13.03.2020 | Familie & Kinder Goodbye, Nachwuchs: Wie sich die neugewonnene Eltern-Freiheit nutzen lässt

Irgendwann kommt der Tag, an dem die Kids für Ausbildung, Beruf und/oder Partner das elterliche Nest verlassen. Das solltet ihr nutzen, denn ihr habt es euch verdient.

Wenn die Kinder ausgezogen sind, haben Paare alle Chancen für einen wunderbaren zweiten Frühling – man muss sie aber auch nutzen.

Kinder sind wunderbar. Aber mal Hand aufs Herz: Wenn aus krabbelnden Wonneproppen Heranwachsende mit eigenem Charakter, eigenen Lebensweisen geworden sind, mit denen man statistische 23,7 Jahre unter einem Dach verbracht hat, wird es einfach Zeit, dass der nächste Lebensabschnitt beginnt. Der Abschnitt, in der Eltern nach mehreren Jahrzehnten „Dienst“ wieder Zeit für sich bekommen.

Natürlich, meist geschieht dieser Auszug mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nicht wenige Eltern fallen auch erst einmal in ein tiefes Loch; andere hingegen wissen nicht so recht, was sie jetzt tun sollen – und verbleiben im Alltags-Status-Quo. Verständlich ist das, aber ihr solltet nicht vergessen, dass mit dem Auszug zumindest eine Menge räumliche Freiheit in eurem Zuhause kommt. Falls euer Nachwuchs auch nur teilweise auf eigenen finanziellen Beinen stehen kann, bleibt auch auf eurem Konto mehr übrig. Beides gute Gründe, um sich etwas zu gönnen. Wie das gehen kann, zeigt der folgende Artikel

Akzeptiert die Lage

In diesem Ratgeber wird es viele positive Dinge geben. Aber zunächst müssen wir über die psychologischen Folgen sprechen, weil sie so häufig vorkommen.

„Verweile doch! Du bist so schön!“
Goethe - Faust

Glücklich sind die wenigsten Eltern, wenn der Nachwuchs geht. Das hat viele Facetten:

  • Die Eltern-Kind-Bindung ist heute eine viel freundschaftlichere als in früheren Jahrzehnten. Es geht nicht nur „das Kind“, sondern oft ein echter Freund.
  • Gewohnheitstier Mensch: an die Lebensweisen, die sich in 20, 25 Jahren eingespielt haben, hat man sich ebenso stark gewöhnt wie daran, dass immer mindestens eine weitere Person im Haus lebt.
  • Der Auszug des einzigen/letzten Kindes ist eine Zäsur. Die „unmittelbare Elternzeit“ ist vorbei, damit beginnt für viele die psychologische Grenze zum Alter – auch wenn man noch verhältnismäßig jung an Lebensjahren ist.

Angesichts dessen ist es vollkommen okay, dass ihr keinen Jubeltanz abhaltet, wenn der Umzugswagen abfährt. Auch Tränen sind normal. Allerdings darf die Trauer (die im Übrigen auf beiden Seiten vorhanden sein wird) nicht dazu führen, dass ihr falsch handelt. Macht euch folgendes bewusst:

  • Ihr müsst die jetzige Situation als Faktum begreifen. Als zwingend notwendiger Schritt auf dem Weg zum selbstständigen Erwachsenenleben eures Kindes. So schön die heimische Familienzeit war, sie muss enden, sonst können die weiteren Phasen nicht folgen – etwa, dass ihr Großeltern werdet.
  • Ausziehen ist der logische Schritt eurer Erziehung. Alles, was ihr tatet, war direkt oder indirekt darauf ausgerichtet, aus eurem einstmals hilflosen Baby eine starke, selbstständige Persönlichkeit zu machen.
  • Der Auszug ist nur eine letzte Zäsur von vielen. Schon als euer Nachwuchs in die Kita ging, musstet ihr loslassen. Später dann, als er den Schulweg erstmals allein absolvierte, als er das erste Mal bei seiner Teenager-Liebe übernachtete... Auch wenn ihr es nicht glaubt, ihr seid bereits Loslassen-Routiniers.
  • Ihr habt euch lange eingeschränkt, habt auf manches verzichtet. Ihr habt es euch mehr als verdient, es euch jetzt gutgehen zu lassen.

Vor allem den letzten Punkt solltet ihr euch immer wieder vor Augen halten: Was jetzt kommt, ist die Belohnung dafür, dass ihr jahrelang selbstlose Eltern wart – mit den Worten eures Nachwuchses:

„Gönn dir!“
Jugendsprache der 2010er

1. Endlich wieder gemeinsam Urlauben

Vielleicht habt ihr schon in den finalen Jugendjahren eures Kindes Urlaube ohne sein Beisein durchgezogen – aber seid ehrlich: Dabei schwang immer das ungute Gefühl mit, euer Nachwuchs würde zuhause einrichtungsschädigende Partys abhalten oder ohne euch bei halbgaren Tütennudeln vor dem Fernseher sitzen.

Ein Urlaub zeitnah nach dem Auszug ist nicht nur eine Ablenkung. Er ist mehr eine zweite Hochzeitsreise – wie der ersten folgt ihm eine Pärchenphase.

Jetzt wartet zuhause niemand mehr. Und vielleicht sollte es eure erste „Amtshandlung“ als Post-Familienmenschen sein, einen Urlaub zu machen, wie ihr in den Prä-Kinder-Jahren zuletzt hattet

Wohin es geht, müsst natürlich ihr entscheiden. Allerdings solltet ihr einige Schwerpunkte setzen:

  • Keine ausgesprochene Familientauglichkeit, vielleicht sogar ein Hotel, in dem nur Erwachsene erlaubt sind – eure Web-Suchbegriffe dafür lauten „Adults only Hotel“ bzw. „Erwachsenenhotel“.
  • Ein Ort, an dem ihr euch als Paar neu entdecken könnt. Das ist unheimlich wichtig.
  • Aktivitäten bzw. ein Umfeld, das euch voll und ganz zusagt, ohne jegliche Kompromisse.

Es muss nicht die klischeehafte Kreuzfahrt sein, auch kein Erwachsenen-Städtetrip. Viel wichtiger ist, dass ihr den Urlaub als eure zweiten Flitterwochen begreift, als echten Pärchen-Urlaub und dass ihr ihn möglichst zeitnah angeht. Quasi als Einstieg auf eure neugewonnene Freiheit. Denn spätestens danach wartet eine weitere wichtige, aber wunderschöne Aufgabe:

2. Wieder ein Paar werden

Als ihr zusammenkamt, war vielleicht von Anfang an klar, dass die Zweisamkeit nur temporärer Natur sein sollte. Bloß müsst ihr verstehen, dass zwei Jahrzehnte plus X Menschen beträchtlich ändern können. Jetzt, wo der Nachwuchs nicht mehr als „Filter“ vorhanden ist, besteht die Chance, dass es zwischen euch kriselt, weil ihr euch beide verändert habt – kein Muss, aber eine Gefahr.

Diese solltet ihr möglichst abwenden. Dazu sind mehrere Dinge vonnöten:

  • Erinnert euch an eure frühere Zweisamkeit. An das, was eure damalige Beziehung lebens- und liebenswert machte und knüpft einfach daran an; ganz gleich, was es auch war.
  • Greift alle Dinge auf, die während der Familienzeit zurückgestellt werden mussten und arbeitet sie Stück für Stück ab.
  • Sucht euch ein gemeinsames Hobby, ändert euren Alltag auf Zweisamkeit um und achtet darauf, dass jeder seine Freiräume behält – werdet allerdings auf keinen Fall zwei Menschen, die bloß aus Gewohnheit zusammenleben.
  • Bringt Liebe, Romantik und auch Sexualität in euren Alltag zurück – vor allem letzteres kann sich sehr befreiend anfühlen, wenn man sich nicht mehr sorgen muss, dass der Nachwuchs etwas mitbekommt oder hineinplatzt.

Schaut durchaus auch auf andere – etwa Hildegard und Alfred, die wir vor einigen Jahren zum Liebesgeheimnis ihrer 70-jährigen Ehe befragt haben.

Ganz wichtig: Solltet ihr diesen Artikel als Menschen lesen, die vom Auszug des Nachwuchses noch Jahre entfernt sind, dann fangt jetzt an, euch schon wieder Freiräume zu erschaffen; ohne eure Kids etwas zu unternehmen, ein Paar zu sein. Umso sanfter wird der Bruch später vonstattengehen.

3. Das Kinderzimmer neu nutzen

Viele von euch werden vielleicht die Vorstellung als befremdlich empfinden, das Zimmer eures Nachwuchses aufzulösen – „was ist, wenn irgendwas schiefgeht und er/sie wieder zurückkommen will oder muss?“. Solche Gedanken werden euch durch den Kopf schießen. Doch sie sind Gift.

Ein verlassenes, aber konserviertes Jugendzimmer hilft niemandem. Euer Nachwuchs wird höchstwahrscheinlich nie wieder einziehen, ihr bezahlt dennoch für einen ungenutzten Raum.

Ihr müsst den Auszug als endgültig ansehen. Nur auf diese Weise kann euer Geist nach vorn blicken.

Wenn ihr tagtäglich an der Sticker-verzierten Tür vorbeigeht, in dem Zimmer die Rollläden betätigt, euch umseht, wirkt es auf euer Gehirn so, als ob euer Nachwuchs gleich wieder zurückkäme – das wird er jedoch nicht. Sogenannte Bumerang-Kinder, also erwachsene Kids, die zu den Eltern zurückziehen, sind ein ziemlich aufgebauschtes Phänomen, das in der (deutschen) Realität viel seltener vorkommt.

Klar wird es Tage geben, an denen euer Nachwuchs „zuhause“ schlafen wird – an Weihnachten oder zu ähnlichen Anlässen. Dafür reicht allerdings auch die Couch oder ein Klappbett.

Zudem: 

Ein Kinderzimmer, das in dem Zustand konserviert wird, kostet euch Geld, denn ihr müsst einen Raum heizen, reinigen usw., den ihr nicht nutzt.

Ihr müsst natürlich nicht die zurückgelassenen Besitztümer auf eBay offerieren. Dafür sind ein Umzugskartons und der Dachboden die bessere Option; schon der Nostalgie wegen. Aber ihr könnt das Zimmer definitiv zu einem Raum umgestalten, der euch gehört – es muss ja nicht, wie in der Romantikkomödie „Zum Ausziehen verführt“ ein, nun ja, „Textil-optionaler Raum“ werden – den Film solltet ihr euch allerdings ruhig mal anschauen, er zeigt euch nämlich wie es sich anfühlt, wenn der Nachwuchs „ewig“ bleiben will.


Übrigens sollte das Zimmer eures Kindes nur der erste häusliche Akt sein. Weitere sollten folgen.

4. Vom Familienheim zum Pärchen-Heim

Das Jugendzimmer ist nicht nur die einzige Tatsache, die ein Familienheim von dem eines reinen Paares unterscheidet. Bei genauerer Betrachtung gibt es zwischen Keller und Dach überall Kompromisse, die auf die Notwendigkeiten mitwohnender Kids bzw. Teens eingehen – vielleicht fängt es ja schon in eurem Schlafzimmer an, das ihr, damit der Nachwuchs ein großes Spielzimmer hatte, im kleinstmöglichen Raum untergebracht habt.

Nehmen wir das Bad. In den meisten Familien ist es ein reiner Zweck-Raum für die Körperpflege. Allerdings gibt es eine ganze Menge Möglichkeiten, mit denen ihr eurer „Nasszelle“ in neuem Glanz erstrahlen lassen könnt. Eine grundlegende Renovierung oder auch schon kleinere Schönheitseingriffe verschafft dem Raum ein wohnliches, vielleicht sogar Wellness-taugliches Ambiente – etwa, indem ihr die Dusche gegen eine gemütliche Badewanne austauscht.

Vielleicht braucht auch eure Küche eine Revision? Viele Jahre Kochen für die Familie werden zumindest an der Küchenzeile Spuren hinterlassen haben. Vielleicht aber könnt ihr nun, wo nur zwei kochen und essen, völlig anders denken und die Küche verkleinern – per Trockenbau ist eine nachträgliche Wand mit etwas handwerklichem Geschick selbst eingezogen und kann so ganz neues Wohngefühl entstehen lassen. Auch hier lässt sich aber auch schon viel mit kleineren Eingriffen erreichen.

Grenzen gibt es für die Renovierung keine. Im Gegenteil, je mehr ihr macht, desto mehr gestaltet ihr euer Lebensumfeld für die neue Phase um – ein wichtiger psychologischer Faktor. Doch ganz gleich, was es ist, handelt dieser Maxime:

Alles, was ihr umgestaltet, sollte nur euch gefallen und
für eure Zweisamkeit ausgelegt sein.

Je mehr ihr irgendetwas mit eurem Nachwuchs im Hinterkopf ausgestaltet, desto schwerer wird es euch fallen, loszulassen. Der einzige Ort, an dem für eure ausgezogenen Kids noch Raum sein sollte, ist wie erwähnt der Dachboden. Der Rest sollte ausschließlich für und durch ein Paar im besten Alter gestaltet sein.

5. Zeit für (neue) Pärchen-Aktivitäten

Die Chancen stehen hoch, dass ihr beide, als ihr zu zweit wart, mit gleichaltrigen Pärchen Unternehmungen zwischen Restaurantbesuch und TV-Abend gemacht habt. Wenn die Kinder ausgezogen sind passiert in den Köpfen vieler Paare jedoch etwas Seltsames – etwas, das auch noch reichlich verfrüht ist: Sie glauben, sie würden jetzt nahtlos in die Großelternphase hineinrutschen.

Für Eltern müssen Freundschaften viel zu lange zurückstehen. Nach dem Auszug wird es Zeit, diese Tatsache wieder umzukehren und mit Gleichaltrigen das Leben zu genießen.

Das ist natürlich Unsinn. Eure jetzige Lebensphase ist der echte zweite Frühling. Und Großeltern seid ihr erst, wenn euer Nachwuchs tatsächlich eigene Kinder hat. Selbst das ist übrigens noch kein Beweis, dass ihr alt wärt!

Bedeutet:

  • Sucht euch ein Paar in eurem Alter, das in der gleichen Situation steckt – vielleicht findet ihr es in eurem alten Freundeskreis, vielleicht auch unter den Eltern der Schulkameraden eures frisch ausgezogenen Nachwuchses.
  • Fangt niedrigschwellig an. Trefft euch zum Kaffee, vielleicht Spaziergängen. Redet darüber, wie ihr mit der Situation umgeht – das wird auch viele gute Lösungen hervorbringen.
  • Wenn ihr euch gut leiden könnt, baut ruhig darauf auf. Geht ins Restaurant, macht Ausflüge, geht feiern. Kurz: genießt die gute Zeit.

Letzten Endes geht es hier nicht nur um das gemeinsame Genießen eurer neugewonnenen Freiheit. Es geht auch darum, euch gegenseitig ein wenig (psychologische) Hilfestellung zu geben, indem euer Geist durch viele gute Momente lernt, dass es starke Vorteile hat, dass euer Nachwuchs nun seinen eigenen Weg geht. Daher empfiehlt es sich auch, dass es ein Paar ist, das auch Kinder hat, die schon ausgezogen sind; dadurch ergeben sich viele Synergieeffekte.

6. Engagiert euch ehrenamtlich

Gab es in eurem früheren Leben Dinge, für die ihr euch gerne engagiert hättet, bei denen ihr euch jedoch immer dachtet, dass sie kaum mit dem Familienleben vereinbar wären? Sowohl wenn die Antwort ein Ja ist, wie in dem Fall, dass ihr verneint, solltet ihr jetzt durchaus überlegen, ob es nicht Sinn macht, dass ihr euch ehrenamtlich engagiert. Warum?

  • Ihr habt jetzt die Zeit. Auch wenn ihr höchstwahrscheinlich noch voll im Berufsleben steckt, macht es doch einen gewaltigen Unterschied, ob zuhause jemand mehr oder weniger Unterstützung braucht oder nicht.
  • Ihr habt Kraft eures Alters eine ganze Menge Erfahrung vorzuweisen. Nicht nur in beruflichen Dingen, sondern auch Hobbys und „Leben an und für sich“. Ihr habt also etwas, das anderen, jüngeren, Menschen noch fehlt und von dem sie sehr profitieren können.

Allerdings empfehlen wir, dass ihr dabei genau auf das schaut, was ihr tut: Idealerweise sollte es etwas sein, das ihr gemeinsam unternehmen könnt – entdeckt nur einer von euch ein Ehrenamt und blüht er darin stark auf, kann sich das wiederum kritisch auf eure Beziehung auswirken, wenn der andere sich zurückgelassen fühlt.

Macht deshalb eine Liste von den Dingen, von denen ihr euch einzeln vorstellen könnt, dass ihr sie gerne für andere ausüben würdet. Dann schaut, welche Schnittmengen es gibt; wahrscheinlich werdet ihr überrascht sein.

7. Klassische Fehler vermeiden

Euer Nachwuchs ist ausgezogen, weil er sein eigenes Leben leben muss. Hindert ihn nicht daran, indem ihr zu sehr klammert.

Wenn ihr die Punkte aus diesem Artikel abarbeitet, wird sich automatisch das Risiko, dass ihr (oder auch nur einer von euch) in ein Loch fallt, signifikant verringern. Allerdings solltet ihr immer gewillt sein, weiter an euch zu arbeiten. Das bedeutet im Klartext, dass ihr vor allem all jene Fehler vermeiden solltet, die nicht nur euch, sondern auch eurem Nachwuchs die Abnabelung unnötig erschweren und/oder euch das künftige Leben weniger schön vorkommen lassen. Im Einzelnen:

  • Werdet jetzt nicht zu Menschen, die alles darauf fokussieren, demnächst Großeltern zu werden. Allein bei euren Töchtern liegen mittlerweile schon statistisch zwischen dem Auszugsalter und dem ersten Kind sieben Jahre (22,9 zu 30,0). Das ist zu viel, um es in freudiger Erwartung zu verbringen – und wird oft genug auch zu Enttäuschungen führen.
  • Baut keine Dauer-Nabelschnur zu eurem Nachwuchs auf. Gerade heute in der digitalen Zeit der tausenden Kommunikationswege ist das eine Gefahr. Wenn ihr einmal wöchentlich telefoniert, genügt das völlig.
  • Bleibt als Ansprechpartner vor allem mit Rat, aber auch Tat, vorhanden. Hütet euch dennoch davor, zum ungewollten Dauer-Ratgeber eures Nachwuchses zu werden. Das werden die allermeisten „Kinder“ als eher unangenehme Einmischung in ihre neue Lebensfreiheit ansehen. Habt ihr eure Erziehungs-Aufgabe gut erledigt, kommen eure Töchter und Söhne sowieso sehr gut selbst klar.
  • Werft keine Rituale oder Traditionen über Bord. Das gilt auch, aber nicht nur, für die Feiertage. Vor allem sie sind es, die eurer nunmehr zerfasernden Familie den nötigen Halt geben, selbst wenn euer Nachwuchs auf die andere Seite der Republik gezogen ist.
  • Redet euch bloß nicht ein, dass euer Kind sich freuen würde, wenn ihr es spontan und ohne Ankündigung besucht und „überrascht“. Die Überraschung wird sich für die meisten eher wie ein kontrollierender Überfall anfühlen. Stellt euch vor, ihr hättet euch gerade in eurem neuen Leben etabliert und plötzlich würde euer Kind vor der Tür stehen. Natürlich könnt, dürft und sollt ihr sie besuchen. Aber bitte immer unter vorheriger Abstimmung mit eurem Nachwuchs – auch in seinem Leben werdet ihr nun eine viel geringere Rolle spielen.

Zusammengefasst

Es ist unvermeidlich, dass euer unmittelbares Familienleben durch den Auszug eures letzten Kindes endet. Allein schon deshalb, weil jegliche Erziehung auf den logischen Schluss abzielt, einen selbstständigen Erwachsenen zu formen – der Lauf der Dinge, wenn man so will.

Für euch als Eltern bedeutet das vor allem, dass ihr zwar Trauer zulassen, aber euch nicht von ihr vereinnahmen lassen solltet. Jetzt kommt eure zweite Phase als Paar. Diese richtig zu nutzen, habt ihr euch nicht nur verdient. Es ist eine wichtige Voraussetzung für eure gemeinsame Zukunft. Sowohl mittel- wie langfristig – damit auch eure Kids irgendwann als Eltern mit ihrem Nachwuchs zu euch zurückkehren können und möchten, weil sie wissen, dass „die zwei zurückgelassenen Alten“ es sich schön gemacht haben und ein zufriedenes Leben als Post-Eltern führen.