02.07.2015 | Politikblog 2-2 = 2? Stromtrassen-Mathematik!

CDU, CSU und SPD haben sich in Berlin nach monatelangen Verhandlungen auf das weitere Vorgehen zur Energiewende verständigt. Herausgekommen ist – wenig überraschend – ein Kompromiss. Ministerpräsident Seehofer erklärte, er sei rundum zufrieden, denn die beiden geplanten Monsterstromtrassen durch Bayern seien verhindert worden. Wirtschaftsministerin Aigner rechnete vor: „Aus meiner Formel 2-X wird damit X=2“. Die Trassengegner rechnen aber scheinbar mit einer anderen Mathematik. Der Kompromiss sei „ein Rückschlag für die dezentrale Energiewende in Bayern“, heißt es vom Bund Naturschutz. Der Sprecher des „Aktionsbündnisses gegen die Süd-Ost-Trasse“, Markus Bieswanger, sagte: „Gemessen an der ursprünglichen Zusage, die Trasse gänzlich zu verhindern, ist Ministerpräsident Horst Seehofer eingeknickt.“ Hier die Details der Einigung im Überblick:

Stromtrassen

Es werden jetzt doch beide geplanten Gleichstromleitungen nach Bayern kommen. Allerdings sollen sie – wo immer es möglich ist – unter der Erde verlegt werden. Allein das kostet geschätzte 11 Milliarden Euro extra. Außerdem sollen sie bevorzugt entlang bereits bestehender Leitungen geplant und besonders schützenswerte Gebiete ganz geschont werden. Das bezieht sich vor allem auf die Rhön. Die so genannte Südost-Leitung soll jetzt am Kraftwerk Isar bei Landshut enden. Die Suedlink-Leitung soll nur kurz durch Bayern verlaufen, von der hessischen Grenze nach Grafenrheinfeld – wenn die Hessen mitspielen.

Gaskraftwerke

Um die starken Schwankungen bei erneuerbaren Energien abzupuffern, soll die Gaskraft in Bayern mit staatlichen Subventionen ausgebaut werden. Das hochmoderne Kraftwerk Irsching wird weiterbetrieben. Außerdem sollen im oberbayerischen Haiming und im schwäbischen Leipheim zwei neue Gaskraftwerke mit insgesamt bis zu zwei Gigawatt Leistung entstehen.

Atommüll

Den Streit um die Lagerung der 26 Atommüllbehälter hat die Koalition erst mal dezent ausgeklammert, obwohl Ministerpräsident Seehofer es ja eigentlich als Gesamtpaket behandeln wollte. Jetzt heißt es in der Vereinbarung nur knapp, es würden „Gespräche mit den Ländern“ geführt. Ergebnis: offen.