12.01.2009 | Geld & Recht RWE will Energieversorger Essent kaufen

Der Energieriese RWE steht vor einer der größten Übernahmen in seiner Firmengeschichte: Für 9, 3 Milliarden Euro wollen die Essener das niederländische Energieunternehmen Essent kaufen.

RWE will Energieversorger Essent kaufen
RWE-Konzernzentrale
Der Energieriese RWE steht vor einer der größten Übernahmen in seiner Firmengeschichte: Für 9, 3 Milliarden Euro wollen die Essener das niederländische Energieunternehmen Essent kaufen. Am Montag einigten sich die Unternehmen auf die Bedingungen für ein verbindliches Barangebot.

RWE will dabei sämtliche Anteile an dem Strom- und Gasunternehmen mit Ausnahme des Verteilnetzes und des Entsorgungsgeschäfts übernehmen, teilte die RWE AG in Essen und Arnheim mit. Die Übernahme wäre der erste große Zukauf unter der Regie des seit Oktober 2007 amtierenden Konzernchefs Jürgen Großmann. Die Übernahme des Traditionsunternehmens, das seit 150 Jahren Gas verkauft, soll im dritten Quartal des laufenden Jahres abgeschlossen sein.

«Durch den Erwerb von Essent wird RWE das führende Unternehmen in Nordwesteuropa», sagte Großmann in Arnheim. Der Abschluss sei auch für die Niederlande gut. «Es wird in diesem Land erheblich investiert, um die Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Kosten zu sichern.»

RWE könne rund 5, 3 Millionen Kunden dazugewinnen. Rund eine Million Kunden davon seien in Deutschland, weitere 250 000 in Belgien. Geplant ist, die Marke Essent weiterzuführen. Auch soll Essent die RWE-Führungsgesellschaft für die Niederlande und Belgien werden. Nach Abschluss der Übernahme werde RWE in Europa dann 22, 5 Millionen Menschen mit Strom und 12, 5 Millionen Menschen mit Gas versorgen. Zusammen mit den 6200 Megawatt Erzeugungskapazität von Essent werde RWE dann über eine Strom-Gesamtkapazität von 52 000 Megawatt verfügen.

Das niederländische Unternehmen habe im vergangenen Jahr ohne das Netz- und Entsorgungsgeschäft bei einem Umsatz von rund 6, 55 Milliarden Euro einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von rund 882 Millionen Euro erwirtschaftet. Ohne Netz- und Entsorgungsgeschäft werden 7800 Menschen beschäftigt. RWE erwirtschaftete 2007 rund 43 Milliarden Euro und beschäftigt 63 500 Menschen. Das Handelsgeschäft der beiden Unternehmen sowie das Deutschland-Geschäft von Essent bei regenerativen Energien sollen zusammengeführt werden. Die Übernahme werde keine Auswirkungen auf die von Essent derzeit geplante Personalpolitik haben, hieß es.

Das Angebot steht unter dem Vorbehalt, dass RWE mindestens 80 Prozent der Anteile angeboten werden. Anteilseigner sind vier niederländische Provinzen, zwei Verbände kommunaler Aktionäre sowie zwei Gemeinden. Insgesamt gibt es 136 Gesellschafter. Die Transaktion bedarf außerdem der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden. Notwendig sei nach niederländischem Recht außerdem eine Stellungnahme des Gesamtbetriebsrates von Essent. Sobald diese vorliegt, wollen Essent und RWE eine Angebotsvereinbarung unterzeichnen. Mit der Stellungnahme wird innerhalb der nächsten Wochen gerechnet. Für die Finanzierung stehe RWE ein Kreditrahmen von 9 Milliarden Euro zur Verfügung. Der Rest werde über Barguthaben finanziert.

Essent besitzt laut RWE einen «attraktiven Kraftwerkspark» auf der Basis von Gas, erneuerbaren Energien, Kohle und Kernkraft. Besonders den Bereich erneuerbare Energien baue das Unternehmen derzeit massiv aus. Dies ergänze sich hervorragend mit der Strategie von RWE, die Leistung aus erneuerbaren Energien zu erweitern. RWE versorgt über eine Regionalgesellschaft derzeit bereits 350 000 Menschen in den Niederlanden mit Strom und mehr als 40 000 Firmen mit Gas und Strom. RWE plant außerdem den Bau eines 1560 Megawatt-Biomasse- und Kohlekraftwerks in Eemshaven, das 2012 fertig werden soll.

Erst vor wenigen Wochen hatte RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum einen Ausbau des internationalen Geschäfts des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns angekündigt. Im Zentrum der Überlegungen stünden neben den Benelux-Ländern auch Großbritannien, Osteuropa, der Balkan und die Türkei. Denkbar sei zudem ein Engagement in Russland. In den kommenden zehn Jahren sind dazu Investitionen von bis zu 80 Milliarden Euro geplant. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Essen/Arnheim ) (Quelle: )