06.01.2009 | Geld & Recht Neue Ära bei VW - Porsche übernimmt Mehrheit

Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen hat eine neue Ära begonnen: Mehr als drei Jahre nach dem Einstieg bei VW hat der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche die Mehrheit an Volkswagen übernommen.

Neue Ära bei VW - Porsche übernimmt Mehrheit
Porsche- und VW-Emblem
Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen hat eine neue Ära begonnen: Mehr als drei Jahre nach dem Einstieg bei VW hat der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche die Mehrheit an Volkswagen übernommen.

Die Beteiligung an VW stieg am Montag auf 50, 76 Prozent der Stammaktien, wie Porsche in Stuttgart mitteilte. Ursprünglich hatte Porsche bereits zum Ende des vergangenen Jahres die Schwelle von 50 Prozent überschreiten wollen. An der Börse stieg die VW-Aktie am Dienstag um 14 Prozent auf rund 296 Euro.

Porsche war im Herbst 2005 bei VW eingestiegen. Dies galt damals als Überraschungscoup. Im Laufe der Zeit hatte Porsche den Anteil stetig ausgebaut und zuletzt 42, 6 Prozent der VW-Anteile gehalten. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte angekündigt, der Sportwagenbauer wolle den Anteil 2009 auf 75 Prozent hochschrauben. Ein solcher Anteil würde grundsätzlich einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag möglich machen. Die Stuttgarter hätten dann etwa Zugriff auf sämtliche Gewinne.

Allerdings verhindert derzeit noch das VW-Gesetz eine vollständige Kontrolle von Porsche bei VW. Das umstrittene Gesetz sieht eine 20- prozentige Sperrminorität bei wichtigen Entscheidungen vor und sichert damit dem Land Niedersachsen, das knapp über 20 Prozent an VW hält, eine starke Stellung bei dem Autobauer. Die EU-Kommission geht allerdings erneut gegen das VW-Gesetz vor.

Die Aufstockung des Porsche-Anteils an VW auf mehr als 50 Prozent ist daher vor allem ein symbolischer Akt. «Damit wird Volkswagen endgültig Teil des Porsche-Konzerns», kommentierte Nord/LB-Analyst Frank Schwope. Die Bank erwarte in den nächsten Monaten allerdings keine Aufstockung der Porsche-Beteiligung auf 75 Prozent, da der Kurs der VW-Aktie immer noch klar überteuert sei.

Porsche hat mit der Erhöhung des Anteils an VW indirekt auch die Kontrolle über den schwedischen Lastwagenbauer Scania erlangt, an dem VW knapp 69 Prozent der Stimmrechtsanteile hält. Porsche muss daher ein Pflichtangebot für Scania abgeben. Das geschehe aber nicht mit dem Ziel, auch tatsächlich Aktien zu erwerben, sagte ein Porsche- Sprecher.

Das Unternehmen habe kein strategisches Interesse an dem Nutzfahrzeugbauer. Scania baue Lastwagen, Porsche hingegen Sportwagen. «Da ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir kein Interesse haben», sagte er. Die Beteiligung an dem Lkw-Bauer sei zwar für VW strategisch wichtig, nicht aber für Porsche selbst. Das Angebot für Scania sei für Porsche eine reine gesetzliche Pflicht, sagte der Sprecher. «Wir freuen uns, wenn uns nichts angeboten wird.» (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Stuttgart/Wolfsburg ) (Quelle: )