11.01.2009 | Geld & Recht Merkel fordert Autoindustrie zu Innovationen auf

Die Dauerkrise bei Deutschlands Autoherstellern bedroht zunehmend auch Jobs in der Branche.

Merkel fordert Autoindustrie zu Innovationen auf
Merkel
Die Dauerkrise bei Deutschlands Autoherstellern bedroht zunehmend auch Jobs in der Branche.

Im Fall einer länger anhaltenden Absatzkrise schließt der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, einen Abbau von Arbeitsplätzen bei den Autoherstellern nicht mehr aus. Selbst der erfolgsverwöhnte Autobauer Porsche stimmte seine Belegschaft angesichts der schwachen Nachfrage auf schwere Zeiten ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte weitere Unterstützung für die gebeutelte Schlüsselbranche an, mahnte aber in der «Bild am Sonntag» zugleich, die deutsche Automobilindustrie solle ihre Innovationsanstrengungen erhöhen.

«Es gab in Deutschland eine unangefochtene technische Führung beim Ottomotor, der auch weiter gebraucht wird. Aber andere Technologien dürfen darüber nicht vernachlässigt werden», sagte die promovierte Physikerin Merkel der Zeitung. «Wir werden für den Klimaschutz durch Forschungsaufträge hier einen zusätzlichen Impuls geben.» Zudem sei ein Ziel des zweiten Konjunkturpaketes, das die Spitzen von Union und SPD an diesem Montag beschließen wollen, die Automobilnachfrage zu stärken: etwa mit einer am Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) orientierten Kfz-Steuer, wie Merkel erläuterte.

«Wir werden alles tun, um die Stammbelegschaften zu halten», sagte VDA-Präsident Wissmann der Fachzeitschrift «auto motor und sport» (Donnerstag). «Klar ist aber auch, wenn wir nach dem ersten halben Jahr 2009 kein Licht am Ende des Tunnels sehen, wird es schwierig, diese Strategie aufrechtzuerhalten.» Bislang hatten die deutschen Autobauer mit Kurzarbeit und einer Reduzierung der Zeitarbeitsstellen auf die Krise reagiert. In der Autoindustrie unmittelbar sind 750 000 Beschäftigte tätig. Davon entfallen etwa 330 000 auf Zulieferer.

Der Auftragsbestand mache der Branche «große Sorgen», sagte Wissmann. «Er liegt um elf Prozent unter dem Vorjahreswert und damit auf dem niedrigsten Niveau seit Ende der 80er Jahre.» Von Entspannung könne keine Rede seinauch wenn die Absatzzahlen im Dezember weniger stark eingebrochen seien als befürchtet. Im Dezember wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Deutschland knapp 226 000 Pkw neu zugelassen und damit 6, 6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im November hatte es noch einen Einbruch um fast 18 Prozent gegeben. Für das Gesamtjahr 2008 ergab sich ein Rückgang um fast zwei Prozent auf 3, 09 Millionen Neuzulassungendas schwächste Autojahr seit der Wiedervereinigung.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kündigte in einem Brief an die Mitarbeiter des Sportwagenherstellers, aus dem die «Automobilwoche» zitiert, «einschneidende Maßnahmen» und eine Produktionskürzung an: «Vor uns liegt ein steiniger Weg, von dem wir noch nicht wissen, wie lang er sein wird.» Von den beschlossenen und in Teilen bereits abgekündigten Maßnahmen seien sämtliche Unternehmensbereiche und Abteilungen betroffen. Wiedeking zeigte sich optimistisch, dass sich der Absatz im Spätsommer stabilisieren wird, betonte aber zugleich: «Keine Frage, wir werden unseren Mitarbeitern in den kommenden Monaten viel abverlangen. Und wir alle werden unsere Gürtel etwas enger schnallen müssen.» (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Frankfurt/Stuttgart ) (Quelle: )