11.01.2009 | Geld & Recht Merkel: Engagement bei Commerzbank nur kurzfristig

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Staatsbeteiligung an der Commerzbank nur als vorübergehendes Engagement und machte deutlich, dass sich die Regierung nicht in die aktuelle Geschäftspolitik einmischen werde.

Merkel: Engagement bei Commerzbank nur kurzfristig
Commerzbank
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Staatsbeteiligung an der Commerzbank nur als vorübergehendes Engagement und machte deutlich, dass sich die Regierung nicht in die aktuelle Geschäftspolitik einmischen werde.

«Wir werden uns zurückziehen, sobald die akute Notlage überstanden ist», sagte Merkel «Bild am Sonntag». «Im Übrigen werden wir nicht das Tagesgeschäft steuern.»

Die Commerzbank stellt sich derweil auf eine längerfristige Beteiligung des Bundes als Großaktionär ein. Er rechne «sicherlich nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren» damit, dass die Regierung ihren 25-Prozent-Anteil an dem Kreditinstitut wieder verkauft, sagte Vorstandschef Martin Blessing der «Welt am Sonntag».

Der staatliche Bankenfonds SoFFin gibt der Commerzbank insgesamt 18, 2 Milliarden Euro, um den kurz vor dem Abschluss stehenden Kauf der Dresdner Bank und weitere Belastungen aus faulen Kreditpapieren abzusichern. Im Gegenzug wird der Bund größter Einzelaktionär der zweitgrößten deutschen Bank mit 25 Prozent plus einer Aktie.

In mehreren Zeitungen verteidigte Blessing, der die zweitgrößte deutsche Bank erst seit Mai führt, den Kauf der angeschlagenen Konkurrentin Dresdner Bank: Der Milliardendeal sei gut für Deutschland, eine Absage der Übernahme wäre keine Alternative gewesen, erklärte Blessing. «Die Übernahme war richtig und ist richtig», sagte er «Bild»-Zeitung (Samstag). Der DAX-Konzern zahlt für die Tochter des Versicherers Allianz gut fünf Milliarden Euro.

«Es war unverantwortlich, die Dresdner Bank in dieser Krise zu übernehmen», kritisierte Aktionärsschützer Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). «Blessing hat doch früher selbst dort gearbeitet. Er hätte die Leichen im Keller kennen müssen», sagte Gries der Wirtschaftszeitung «Euro am Sonntag». Blessing leitete im Jahr 2000 die Online-Aktivitäten einer Dresdner- Tochter (Advance Bank). Im Zuge der Dresdner-Übernahme durch den Versicherer Allianz im Jahr 2001 wechselte Blessing zur Commerzbank.

Blessing versicherte in der «WamS», die neuen Löcher bei der Dresdner seien erst im Dezember offensichtlich geworden. In der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» erklärte der Chef des DAX- Konzerns, die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September habe die Lage dramatisch verändert: «Deshalb waren wir genötigt, Staatshilfe zu beantragen.»

Blessing räumte in der «WamS» ein: «Wenn Sie beide Hilfspakete herausrechnen, wäre unsere Kapitalausstattung in der Tat nicht besonders rosig.» Allerdings sei es bei den in der vergangenen Woche vereinbarten zusätzlichen zehn Milliarden Euro an Staatsgeld nicht darum gegangen, «das Überleben der Bank zu sichern»: «Vielmehr wollten wir einen zusätzlichen Puffer, um das gemeinsame Institut gegen mögliche weitere Turbulenzen wetterfest zu machen», sagte Blessing. «Wenn keine weiteren Großkatastrophen mehr eintreten, sollte unser Kapitalpuffer reichen.»

Am Zeitplan für die Übernahme und dem Umfang des geplanten Stellenabbaus ändere sich nichts, wie Commerzbank- Gesamtbetriebsratschef Uwe Tschäge «Euro am Sonntag» sagte: «Wir haben nach wie vor vom Vorstand die verbindliche Zusage, dass es im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank zu keinen betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2011 kommt.» Auch am Umfang des Stellenabbaus von 9000 Stellen, davon 6500 im Inland, werde sich nach derzeitigem Kenntnisstand nichts ändern. Nach dem Vollzug der Übernahme im Januar sollen die beiden Institute in diesem März endgültig miteinander verschmolzen werden. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Berlin ) (Quelle: )