14.11.2017 | Geld & Recht Rentenbeiträge 2018 sinken: Arbeitnehmer sparen ein wenig, Rentner bekommen deutlich mehr

Die brummende Wirtschaft bringt den Rentnern im Jahr 2018 noch einmal mehr Geld ein. Denn die gute Lage am Arbeitsmarkt ist auch in den Rentenkassen spürbar. Die Beschäftigten dürfen dagegen mit etwas geringeren Rentenbeiträgen rechnen.

Die Arbeitnehmer in Deutschland müssen ab dem Jahr 2018 voraussichtlich einen geringeren Beitrag zur Rentenversicherung zahlen. Das hat der Chef der Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel in Würzburg am Dienstag (14.11.) erklärt. So soll der Beitragssatz für die gesetzliche Rente zum 1. Januar um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent sinken.

Die Gründe dafür seien die gute Konjunktur und die gute Beschäftigungslage, sagte Gunkel. Die endgültige Entscheidung muss aber noch die Bundesregierung treffen. Sie dürfte diesen Schritt per Verordnung vollziehen. Die Rentenbeiträge könnten dann bis zum Jahr 2022 stabil bleiben.

Was bedeutet Senkung der Rentenbeiträge?

IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban rechnet bei der Beitragsentwicklung so: „Die Reduzierung des Beitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte bringt für einen Durchschnittsverdiener eine Entlastung von knapp 1,60 Euro im Monat.“ Auf dieser Grundlage würde ein solcher Arbeitnehmer bei zwölf Monatsgehältern um 19,20 Euro pro Jahr entlastet. Urban legt seiner Berechnung offenbar ein Durchschnittseinkommen von etwas mehr als 3.000 Euro pro Monat zugrunde.

Urban warnte aber davor, dass die Beschäftigen die Senkung spätestens ab 2023 bitter bezahlen müssten. Wegen des Übertritts immer mehr geburtenstarker Jahrgänge in die Rente steige dann der Beitragssatz über viele Jahre. Gleichzeitig werde das Rentenniveau kontinuierlich sinken, mahnte Urban.

Rentner bekommen mehr Geld

Der Vorsitzende der Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel bestätigte zugleich, dass die Rentenbezüge der rund 21 Millionen Rentner im Sommer 2018 voraussichtlich um drei Prozent angehoben werden. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte unter Berufung auf den neuen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung vorab über die Rentenerhöhung 2018 berichtet.

Demnach würde ein sogenannter "Standardrentner", der 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und entsprechend Beiträge geleistet hat, die Erhöhung etwa 43 Euro mehr pro Monat bedeuten. Endgültig festgelegt wird die Rentenerhöhung für 2018 im kommenden Frühjahr, wenn Daten zur Lohnentwicklung 2017 vorliegen.

Rentenversicherung und Arbeitgeber fordern Nachbesserungen bei Rente

Die Co-Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, rief die Jamaika-Partner auf, Schritte zur Stabilisierung der Rentenfinanzen zu ergreifen. Eine Entwicklung "höhere Beiträge für sinkendes Rentenniveau" dürfe nicht Wirklichkeit werden. Sonst drohe die Rentenversicherung ihre Legitimität in der Bevölkerung zu verlieren. "Wichtig ist, dass bereits in dieser Legislatur die Entscheidungen getroffen werden", sagte Buntenbach.

Gunkel, der die Arbeitgeber vertritt, forderte, sich längerfristig mit dem Renteneintrittsalter auseinanderzusetzen: "Es spricht aus meiner Sicht viel dafür, dass es längerfristig weiter angehoben werden soll." Buntenbach, die die Arbeitnehmer vertritt, entgegnete, sie lehne dies "mit Nachdruck" ab. Gunkel und Buntenbach warnten davor, eine erweiterte Mütterrente aus Beiträgen zu finanzieren. In diesem Jahr rechnet die Rentenversicherung mit einer schwarzen Null: Einnahmen und Ausgaben dürften sich auf 293,2 Milliarden Euro belaufen. Die Rentenrücklage dürfte 32,9 Milliarden betragen.

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