26.11.2019 | Familie & Kinder Deutschland und das Fernsehen: Das sind unsere TV-Gewohnheiten

Im Jahr 1984 begann die Ära des Privatfernsehens - damit veränderte sich unser Leben drastisch. Wie sich das Fernsehprogramm mit den Jahren verändert hat und welche Kultserien sich halten konnten oder gar eine Neuauflage erhielten, verrät dieser Beitrag.

Abbildung 1: Im Jahr 2018 lag die durchschnittliche Fernsehdauer der Deutschen bei 217 Minuten.

Wie lange läuft der Fernseher eigentlich am Tag? 

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung kann diese Durchschnittswerte relativ genau beziffern. Im Jahr 2018 lang die durchschnittliche Sehdauer bei 217 Minuten. Damit fallen die Werte erstmals seit fast zehn Jahren wieder unter die 220er-Marke. Im Jahr 2009 lagen die Werte bei 212 Minuten, seit dem Jahr 2010 liegen sie stabil über 220 Minuten.

Was viele vielleicht nicht geglaubt hätten, ist die Tatsache, dass es sich bei diesen Zahlenwerten durchaus um ein recht deutliches Bild der Steigung handelt. Im Jahr 2002 lag die Durchschnittsdauer erstmals über 200 Minuten, im Jahr 1991 wurde die 150-Minuten-Hürde geknackt. Für das Jahr 2018 legt die Arbeitsgemeinschaft darüber hinaus eine Auflistung vor, welche Altersgruppe die wenigste und welche die längste Zeit täglich vor dem Fernseher zubringt.

  • Mit 315 Minuten durchschnittlicher Sehdauer liegt die Gruppe der 50-Jährigen (und Älterer) auf Rang 1 derer, die am meisten Fernsehen.
  • Auf Rang 2 liegt die Gruppe der Erwachsenen zwischen 30 und 49 Jahren mit 194 Minuten durchschnittlicher Sehdauer.
  • Die 14- bis 29 Jährigen (durchschnittlich 94 Minuten) und die Drei- bis 13-Jährigen (durchschnittlich 64 Minuten) liegen deutlich dahinter.

Welche Fernsehinhalte konsumiert der Deutsche?

Der beliebteste Fernsehinhalt sind mit Abstand die Nachrichten, die im Jahr 2019 auf 42,6 Prozent kamen und historisch betrachtet immer dann hoch im Kurs lagen, wenn es eine Krise im Land gab. Das Mittelfeld schließt sich mit Prozentzahlen zwischen 22,6 und 27,7 Prozent mit diesen Inhalten an: Krimis, Natur- und Tiersendungen, Sportübertragungen, regionale Inhalte sowie Reisemagazine und Beiträge aus der Ferne. Auf der Beliebtheitsskala zwischen 10 und 20 Prozent rangieren Serien, Quizsendungen, politische Magazine und Talkrunden, Comedy und Science Fiction, Ratgeber und Magazine sowie Daily Soaps.

Abbildung 2: Nachrichten zählen zu den beliebtesten Fernsehprogrammen.

Interessant ist dabei, dass es mit einem Blick auf die Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse aus dem Juli 2019 eine deutliche Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung des Fernsehprogramms und dem tatsächlichen Konsum gibt: Während Casting- und Realityshows, wie etwa Deutschland sucht den Superstar oder Bauer sucht Frau, ebenso wie Kochshows gefühlt einen großen Anteil am Fernsehprogramm zu haben scheinen, liegen eben diese Formate einheitlich unter der Zehn-Prozent-Hürde in der Beliebtheitsskala.

Was verdient im Fernsehen eigentlich noch die Bezeichnung „Kult“?

Was als „Kult“ im Fernsehen angesehen wird, kann nur in Abhängigkeit vom eigenen Alter bewertet werden. Aktuell geht durch die Presse, dass Sat.1 die Wiederauflage von Big Brother plant. Unverfälscht wie das Format im Jahr 2011 mit wahren Fernseh-Nobodys begann, soll es nun im Frühjahr 2020 ein Comeback geben. Die Promi-Variante soll offensichtlich weiterhin Bestand haben.

  • Waschechte Kult-Formate aus lange vergangenen Zeiten spielt hingegen Sat.1 GOLD. Dort gibt es beispielsweise eine extra große Portion Michael Landon – in Bonanza (aus dem Jahr 1972), in Unsere kleine Farm (aus dem Jahr 1975) und in Ein Engel auf Erden (aus dem Jahr 1985).
  • Auch auf NITRO dürften Fans alter Kultserien auf ihre Kosten kommen: Matlock (aus dem Jahr 1986), M*A*S*H (aus dem Jahr 1982) und ein Käfig voller Helden (aus dem Jahr 1968) läuft hier im Nachmittagsprogramm.
  • Inhaltlich in der Mystery-Schiene zuhause ist das Fernsehprogramm auf sixx: Ghost Whisperer (aus dem Jahr 2005) und Charmed (aus dem Jahr 2006) laufen eben dort beinahe schon als Endlosschleife.

Darüber hinaus landen in der Kategorie der Kult-Serien der 80er und 90er Jahre George Clooney mit Emergency Room, der Bastler Mac Gyver, die wohl bekannteste WG der Fernsehgeschichte, die Golden Girls, die Wunderbaren Jahre rund um Kevin Arnold, Beverly Hills 90210, Baywatch, Derrick, Knight Rider, Die Waltons, Die Schwarzwaldklinik, Columbo, Magnum, Lassie, Flipper, Dallas, Daktari, Die bezaubernde Jeannie, Alf, das A-Team und viele andere.

Einige kultige Themen gibt es natürlich noch heute im Fernsehprogramm, obgleich die inhaltliche Ausgestaltung doch deutlich variiert. Nach wie vor gibt es Krankenhausserien, allerdings steht beispielsweise bei The Good Doctor ein Assistenzarzt mit der Diagnose Autismus im Mittelpunkt und nicht mehr George Clooney in Emergency Room. Aus unbegreiflichen Bastelansätzen, die Mac Gyver täglich an den Tag gelegt hat, wurden nun Kopf-Akrobaten – beispielsweise bei Numbers oder bei Einstein.

Die inhaltliche Weiterentwicklung des Fernsehprogramms wurde im Übrigen nicht immer angestrebt: Für Dallas und Baywatch wurden Fortsetzungen gedreht. Und auch von Beverly Hills gibt es mittlerweile eine „Neue Generation“, die bereits fünf Jahre lang ausgestrahlt wird und vielleicht von der jüngeren Generation irgendwann auch als Kult bezeichnet wird.