12.01.2009 | Geld & Recht Nach Rekordjahr: Luftverkehr vor Turbulenzen

Der Luftverkehr in Deutschland steht nach einem weiteren Rekordjahr vor Turbulenzen. Angesichts der weltweiten Konjunkturflaute sei 2009 ein Rückgang der Passagierzahlen um drei Prozent zu erwarten, erklärte die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen am Montag.

Nach Rekordjahr: Luftverkehr vor Turbulenzen
Luftverkehr
Der Luftverkehr in Deutschland steht nach einem weiteren Rekordjahr vor Turbulenzen. Angesichts der weltweiten Konjunkturflaute sei 2009 ein Rückgang der Passagierzahlen um drei Prozent zu erwarten, erklärte die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen am Montag.

Dies gelte selbst dann, wenn sich die Nachfrage zur Jahresmitte erholen sollte. Spätestens von 2011 an sei wegen zu erwartender Nachholeffekte wieder mit einem überproportionalen Verkehrswachstum zu rechnen. 2008 verbuchten die 24 internationalen Airports in der Bundesrepublik ein Wachstum von 1, 2 Prozent auf den Rekordwert von 190 Millionen Passagiere.

Nach den bereits schwächeren Monaten Oktober und November sackte der Luftverkehr im Dezember bereits deutlich ab. Nach Berechnungen der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt ging die Zahl der Flugbewegungen im letzten Monat des Jahres um 7, 5 Prozent zurück. Für das Gesamtjahr 2008 war dagegen ein Rekordwert von 3, 15 Millionen Starts, Landungen und Überflüge gezählt worden, das waren 1, 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit setzte sich das Wachstum trotz der im Sommer zeitweise extrem angestiegenen Treibstoffpreise und der einsetzenden Rezession auf Jahressicht weiter fort.

Auch Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa verbuchte im vergangenen Jahr einen Passagierrekord. Rund 57 Millionen Menschen nutzten das Angebot, das waren 1, 2 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Unternehmen in Frankfurt mitteilte. Im Dezember ging die Zahl der Gäste angesichts der globalen Konjunkturschwäche allerdings im Jahresvergleich um 3, 7 Prozent auf knapp vier Millionen zurück. Damit hat sich der Abwärtstrend im Vergleich zum Oktober und November weiter verstärkt.

Besonders drastisch sank im Dezember bei Lufthansa die transportierte Menge an Fracht: Sie ging um mehr als ein Fünftel auf 114 000 Tonnen zurück. Die Luftfracht gilt als Frühindikator der Weltkonjunktur, der Cargo-Sektor hat besonders unter der Rezession zu leiden. Im Gesamtjahr wurde hier ein Minus von 6, 0 Prozent verbucht. Nach Angaben der Flughafen-Arbeitsgemeinschaft nahm die Menge der beförderten Fracht an den großen deutschen Airports aber noch um 4, 6 Prozent auf 3, 8 Millionen Tonnen zu.

Nach Berechnungen der Flugsicherung entfallen inzwischen 25, 8 Prozent aller Flüge auf Billigflieger. Der Anteil habe sich seit Beginn des neuen Jahrtausends mehr als verfünffacht. Nach Ansicht des des Verkehrsexperten Heiner Monheim hat die Billigfliegerei jedoch die besten Zeiten hinter sich. «Im Jahr 2020 ist Billigflug vorbei», sagte der Professor an der Universität Trier in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dann werde sich das Fliegenwie vor 15 Jahrenwieder auf die großen Flughäfen konzentrieren. Standorte mit ausschließlich Billigflug-Starts und -Landungen könnten mittelfristig nicht überleben.

Grund für den Einbruch der Billigflieger sind laut Monheim steigende Kosten. «Billigfliegen ist auf Dauer nicht mehr haltbar.» Seiner Einschätzung nach wird Fliegen in den nächsten Jahren immer teurer. Zum einen, weil die Energiepreise wieder kräftig anziehen dürften. Und zum anderen, weil Subventionen aus klimapolitischen Gründen nicht mehr vertretbar seien. «Die Billigflieger werden als erste von Deck gehen.» Für 2050 prognostizierte der Professor aber für die gesamte Luftfahrtindustrie «eine Riesenkrise». Fliegen werde dann umweltpolitisch kaum mehr haltbar sein. «Dann wird Verkehrsberuhigung der Luft das Thema sein», sagte er. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Frankfurt/Berlin ) (Quelle: )