12.01.2009 | Geld & Recht Mobilcom-Prozess: Verteidigung will Freispruch

Im Bankrott-Prozess gegen den früheren Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hat die Verteidigung am Montag einen Freispruch gefordert.

Mobilcom-Prozess: Verteidigung will Freispruch
Mobilcom-Gründer Schmid
Im Bankrott-Prozess gegen den früheren Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hat die Verteidigung am Montag einen Freispruch gefordert.

Schmid habe weder Geld «beiseite geschafft», noch sei er zu irgendeinem Zeitpunkt zahlungsunfähig gewesen, sagte Verteidiger Marc Langrock in seinem Plädoyer vor dem Kieler Landgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte zweieinhalb Jahre Haft für den 56-Jährigen beantragt, weil der Mobilcom-Gründer und Ex-Milliardär Vermögenswerte in Höhe von insgesamt 1, 2 Millionen Euro nach Liechtenstein transferiert habe, um einer Pfändung zu entgehen. Das Urteil wird in einer Woche verkündet.

Schmid selbst äußerte sich erneut nicht zu den Vorwürfen und überließ das Wort seinem Verteidiger. Der Vorwurf des dreifachen Bankrotts gegen Schmid sei nicht haltbar, führte der Anwalt in seinem gut dreistündigen Vortrag aus. Anders als von der Staatsanwaltschaft dargestellt, habe sein Mandant nie versucht, sein Geld vor dem Zugriff der Gläubiger zu verstecken. Alle Transaktionen seien offen und nachvollziehbar gewesen. «Schon die Grunddefinition des Beiseiteschaffens ist hier nicht erfüllt», sagte Langrock beim Vortrag seines rund 140 Seiten umfassenden Plädoyers. Auch habe die Überweisung nach Liechtenstein den Zugriff für die Banken nicht erheblich erschwert, wie es der Tatbestand des Bankrotts vorsehe.

Darüber hinaus sei die Kündigung eines 100-Millionen-Euro- Darlehens für ein Bauprojekt Schmids an der Kieler Hörn durch die SachsenLB unrechtmäßig gewesen. Die Bank habe den Beleihungswert des Grundstücks zu niedrig angesetzt und damit ein überzogenes und unplausibles Nachsicherungsverlangen für den Kredit errechnet, sagte Langrock. Auch die Annahme, Schmid sei zahlungsunfähig und daher nicht mehr kreditwürdig, beruhe auf falschen Berechnungen der Bank, die das Risiko zunächst falsch eingeschätzt und dies dann zu korrigieren versucht habe.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall in ihrem Plädoyer kurz vor Weihnachten ganz anders beurteilt und Schmid «planvolles Handeln» unterstellt. Damit habe er sein Geld vor dem Zugriff der Gläubiger in Sicherheit bringen wollen. «Es spricht nichts für den Angeklagten», hatte der Staatsanwalt in seinem Schlusswort betont. Am Montag warf die Verteidigung dem Ankläger nun im Gegenzug «erhebliche Ermittlungsdefizite» vor. Das zu ermitteln, was erst im Laufe des unerwartet langen Verfahrens ans Licht gekommen sei, sei eigentlich Aufgabe der Staatsanwaltschaft gewesen, kritisierte Anwalt Langrock.

Für den Fall, dass die Kammer einen Freispruch Schmids ablehnt, hat die Verteidigung vorsorglich weitere Beweisanträge gestellt, die das Gericht nun noch beraten will. Unabhängig davon soll jedoch am kommenden Montag ein Urteil gesprochen werden. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Kiel ) (Quelle: )