06.01.2009 | Geld & Recht Auto-Krise in Deutschland und den USA

Die Absatzkrise auf den internationalen Automärkten hält an. In Deutschland wurden im Dezember knapp 226 000 Pkw neu zugelassen und damit 6, 6 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres, teilte das Kraftfahrt- Bundesamt (KBA) am Dienstag in Flensburg mit.

Auto-Krise in Deutschland und den USA
Produktion bei Daimler
Die Absatzkrise auf den internationalen Automärkten hält an. In Deutschland wurden im Dezember knapp 226 000 Pkw neu zugelassen und damit 6, 6 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres, teilte das Kraftfahrt- Bundesamt (KBA) am Dienstag in Flensburg mit.

Im November war der Automarkt um fast 18 Prozent eingebrochen. Für das Gesamtjahr 2008 ergibt sich ein Rückgang um 1, 8 Prozent auf 3, 09 Millionen neu zugelassene Autos in Deutschland, das ist eines der schwächsten Autojahre seit der Wiedervereinigung.

In den USA war der Rückgang noch viel drastischer. Insgesamt kauften die Amerikaner 2008 Hochrechnungen zufolge rund 13, 2 Millionen Autos nach 16, 2 Millionen ein Jahr zuvorein Rückgang von mehr als 18 Prozent. Im Dezember stürzte der Absatz aller Marken zusammen sogar doppelt so schnell ab: minus 36 Prozent. Wegen der Rezession bekommen immer weniger US-Bürger Kredite oder sie schieben ihre Autokäufe wegen Zukunftssorgen vorerst auf.

Das Defizit von 58 000 Autos auf dem deutschen Markt sei erst im letzten Quartal des Jahres entstanden, so das KBA. Die Zeichen für das laufende Jahr sehen nach Angaben der Autoindustrie nicht gut aus; sowohl Auftragseingänge wie Exporte weisen nach unten. Der relativ moderate Rückgang im Dezember sei auch auf zwei zusätzliche Arbeitstage gegenüber dem Vorjahresmonat zurückzuführen, erklärte der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt.

Die deutschen Hersteller deckten knapp 65 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland ab. Marktführer VW konnte mit einem Marktanteil von knapp 20 Prozent seine Position noch ausbauen; dahinter folgt Mercedes mit 10, 6 Prozent Marktanteil und BMW/Mini mit 9, 2 Prozent. Diese beiden Marken stagnierten bei ihren Absatzzahlen weitgehend. Die weiteren starken Marken in Deutschland sind Audi (plus 0, 8 Prozent Absatz), Opel (minus 9, 5 Prozent) und Ford (plus 1, 6 Prozent). Bei den Importmarken setzte sich Renault/Dacia mit einem Absatzplus von 4, 9 Prozent und einem Marktanteil von 4, 8 Prozent an die Spitze. Das langjährige stetige Wachstum der Marke Toyota endete mit einem Absturz um 27 Prozent.

Der starke Einbruch der Auftragseingänge aus dem In- und Ausland setzte sich im Dezember fort. Die Bestände schmolzen auf das niedrigste Niveau seit Ende der 80-er Jahre, wie der VDA mitteilte. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen demnach um 32 Prozent zurück, die Order aus dem Inland lagen um 21 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Sie waren damit im vierten Quartal 2008 um 20 Prozent im Minus. Diese Zahlen sprechen nach VDA-Angaben für «ein sehr schwaches Neuzulassungsgeschehen zu Beginn des Jahres 2009». Der Verband sprach von einer «besorgniserregenden Situation». Die Politik sei nun mehr denn je gefordert, das Vertrauen der Verbraucher zu stabilisieren und deren Kaufbereitschaft zu stärken.

Auch der Export der deutschen Hersteller war im Dezember von der weltweiten Kaufzurückhaltung betroffen. Mit 223 000 Pkw wurden 22 Prozent weniger Fahrzeuge im Ausland verkauft. Das Exportvolumen sank damit 2008 nach sechs Rekordjahren in Folge um insgesamt vier Prozent auf 4, 13 Millionen Einheiten. Zwar konnten die deutschen Hersteller Marktanteile auf den wichtigen Auslandsmärkten Westeuropa (plus 0, 7 Prozentpunkte), China: (+0, 1) und Russland (+1, 5) gewinnen. Dem weltweiten Abwärtssog konnten sie sich aber nicht entziehen.

In den USA drohen dem Automarkt nach einem Horrorjahr 2008 noch schlimmere Aussichten für 2009. Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) verkaufte so wenig Autos wie zuletzt vor 50 Jahren. Aber auch bei den deutschen Autobauern und dem weltweiten Branchenführer Toyota beschleunigte sich die Talfahrt zum Jahresende zum Teil rasant. Experten rechnen angesichts dieser Alarmzeichen für das laufende Jahr mit erneut sinkenden Verkaufszahlen und sehen keine rasche Besserung.

Beim größten US-Autobauer GM ging es 2008 um fast 23 Prozent auf knapp drei Millionen verkaufte Wagen nach unten. Im Dezember brach der Absatz trotz enormer Rabatte sogar um mehr als 31 Prozent ein. Konkurrent Ford gab im Gesamtjahr um fast 21 Prozent auf knapp zwei Millionen Autos nach, im Dezember waren es 32 Prozent weniger. Am härtesten traf es Chrysler mit minus 30 Prozent in 2008 und katastrophalen minus 53 Prozent im Dezember. Der gemeinsame US- Marktanteil der drei US-Hersteller dürfte nun erstmals unter 50 Prozent gefallen sein. Sie kämpfen seit Jahren mit enormen Verlusten. GM und Chrysler bekamen gerade am Rande der Pleite milliardenschwere Notkredite der US-Regierung.

Von den deutschen Autobauern litt Platzhirsch BMW besonders stark: Der US-Konzernabsatz fiel 2008 um knapp zehn Prozent auf rund 303 000 Wagen, im Monat Dezember gar um fast 36 Prozent. Ohne den Kleinwagen Mini wäre der Rückgang noch drastischer ausgefallen. Der Daimler- Konzern schlug sich 2008 durch den in den USA neu gestarteten Kleinwagen Smart mit einem Rückgang von lediglich 1, 5 Prozent noch vergleichsweise gut und verkaufte knapp 250 000 Autos. Die Kernmarke Mercedes gab allerdings um mehr als 11 Prozent nach. Im Dezember brach der Pkw-Konzernabsatz um fast 24 Prozent ein, bei Mercedes allein um mehr als 32 Prozent.

Volkswagen verkaufte in den USA im Jahresvergleich 3, 2 Prozent weniger Fahrzeuge (223 000). Bei der VW-Tochter Audi lag das Minus 2008 insgesamt bei 6 Prozent (88 000), im Dezember fiel es mit 9 Prozent etwas stärker aus. Sportwagenbauer Porsche erlitt 2008 einen steilen Absturz der Verkaufszahlen um rund 25 Prozent. Im selben Ausmaß ging der Absatz auch im Dezember zurück. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Flensburg/Frankfurt/Detroit ) (Quelle: )