06.01.2009 | Geld & Recht Neue Vorwürfe gegen Madoff - Jetzt droht U-Haft

Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte droht dem unter Hausarrest stehenden Broker Bernard Madoff womöglich doch die Untersuchungshaft.

Neue Vorwürfe gegen Madoff - Jetzt droht U-Haft
Madoff
Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte droht dem unter Hausarrest stehenden Broker Bernard Madoff womöglich doch die Untersuchungshaft.

Der 70-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft die Kautionsauflagen gebrochen und versucht haben, Juwelen und anderen Besitz im Wert von einer Million Dollar beiseite zu schaffen. Der zuständige Richter in New York kündigte eine Entscheidung für diesen Donnerstag an.

Deutsche Anleger könnten unterdessen in das 50 Milliarden Dollar schwere «Schneeball-System» laut eines Zeitungsberichts weit stärker verwickelt sein als bisher bekannt. Es gehe mindestens um einen dreistelligen Millionenbetrag, berichtete die «Financial Times Deutschland» am Dienstag. Dies habe eine Münchner Fonds- Vertriebsgesellschaft bestätigt, über die ein wesentlicher Teil der Madoff-Investments aus Deutschland gelaufen sei.

Knapp vier Wochen nach Madoffs erstem Geständnis hat in Washington auch die politische Aufarbeitung des Skandals begonnen. Die US-Börsenaufsicht SEC steht massiv in der Kritik, weil sie Madoff trotz zahlreicher Hinweise und Prüfungen in den vergangenen Jahrzehnten nicht auf die Schliche kam.

SEC-Chefprüfer David Kotz kündigte bei einer Anhörung im Finanzausschuss des US-Abgeordnetenhauses am Montag (Ortszeit) eine schonungslose Untersuchung der Arbeit der Behörde an. Die bisherigen Ermittlungen würden ausgeweitet und sollen auch die Kontakte zwischen Mitarbeitern und der Madoff-Familie unter die Lupe nehmen. Sie könnten das Verhalten der Kontrolleure beeinflusst haben, argwöhnt Kotz. Politiker sprachen von einem schweren Vertrauensverlust in die Aufsicht.

Madoffs mutmaßlicher Verstoß gegen Kautionsauflagen sorgte in der Öffentlichkeit für eine neue Welle der Empörung. Zuvor hatten beispielsweise Politiker für den einst hoch angesehenen Geschäftsmann Untersuchungshaft gefordert. Bislang steht er gegen eine Millionen-Kaution in seinem New Yorker Luxus-Appartement unter Hausarrest. Vor einem Gericht in Manhattan musste sich Madoff am Montag wegen der Vorwürfe rechtfertigen. Sein Anwalt sagte laut Medienberichten, der Beschuldigte habe nicht gegen die Auflagen verstoßen wollen und bemühe sich derzeit, die Wertsachen zurückzuholen.

Madoff hatte seinen Opfern jahrzehntelang beständig hohe Gewinne versprochen, die er in Wirklichkeit gar nicht erzielt haben soll. An die Investoren schüttete er stattdessen Geld aus, das er von immer neuen Anlegern bekamein sogenanntes «Schneeball-System». (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Washington/New York ) (Quelle: )