19.10.2018 | Geld & Recht Arbeitsunfähigkeit: Das sind die lustigsten Urteile aus dem Arbeitsrecht

Die Gesetze zum Arbeitsrecht sind vor allem eines: kompliziert. Bei den dreisten Aktionen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sind kuriose Urteile also vorprogrammiert.

Streit mit dem Chef und "plötzlich" krank

In einem Fall kam der Arbeitnehmer kerngesund in die Arbeit. Nach einem Streit mit seinem Chef wurde er plötzlich krank und ließ sich das durch eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung bestätigen. In dem konkreten Fall wurde der Betroffene für 10 Tage für arbeitsunfähig erklärt. 

Das Landesgericht Köln musste feststellen, dass es sehr schwer ist den gelben Schein in Frage zu stellen. Denn eine Arbeitsunfähigkeit kann auch im Laufe des Tages eintreten.

Außerdem ist es nicht üblich, dass eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung ausgestellt wird, wenn keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Der Arbeitnehmer musste somit nicht um seine Stelle bangen.

Es wäre leichter anfechtbar, wenn die Diagnose telefonisch erfolgt wäre oder das Attest im Nachhinein ausgestellt worden wäre. 

 Arbeitsunfähigkeiten-"Serien" schützen nicht vor Strafe

Eine Arbeitnehmerin hatte mit ihrer Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung weniger Glück. Ihre Bescheinigung war zeitlich begrenzt, doch ihr Arzt schrieb sie darüber hinaus noch einmal krank. Das meldete sie aber nicht dem Arbeitgeber.

Sie argumentierte damit, dass sie sich erst zurückmelden muss, wenn sie wieder arbeitsfähig sei. Bei so einem Fall muss der Arbeitgeber aber durch eine Folgemeldung darüber informiert werden. Die Abmahnung in ihrer Personalakte konnte die Frau also nicht loswerden. 

Arbeitsrechtliche "Schwalbe" von Fußballer

Ein Fußballer ließ sich seine Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Knieverletzung bescheinigen. Als sein Arbeitgeber aber erfuhr, dass er weiterhin Fußball spielte, kündigte er dem Mann.

Der Arbeitnehmer legte ihm im Anschluss eine weitere Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung vor. Dieses Mal mit der Diagnose Depression. Das Gericht entschied die Kündigung wieder einzukassieren. Die erste Bescheinigung konnte zwar erschüttert werden, das Attest über die Depression allerdings nicht.

Foto: Jens Kalaene/ dpa
Schmerzensgeld dank Detektiveinsatz

Nach sechs Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen mit unterschiedlichen Diagnosen reichte es dem Chef: Er beauftrage einen Detektiv, um herauszufinden, ob seine Angestellte wirklich krank war. Auf frischer Tat filmte dieser die Dame beim Wäscheheben im Waschsalon – trotz der Diagnose Bandscheibenvorfall.

Rechtswidrig – urteilte das Bundesarbeitsgericht, da der Chef keinen „begründeten Verdacht“ für die Überwachung hatte. Stattdessen wurde die Klage der Angestellten anerkannt. Sie bekam ein Schmerzensgeld von 1.500 Euro wegen psychischer Beeinträchtigung.

Vom Chef erwischt – Kündigung wegen Hitzköpfigkeit

Wer "erwischt" wird und sich nicht im Zaum hat, schlägt bald woanders zu...

Ein krankgeschriebener Angestellter traf in einer Autowaschanlage auf seinen Vorgesetzten. Der schoss direkt Beweisfotos. Ein Gericht urteilte später, dass der Arbeiter die Bilder nicht als Verletzung des Persönlichkeitsrechts reklamieren konnte: Es gab schließlich einen konkreten Verdacht, dass die Krankheit nur vorgetäuscht war.

Darüber hinaus urteilte der Richter, dass es durchaus gerechtfertigt war den Angestellten zu entlassen. Dennieser hatte sich in der Wachanlage handgreiflich gegen den Fotografen-Kollegen zur Wehr gesetzt.

Höchstabfindung nach „Pausenbummelei“ auf dem Klo

Der Geschäftsführer eines Metallbetriebs vermutete Pausenbummelei bei einem seiner Angestellten. Er spionierte er dem Schlosser auf der Toilette hinterher und erwischte den Arbeiter tatsächlich bei geschlossener Toilettentür mit hochgezogener Hose.

Er fotografierte das Ganze, um den Trödler zu überführen. Das Landesarbeitsgericht Hamm stufte dieses Foto als „menschenunwürdig“ und als „schwerwiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts“ ein. Im Urteil hieß es der Angestellte dürfe den Betrieb mit der Höchstabfindung von zwölf Monatsgehältern verlassen.