26.10.2018 | Geld & Recht Trompeten-Urteil am BGH: So viel Musikmachen ist zumutbar

Wenn Nachbarn übers Musikmachen im Reihenhaus streiten, dürfen Gerichte keine zu strengen Maßstäbe anlegen. So urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) jetzt in einem Verfahren aus Augsburg um das Trompetenspiel eines Berufsmusikers.

Foto: Gregor Fischer/dpa

Musizieren müsse in gewissen Grenzen als übliche Freizeitbeschäftigung möglich sein, so die Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe (Az. V ZR 143/17). Es komme allerdings immer auf den Einzelfall an.

Die Art des Instruments, die wahrnehmbare Lautstärke im Nachbarhaus und mögliche Erkrankungen der Nachbarn müssten berücksichtigt werden. Der für das Nachbarrecht zuständige V. Zivilsenat hält zwei bis drei Stunden an Wochentagen und ein bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen für angemessen. Ob ein Berufsmusiker übe, spiele keine Rolle. «Er kann nicht mehr, aber auch nicht weniger Rechte haben», sagte die Vorsitzende Richterin Christina Stresemann.

Landgericht Augsburg muss erneut verhandeln

Der Senat verwies den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht zurück. Dieses hatte dem Musiker lediglich zehn Übungsstunden pro Woche werktags zu bestimmten Zeiten im Dachgeschoss und an maximal acht Samstagen und Sonntagen je eine Stunde zugestanden. «Die Maßstäbe des Landgerichts sind zu streng», sagte Stresemann.

Wie sieht die Vorgeschichte aus?

Der Berufsmusiker beim Staatstheater Augsburg probt regelmäßig zu Hause. Außerdem erteilt er zwei Übungsstunden pro Woche an Schüler. Die direkten Nachbarn im Reihenhaus sind genervt. «Das ist kein Trompetenspiel, sondern ständiges Üben von Sequenzen - stundenlang.» Radiohören und Fernsehen sei in normaler Lautstärke nicht möglich.

Eine Schlichtung hatte kein Ergebnis gebracht. Die Nachbarn verlangen, dass der Musiker sein Haus besser dämmt. «Wir wollen einfach, dass es leise ist», sagt ihr Anwalt. Der Anwalt des Trompeters verweist dagegen auf die Bausubstanz des Hauses. Eine Schallisolierung wäre kaum machbar.