06.10.2021 | Geld & Recht Jugend und private Altersvorsorge: Mehr Beratung, neue Werte, zu wenige junge Sparer

Bei den Themen Finanzen und Vorsorge zeigen die jungen Erwerbstätigen von heute durchaus Interesse, wie eine unlängst erschienene Studie zeigt. Allerdings rücken bei ihnen andere Werte in den Fokus, wenn es ums Geldanlegen geht. Und: Sie fühlen sich schlecht informiert und haben Angst vor Altersarmut. Dennoch sorgen viele immer noch nicht oder nicht genügend vor.

Informationsbedarf ab 18

Die sinkende gesetzliche Rente oder niedrige Zinsen fürs Ersparte scheinen auch die Generation Smartphone immer mehr zu beschäftigen. Das zeigt eine repräsentative Studie der tecis Finanzdienstleistungen AG, die in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov Ende 2020 erhoben wurde.

Laut tecis-Umfrage hat die Gruppe der 18- bis 39-Jährigen besonders großes Interesse an Finanzthemen. Und nicht nur das: Ein großer Anteil dieser Personen ist der Meinung, dass eine Finanzberatung am besten auf persönlicher Ebene stattfindet. Knapp 60 Prozent der 18- bis 39-Jährigen vertreten in der Studie diesen Standpunkt.

Etwa 34 Prozent der jungen Zielgruppe wollen zudem in einem Beratungsgespräch über alle für sie relevanten Finanzlösungen informiert werden, um sich danach für eines oder mehrere Finanzprodukte zu entscheiden.

Befragt wurden 5.000 Personen ab 18 Jahren, Befragungszeitraum war der November 2020.

Generation mit neuen Idealen

Allerdings setzt die Generation Y andere Schwerpunkte, wenn es um die Inhalte bei der Planung der privaten Altersvorsorge geht: Wo früher die Rendite und der damit verbundene Wohlstand im Alter im Fokus standen, sind es heute zunehmend Themen wie der Klimaschutz und soziales Engagement. Dementsprechend finden beispielsweise nachhaltige Investmentfonds bei jungen Erwachsenen immer mehr Freunde.

Der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung spiegelt sich auch in einer GfK-Studie wider, die von Generali Deutschland in Auftrag gegeben wurde. In ihr geben 70 Prozent der 18- bis 32-jährigen Befragten an, dass sie beim Thema Altersversorgung nicht genug Beachtung finden, und 56 Prozent fühlen sich schlecht informiert. Dabei sind 79 Prozent der Meinung, dass das Thema Altersvorsorge wichtig ist.

Die eigenen Aussichten in Bezug auf den Wohlstand im Ruhestand sehen die jungen Befragten kritisch: 65 Prozent von ihnen haben Angst, im Alter arm zu sein. Gründe für diese Sorgen sind laut 68 Prozent eine zu geringe gesetzliche Rente. 19 Prozent der Befragten empfinden das Thema als zu komplex, und 11 Prozent befürchten, dass ihre private Altersvorsorge nicht ausreichen wird, um später gut davon zu leben.

Viele fangen erst spät mit dem Sparen an

Trotz des Interesses an einer Finanzberatung und der Angst vor Altersarmut sorgen laut der GfK-Studie 43 Prozent der 18- bis 32-Jährigen bisher nicht privat fürs Alter vor.

Unter den 18- bis 21 Jahre alten Befragten sind es 52 Prozent, die noch nicht vorsorgen, und bei denen im Alter von 22 bis 25 Jahre sind es 47 Prozent. Bei den 26- bis 29-Jährigen haben 38 Prozent noch nichts auf die hohe Kante gebracht, und in der ältesten Gruppe der 30- bis 32-Jährigen haben 37 Prozent noch nichts für später angespart.

Wenn dieser Trend anhält, werden viele dieser jungen Erwerbstätigen im Alter tatsächlich ihren Lebensstandard nach dem Renteneintritt nicht mehr halten können.