08.01.2009 | Geld & Recht Deutsche Exporte brechen zweistellig ein

Für Deutschland wird es auf der Zielgeraden knapp: Nach einem überraschend starken Einbruch bei den Exporten im November muss der langjährige Exportweltmeister um seinen Titel fürchten.

Deutsche Exporte brechen zweistellig ein
Container im Hafen Hamburg
Für Deutschland wird es auf der Zielgeraden knapp: Nach einem überraschend starken Einbruch bei den Exporten im November muss der langjährige Exportweltmeister um seinen Titel fürchten.

Zwar lag Deutschland im abgelaufenen Jahr nach Einschätzung von Experten noch knapp vor China, doch in Zukunft wird es immer mehr zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen.

Um brutale 11, 8 Prozent sanken die Ausfuhren «Made in Germany» im November im Vergleich zum Vorjahresmonatso stark wie seit 15 Jahren nicht mehr. Damit erwischt die globale Finanzkrise das exportabhängige Deutschland besonders hart. «Die deutsche Wirtschaft ist weiterhin wettbewerbsfähigaber ohne Aufträge», sagt überspitzt UniCredit-Volkswirt Alexander Koch.

Die Exporte Deutschlands haben ein gigantisches Volumen und sind existenziell für viele Unternehmen und Arbeitsplätze. Allein in den ersten elf Monaten wurden von Deutschland Waren im Wert von rund 1, 36 Billionen Dollar exportiert, errechnete Ernst Leiste von Germany Trade&Invest. China kam in dieser Zeit nach dem durchschnittlichen Dollar-Kurs auf knapp 1, 32 Billionen Dollar. Dabei können stark schwankende Wechselkurse allerdings schnell die Rangfolge ändern.

Von der Globalisierung hat das im Verhältnis kleine und rohstoffarme Deutschland extrem profitiert. «Der Export ist eine stramme Leistung», sagt Leiste. Alternativen gebe es nicht. So sei Deutschland bei fast der Hälfte seiner Waren und Dienstleistungen auf Export angewiesen. «Die deutsche Industrie ist sehr gut aufgestellt», betont Leiste.

Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) geht davon aus, dass Deutschland 2009 trotz seiner Exportabhängigkeit nicht besonders stark unter der Wirtschaftskrise leiden wird. «Das muss nicht zwangsläufig so sein», sagt Sprecher André Schwarz. Schließlich könne Deutschland auch von Konjunkturprogrammen im Ausland profitieren und habe exzellente Produkte.

Ohnehin habe der schmückende Titel Exportweltmeister nur begrenzte Aussagekraftpro Kopf gerechnet liege Deutschland noch weit vorne. Der Verband geht davon aus, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr 2009 wieder anziehen wird.

«Wir müssen uns auf eine lange Durststrecke einstellen», meint dagegen der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. «Deutschland ist Handels- und Produktionsnation für die Welt, darum sind wir vom derzeitigen Einbruch der Weltwirtschaft besonders betroffen.» Nach den USA seien auch in Europa wichtige Handelspartner «reihenweise in die Knie gegangen»unter anderen Spanien und Irland. Gut 40 Prozent der deutschen Exporte gehen in den Euro-Raum.

Der Maschinenbau, eine der deutschen Schlüsselbranchen, liefert nach Angaben des Branchenverbandes VDMA drei Viertel seiner Produktion ins Ausland. «Man sollte solche schlechten Nachrichten aber nicht nutzen und Panik schüren», mahnt der Chefvolkswirt des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Ralph Wiechers. «Der Maschinenbau hat nach wie vor gute Wachstumsperspektiven.»

Ein düsteres Bild zeichnete dagegen der künftige US-Präsident Barack Obama für die USA. «Falls nichts geschieht, könnte die Rezession über Jahre andauern», erklärte er und rief zu einem entschlossenen staatlichen Gegensteuern auf.

Die schlechten Zahlen aus der Industrie sind damit auch Wasser auf die Mühlen derer, die im Euro-Raum auf noch niedrigere Zinsen dringen: Zwar hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt binnen zwei Monaten ihren Leitzins um 1, 75 Punkte auf 2, 5 Prozent gesenkt. Das verbilligt zwar Kredite für Unternehmen, doch wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise halten sich viele Firmen mit Investitionen weiterhin zurück.

«Die Abwärtsdynamik der Konjunktur ist atemberaubendwir rechnen mit weiteren deutlichen Zinssenkungen der EZB schon im Januar», sagt Kater. Bereits am kommenden Donnerstag (15.1.) könnte die EZB den Leitzins um einen weiteren halben Prozentpunkt senken. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Frankfurt/Main ) (Quelle: )