31.10.2019 | Familie & Kinder Ärzte fordern Werbeverbot für Kinderschokolade, Milchschnitte und Co.

Ein lachender Junge auf der Schokoladen-Verpackung, ein drolliger Comic-Tiger auf der Cornflakes-Schachtel oder eine coole Kuh auf dem Pudding-Becher. Kinder fahren darauf ab, die Produkte sind aber alles andere als gesund. Deutschlands Kinderärzte fordern deshalb ein Werbeverbot für sogenannte Kinderlebensmittel.

Foto: Oliver Berg dpa

Jeder kennt sie und jeder findet sie auch irgendwie knuffig: Die Figuren und Gesichter auf Lebensmittel-Verpackungen, die werblich speziell Kinder ansprechen wollen. Für viele von uns wären Produkte wie etwa Kinder Pinguí, das Überraschungsei, Kellogg's Cornflakes mit einem lustigen Comic-Tiger oder der Pudding mit Kuh Paula unvorstellbar. Doch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach sagt klipp und klar: „Das ist verantwortungslos und muss gestoppt werden.“

Kinderärtze-Chef betont: Kinderlebensmittel gibt es gar nicht

Lebensmittelkonzerne erwecken mit „Dinosaurier-Bildern oder strahlenden Jungen und Mädchen auf der Verpackung den Eindruck, es gäbe Lebensmittel für Kinder, als wären Milchschnitte oder Kinderschokolade gesund und ein sinnvoller Bestandteil des Nahrungsmittelkataloges“, so Fischbach im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Der Chef der Kinderärzte fordert „ein Werbeverbot für sogenannte Kinderlebensmittel, die es ja tatsächlich gar nicht gibt.“ Die Folgen der grassierenden Fettsucht schon der Kleinen habe „dramatische“ Folgen, vom Leid der Betroffenen bis zu den Kosten für das Gesundheitssystem, so der BVKJ-Präsident.

Der Politik stellt Fischbach ein schlechtes Zeugnis aus: Die Strategie der Bundesregierung für zucker- und fettreduzierte Rezepte in Fertigprodukten sei „viel zu schwach“. Die Folge der politischen Verzagtheit seien immer mehr übergewichtige und kranke junge und ältere Menschen.

Eltern kapitulieren vor quengelnden Kids 

Aber auch von Mamas und Papas verlangt der oberste Kinderarzt mehr Konsequenz. Für Eltern, die zu ihren Kindern nicht nein sagen können, hat er kein Verständnis: „Die Quengel-Kassen an den Supermärkten gibt es seit Jahrzehnten“, so Fischbach gegenüber der NOZ. „Heute kapitulieren die Eltern. Das ist ein gefährlicher Teufelskreis, denn wenn Quengeln belohnt wird, wird es immer lauter.“ Und Fischbach ist sicher, dass es geht. Denn früher hätten Kinder viel seltener Süßigkeiten bekommen.

Mehr zum Thema: