sozialen Frieden in Griechenland sichern. «Massive Gehaltskürzungen sind sicher nicht angenehm, die Alternative ist jedoch die ungeordnete Insolvenz», so die Einschätzung von Nomura-Währungsexperte Jens Nordvig.

Zu anderen wichtigen Währungen hatte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83630 (0,83665) britische Pfund, 102,43 (102,63) japanische Yen und 1,2098 (1,2103) Schweizer Franken festgelegt. In London wurde der Preis für die Feinunze Gold am Nachmittag mit 1.711,50 (1.748,00) Dollar fixiert. Ein Kilogramm Gold kostete 40 890,00 (41 220,00) Euro. (Quelle: Frankfurt/Main (dpa/lby))


ähnliche Meldungen

Als Grund für den jüngsten Kursrutsch des Euros von rund einem halben Cent nannten Händler enttäuschende Konjunkturdaten aus Italien. Foto: Uwe Anspach dpa
Euro auf 22-Monatstief - Weiterer Absturz droht

23.05.2012: Der Euro ist am Mittwoch vor dem EU-Gipfel zur Schuldenkrise auf den tiefsten Stand seit Juli 2010 gefallen. Hauptbelastungsfaktor für die europäische Gemeinschaftswährung ist laut Experten die für 17. Juni angesetzte Neuwahl in Griechenland.

Mike Mohring: Eurobonds gefährden Länderfinanzen. Foto: Martin Schutt/Archiv
Unionsfinanzpolitiker kollektiv gegen Eurobonds

22.05.2012: Die Finanzpolitiker von CDU und CSU aus 15 Bundesländern machen kollektiv Front gegen die Einführung von Eurobonds.

EZB-Direktor Jörg Asmussen hält es offenbar für dringend nötig, dass der dauerhafte Rettungsschirm ESM pünktlich zum 1. Juli und funktionsfähig startet.
EZB-Direktor warnt vor Aufweichen von Fiskalpakt

21.05.2012: Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen, hat vor Neuverhandlungen über den europäischen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin gewarnt.