31.12.2008 | Geld & Recht Erhofftes goldenes Börsenjahr wurde zum Horrortrip

Ein weiteres goldenes Jahr hatten Finanzexperten den Börsen Ende 2007 vorhergesagt. Steigende Kurse und neue Rekorde waren die Erwartung an 2008 für den deutschen Leitindex DAX.

Erhofftes goldenes Börsenjahr wurde zum Horrortrip
DAX-Kurve
Ein weiteres goldenes Jahr hatten Finanzexperten den Börsen Ende 2007 vorhergesagt. Steigende Kurse und neue Rekorde waren die Erwartung an 2008 für den deutschen Leitindex DAX. Doch das abgelaufene Jahr brachte den Investoren weltweit ein Horrorszenario an den Aktienmärkten.

Im DAX etwa blieb am Ende statt eines von Experten im Schnitt erwarteten Anstiegs um 7 Prozent ein dramatisches Minus von 40 Prozent. Für den MDAX der mittelgroßen Werte ging es 2008 um mehr als 43 Prozent nach unten, der Technologie-Index TecDAX büßte sogar fast 48 Prozent ein.

Die drastischen Kurseinbrüche veranlassten Börsianer zu Superlativen wie "das schlimmste Jahr seit dem berühmten Crash im Oktober 1929". Doch so desaströs die Bilanz auch ist: "2002 war noch etwas schlimmer", sagt Marktstratege Klaus Stabel von der Wertpapierhandelsbank ICF Kursmakler. "Damals sorgten das Platzen der Internet-Blase und die Nachwirkungen des Terroranschlags auf das World Trade Center für dramatische Kursverluste." Der 2002 noch als NEMAX bekannte deutsche Technologie-Index brach sogar um fast 70 Prozent ein, der DAX verlor 44 Prozent.

Auslöser für die rasante Talfahrt des Jahres 2008 war die Finanzmarktkrise, die sich bereits im Sommer 2007 abzeichnete. "Die Lage spitzte sich dramatisch zu, als die US-Regierung ein Exempel setzen wollte und Lehman Brothers pleitegehen ließ", sagt Stabel. An diesem Tag, dem 15. September, erlitt der US-Leitindex Dow Jones den stärksten Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001.

Einen weiteren Höhepunkt erreichte die Krise bereits einen Tag später mit dem Hilferuf des Versicherungsriesen American International Group (AIG), der schließlich mit einem Kredit der US-Notenbank in Höhe von 85 Milliarden Dollar gerettet wurde. Die Talfahrt an den Börsen beschleunigte sich rasant im September und dann nochmals im Oktober. In Deutschland war ein weiterer Auslöser dafür der knapp verhinderte Zusammenbruch des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE).

Tagelang meldeten die Börsen in diesen Monaten Verluste, zum Teil sogar im zweistelligen Prozentbereich. Allein am 10. Oktober brach der DAX innerhalb weniger Minuten um mehr als zehn Prozent ein, nachdem es zuvor zu erdrutschartigen Verlusten in den USA und Asien gekommen war. Beide großen IndizesDow und Nikkei-225waren erstmals seit mehreren Jahren wieder unter die Marke von 9.000 Punkten gesackt. "Es ist unvorstellbar, so etwas habe ich noch nie erlebt", sagte nicht nur Händler Dirk Schröder von der Baader Bank damals entsetzt.

Allein in den ersten beiden Oktoberwochen büßte das deutsche Börsenbarometer 28 Prozent ein. Am 24. Oktober markierte der DAX bei 4.014, 60 Punkten sein Jahrestiefam 2. Januar, dem ersten Handelstag des Jahres, waren noch 8.100, 64 Punkte im Hoch erreicht worden. "Dass das Minus im DAX letztlich deutlich glimpflicher ausfiel, lag nur an der Volkswagen-Aktie", erinnerte Stabel. Das Papier des Autobauers stieg nach schiefgelaufenen Spekulationen bei Leerverkäufen zeitweise auf mehr als 1.000 Euro. Diesem 80-prozentigen Kursanstieg der VW-Aktie allein am 27. Oktober war bereits am Vortag ein Plus von 150 Prozent vorausgegangen. VW war zeitweise das teuerste Unternehmen der Welt.

Doch "glückliche VW-Aktionäre" gab es keine, denn der astronomisch hohe Kurs der VW-Stämme kam allein durch eine dramatische Verknappung der verfügbaren Titel zustande. "Was damals passiert ist, hat die eine oder andere Existenz gekostet", sagte der Frankfurter Händler. Aktuelles Beispiel für einen Unternehmer, der unter anderem durch Spekulationen mit VW-Papieren in die Schieflage geriet, ist der schwäbische Milliardär und HeidelbergCement-Großaktionär Adolf Merckle.

In zwei letzten Monaten des Jahres beruhigte sich die Lage an den Märkten trotz neuer Horrormeldungendiesmal aus der US-Autobranchewieder. "Die Anleger scheinen gegenüber schlechten Nachrichten inzwischen abgestumpfter zu sein. Inzwischen zeigt sich im DAX eine Bodenbildung", beurteilt der ICF-Stratege Stabel die Lage. Dazu hätten auch die Regierungen mit ihren zahlreichen Rettungs- und Konjunkturprogrammen sowie die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik beigetragen. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Frankfurt ) (Quelle: )