13.01.2009 | Geld & Recht EADS: Probleme mit A400M unterschätzt

Nach einem Rekordjahr 2008 mit der höchsten Airbus- Auslieferung seiner Geschichte tritt EADS im neuen Jahr bei der Produktion auf die Bremse. Das wird auch Arbeitsplätze kosten.

EADS: Probleme mit A400M unterschätzt
Militär-Airbus A400M
Nach einem Rekordjahr 2008 mit der höchsten Airbus- Auslieferung seiner Geschichte tritt EADS im neuen Jahr bei der Produktion auf die Bremse. Das wird auch Arbeitsplätze kosten.

Viele Kunden könnten wegen der Finanzkrise ihre bestellten Flugzeuge nicht bezahlen, sagte der Konzernchef des europäischen Flugzeugbau- und Rüstungskonzerns, Louis Gallois, am Dienstag im englischen Konzernstandort Filton. EADS müsse in der Finanzkrise alles tun, um Ausgaben zu senken und den Aufbau teurer Lager wie in der Autobranche zu verhindern. «Die Cash-Position hat Vorrang.»

Die wichtigste EADS-Tochter Airbus steigerte 2008 ihre Produktion von 453 auf mehr als 480 Flugzeuge. Eurocopter erreichte eine Rekordfertigung von Hubschraubern und auch die anderen Sparten meldeten glänzende Geschäfte. Der EADS-Konzernumsatz stieg von 39, 12 Milliarden auf rund 42 Milliarden Euro. Gleichzeitig kamen Bestellungen für 90 Milliarden Euro herein. Das entspricht einer Produktion von gut zwei Jahren, so dass das Auftragspolster auf fünf Jahre anschwoll.

Wegen der Finanzkrise will der europäische Flugtechnikkonzern dennoch die Produktion nicht weiter erhöhen. «Eine Fluggesellschaft kann von einer Woche auf die andere Finanzprobleme bekommen oder aber lösen», sagte Gallois. Die Produktion könne sogar gesenkt werden. Dann würden befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. 2008 hat EADS netto 1500 Arbeitsplätze geschaffen. Bei Airbus wurden 1000 Stellen gestrichen, dafür kamen aber in den anderen Sparten 2500 Jobs neu hinzu.

Finanziell steht EADS kurzfristig blendend da. Zum Jahresende hatte der Konzern neun Milliarden Euro in der Kasse, zwei Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. Gallois will das Geld auch nutzen, um Kunden und Lieferanten bei der Finanzierung zu helfen, die von den Banken keine Kredite bekommen. Manche Fluggesellschaften hätten Probleme bei der Finanzierung, obwohl es staatliche Exportgarantien gebe und das Flugzeug als Sicherheit da sei, sagte Gallois. «Das verstehen wir nicht. Was braucht man mehr?»

An diesem Mittwoch will Airbus in Toulouse den Grundstein für die Fertigung des Langstreckenflugzeugs A350 legen, der ab 2013 den Konzern wesentlich tragen soll. Allerdings hat Airbus weiter Probleme mit dem Super-Airbus A380 und vor allem mit dem neuen Militärtransporter A400M. Das Ziel, die A380-Produktion 2009 von zwölf auf 21 zu erhöhen, werde um ein paar Flugzeuge verfehlt werden, sagte Gallois. Für die A400M seien die Serienfertigung und die Auslieferung auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Gallois bot den A400M-Kunden als Übergangslösung auch Airbus-Frachter an.

Die A400M sei komplexer als ein Airbus oder das Kampfflugzeug Eurofighter, sagte Gallois. «Wir haben die Komplexität und den militärischen Charakter des Programms völlig unterschätzt.» Das gelte aber auch für die Kunden, die deshalb Vertragsänderungen akzeptieren müssten. Einige technische Anforderungen seien «sehr teuer und sehr riskant», ohne dem Kunden einen wirklichen Mehrwert zu bieten. «Wir wollen auch über Standards sprechen», sagte Gallois. «Wir wollen aber auf keinen Fall eine Herabstufung der Leistung. Wir wollen ein Flugzeug abliefern, das besser ist als jedes andere auf der Welt.»

EADS strebt an, dass die Staaten die A400M-Mehrkosten mittragen. Einen festen Zeitplan will EADS geben, sobald der Tag des Erstflugs feststeht. Der hängt von den Triebwerklieferanten ab. «Wir wollen keinen Serienstart vor der Produktreife», damit nachher nichts geändert werden müsse, sagte Gallois.

Die erste A400M soll drei Jahre nach dem Erstflug an Frankreich gehen. Das dürfte Experten zufolge 2012 oder 2013 der Fall sein. Die Bundeswehr hatte 60 Maschinen bestellt. Bei EADS arbeiten 6000 Leute an der A400M. EADS hat bereits die Entwicklung zum Jahreswechsel bei Airbus eingegliedert, um die Organisation zu straffen. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Filton ) (Quelle: )