27.11.2018 | Geld & Recht Schon über 80.000 Autokäufer: Verbraucher klagen im Diesel-Skandal gegen VW

Mehr als 81.000 Autokäufer haben sich inzwischen schon der neuen Verbraucherklage gegen Volkswagen wegen des Diesel-Abgasskandals angeschlossen.

Betroffene Autobesitzer können sich der Musterfeststellungsklage gegen die Volkswagen AG anschließen und beim Bundesamt für Justiz in das Klageregister eintragen. Damit haben Käufer von Fahrzeugen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda mit Dieselmotoren des Typs EA 189, die ein Rückrufschreiben des Kraftfahrtbundesamts erhalten haben, die Möglichkeit, ihre Ansprüche gegen den VW-Konzern geltend zu machen. Mehr als 81.000 Autokäufer haben sich inzwischen schon der neuen Verbraucherklage gegen Volkswagen wegen des Diesel-Abgasskandals angeschlossen. Der Verbaucherzentrale Bundesverband will zusammen mit dem ADAC die erst kürzlich eingeführte Musterfeststellungsklage gegen VW führen. Ziel ist es, dass die Betroffenen vom Diese-Abgas-Skandal für den Wertverlust ihrer Autos entschädigt werden. 

Ausfüllhilfe

Das Bundesamt für Justiz bietet auf seiner Übersichtsseite ganz unten ein Formular für die Anmeldung der Ansprüche an. Darüber hinaus gibt es auch eine Ausfüllhilfe für das Formular.

In manchen Punkten ist das Ausfüllen knifflig, so zum Beispiel unter Ziffer IV. Hier sollen die Betroffenen den „Gegenstand und Grund des geltend gemachten Anspruchs oder des Rechtsverhältnisses angeben“.

Hier empfiehlt Rechtsanwalt Michael Kümpfbeck aus München beim Ausfüllen folgenden Text:

„Ich erwarb am "Datum einfügen", als Verbraucher, einen VW Golf, Typ XY, Fahrgestellnummer XY, Euro 5/6, in dem ein Motor des Typs EA189 verbaut ist. In diesem Kfz wurde von Seiten von VW eine als unzulässig anzusehende Abschalteinrichtung verbaut; ein entsprechender Rückruf erfolgte. Ich beabsichtige in dieser Angelegenheit, unter Bezugnahme auf die Klageziele der Musterfeststellungsklage, einen Schadensersatzanspruch gegenüber VW geltend zu machen.

Minimaler Aufwand: Ohne Anwalt, ohne Risiko

Seit 1. November 2018 gibt es für Verbraucher die sogenannten Musterfeststellungsklagen. Was erstmal sperrig klingt, ist für euch aber eigentlich ganz einfach und bringt wichtige Veränderungen, von denen ihr schnell profitieren könnt! Bislang musste nämlich jeder Verbraucher in Deutschland für sich allein klagen - auch bei Themen, die eigentlich ganz viele betreffen wie zum Beispiel beim Diesel-Skandal

Die Muster­fest­stellungs­klage ermöglicht es, gesammelt für alle Betroffenen fest­stellen zu lassen, dass beispielsweise grund­sätzlich eine Entschädigung zu zahlen ist.

Für euch wird es jetzt nicht nur einfacher euer Recht zu erwirken, ihr tragt auch kein Risiko und braucht keinen eigenen Anwalt! Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) hat beispielsweise seine Musterklage gegen VW jetzt vorbereitet, jetzt wurde sie öffentlich bekannt gemacht. Das bedeutet: Ab sofort können sich betroffene Verbraucher auch der Musterfeststellungsklage anschließen.

Was muss ich tun, um von einer Musterfeststellungsklage zu profitieren?

Verbraucher müssen sich für eine Musterklage registrieren lassen. Das ist kostenlos und funktioniert elektronisch. Das Klageregister wurde am 26. November 2018 eröffnet, nachdem die Muster­fest­stellungs­klage öffentlich bekannt gemacht wurde. Verbraucher sollten jetzt schnell sein, denn das Verfahren findet nur statt, wenn sich inner­halb von zwei Monaten mindestens 50 Betroffene registrieren. 

Diesel-Skandal: Bis wann sollte ich mitklagen?

Im Fall der Musterfeststellungsklage gegen die Volkswagen AG reichte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Kooperation mit dem ADAC schon am 1.11.2018 die Klage ein. Jetzt können sich Verbraucher/Betroffene kostenlos in ein Register des Bundesamtes für Justiz eintragen. Wenn ihr euch nicht an der Klage beteiligt, könnten eure Rechte schon am 1. Januar 2019 verjährt sein.

Ziel der Klage gegen VW ist festzustellen, dass Volkswagen Käufer vorsätzlich geschädigt hat und daher Schadenersatz fällig wird. Beteiligen können sich Käufer von Fahrzeugen der Marken Volkswagen, Audi, Seat, Skoda mit einem Dieselmotor des Typs VW EA189 (Hubraum: 1,2 oder 1,6 oder 2,0 Liter), für die ein Rückruf ausgesprochen wurde.

Foto: vzbv
Was passiert nach einem Urteil durch die Musterfeststellungsklage?

Ein positives Urteil der Muster­fest­stellungs­klage würde beispielsweise bedeuten, dass grundsätzlich eine Entschädigung zu zahlen ist. Wie hoch die allerdings ist, wird weiter im Einzelfall geklärt. Verbraucher müssten also – nach einem für sie positiven Feststellungsurteil – theoretisch nochmal selbst klagen, um die konkrete Höhe des Schadensersatzes einzufordern. 

Der vzbv geht jedoch davon aus, dass ein Unternehmen, das in einer Musterfeststellungsklage verurteilt worden ist, mit Rücksicht auf sein Ansehen Bereitschaft signalisieren könnte, die Schäden ohne eine zweite Klage zu ersetzen.

Quelle der Infos: Stiftung Warentest, vzbv, ADAC

Foto: vzbv