20.01.2016 | Politikblog Die CSU bedrängt Merkel durch die Blume

Ach, es könnte doch so schön sein in Bayern. Die Sonne scheint über dem malerischen Panorama der Tegernseer Berge. Der Schnee glitzert. Die Trachtler sind geschniegelt. Zwei kleine Buben überreichen einen üppigen Blumenstrauß. Und zwar Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die bedankt sich ganz freundlich. Und wünscht den beiden in der kurzen Lederhose, dass sie doch ganz schnell ins Warme gehen sollen. Und dann wird es plötzlich frostig.

Die freundliche Begrüßung war nämlich nur das Vorspiel des Besuchs von Bundeskanzlerin Merkel bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion in Wildbad Kreuth. Und das Hauptthema ist immer noch der Streit um die richtige Flüchtlingspolitik. Seit Wochen versucht die CSU, die Kanzlerin zu einer Wende in ihrer Politik zu bewegen. Vergeblich. Vor zwei Wochen war Merkel schon mal in Kreuth, damals zu Gast bei der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten. Auch dabei gab es keine Annäherung. Und auch beim Treffen mit der Landtagsfraktion wird das nicht anders sein.

In der Sitzung wird die Stimmung kühl. Die Abgeordneten überschütten Merkel förmlich mit Kritik. Finanzminister Markus Söder erklärte der Kanzlerin, die Lage sei aus dem Ruder gelaufen. Die Grenzen offen zu lassen, sei ein schwerer Fehler. CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer verweist auf Österreich, das eben erst eine Obergrenze für Flüchtlings beschlossen habe. Genau so eine Obergrenze, wie sie die CSU für Deutschland fordert. Merkel allerdings blieb hart. Miteinander reden sei von allergrößter Bedeutung, erklärt die Kanzlerin, selbst wenn man nicht in allem einer Meinung sei.

Und so bleiben die extra für dieses Treffen von der CSU angefertigten Sicherheits-Sticker für Journalisten mit einem Bild der berühmten Merkelschen Raute vor einem weiß-blauen Lebkuchenherz wohl die einzigen bleibenden Erinnerungsstücke an diesen Versuch der CSU, der Kanzlerin einen Wechsel ihrer Flüchtlingspolitik durch die Blume nahezubringen.