13.01.2009 | Geld & Recht Experten: Konjunkturpaket stabilisiert Wirtschaft

Das zweite Konjunkturprogramm der Bundesregierung wird nach Einschätzung von Ökonomen die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren.

Experten: Konjunkturpaket stabilisiert Wirtschaft
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Das zweite Konjunkturprogramm der Bundesregierung wird nach Einschätzung von Ökonomen die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren.

«Kein Konjunkturprogramm der Welt kann eine Rezession aufhalten; aber die Maßnahmen werden sicher helfen, die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte zu stabilisieren», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer am Dienstag der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX. Das Maßnahmenbündel wirke wie eine Lohnerhöhung für die Bürger um ein Prozent. Das sei schon «ein beträchtliches Volumen». HWWI-Direktor Thomas Straubhaar kritisierte allerdings: Auch das zweite Programm bleibe insgesamt «ein Sammelsurium» einzelner Maßnahmen.

«Man hätte mit dem gleichen Geld für die Konjunktur mehr machen können», sagte Straubhaar in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa. Die Regierung sei «auf halbem Wege stehen geblieben». Durch eine noch größere direkte Entlastung der Bürger hätte die Konjunktur deutlich stärker gestützt werden können.

In zwei Punkten sieht der Direktor des Hamburgischen WeltWirtschafsInstituts (HWWI) aber im Vergleich zum ersten Paket Verbesserungen: Positiv seien die größere Dimension mit rund 50 Milliarden Euro und die Einbeziehung von Steuer- und Abgabensenkungen. «Die konjunkturelle Wirkung ist ungleich größer, wenn nicht der Staat Geld ausgibt, sondern die Bürger selbst», betonte Straubhaar. Vor diesem Hintergrund hätte sich der Experte eine noch größere direkte Entlastung der Bürger gewünscht. Infrastrukturprojekte, Mittelstandsförderung und Abwrackprämien für Altautos seien hingegen nur wenig zielgerichtet. Insgesamt sei das zweite Paket aber besser gelungen als das erste Paket.

Nach Ansicht Krämers ist der angepeilte Start zum 1. Juli allerdings ein Wermutstropfen. Eigentlich sei wegen der Zuspitzung der Krise ein früherer Beginn erwartet worden. Auch die WestLB zeigt sich enttäuscht über den späten Start: «Hilfe für die Konjunktur kommt, aber zu spät.» Gemeinsam mit den bisher beschlossenen Maßnahmen, werde das Programm erst in der zweiten Jahreshälfte zu einer Stabilisierung der Konjunktur beitragen, erwartet Volkswirt Jörg Lüschow. Fasse man das im November beschlossene Konjunkturpaket, das jetzige und die Entlastung der Pendlerpauschale zusammen, so summierten sich die Maßnahmen auf etwa 65 Milliarden Euro.

Einen «richtigen Schritt» sieht der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (iw), Michael Hüther, in dem beschlossenen Paket. Die Maßnahmen dürften der Wirtschaft einen angemessenen Impuls liefern. Entscheidend sei auch, dass Deutschland nun parallel mit den USA aktiv werde.

Auch aus Sicht von DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater ist das Paket ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung der Konjunktur. «Ich warne davor, die beschlossenen Maßnahmen zu zerreden», sagte Kater dpa-AFX. Das zweite Paket sei ein Signal für die Wirtschaft und könne dazu beitragen, eine Dauerkrise zu verhindern. Deutschland befinde sich in einer schweren Konjunkturkrise, die länger anhalten dürfte. «Daher kommt das Konjunkturpaket auch nicht zu spät und wird einer großen Depression entgegenwirken.»

Das beschlossene Konjunkturpaket wird auch aus Sicht des Chefvolkswirts der BHF Bank, Uwe Angenendt, den kräftigen Abschwung der deutschen Wirtschaft abmildern. Die Maßnahmen dürften bereits 2009 und noch stärker 2010 wirken. «Der Abschwung wird so lange dauern, dass das Paket seine Wirkung entfalten kann», sagte Angenendt. Die Höhe der steuerlichen Entlastungen hätte aber höher ausfallen können. Deshalb dürften sie nicht zu einem Nachfrageschub führen. Anders sehe es bei den staatlichen Investitionen aus. Diese dürften das Wachstum mittelfristig positiv beeinflussen. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Hamburg ) (Quelle: )