26.01.2022 | Geld & Recht Tipps für Existenzgründer: Angst überwinden und typische Fehler umgehen

So gut wie jeder Gründer hat mit Ängsten zu kämpfen, insbesondere kurz vor der Gründung und in der oft kritischen Anfangszeit. Darüber hinaus gibt es andere typische Stolpersteine, die Existenzgründer scheitern lassen. Welche das sind und wie ihr es besser macht, ist jetzt Thema.

Foto: Pixabay / un-perfekt Der Traum vom großen Geld begleitet so manchen Existenzgründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Stellt sich der Erfolg nicht sofort ein, geben viele auf.

Ängste sind gesund, denn sie dienen in dosierter Form als Warnsignal, um auf neuem Terrain besonders aufmerksam zu agieren. Manchmal sind Ängste aber so stark ausgeprägt, dass sie einen geschäftlichen Erfolg von vornherein vereiteln. Das sind die häufigsten Gründe:

Fehlende Kenntnisse über administrative und buchhalterische Anforderungen

Fehlende Kenntnisse müssen Existenzgründer clever ausgleichen, um die Anforderungen dennoch zu erfüllen. Sie sollten nach Lösungen suchen, die ideal zu ihrem aktuellen Kenntnisstand, ihrem möglichen zeitlichen Engagement und ihren persönlichen Ansprüchen passen. Anders ausgedrückt: Es ist nicht schlimm, Lücken zu haben. Ihr müsst aber in der Lage sein, diese Lücken zu erkennen und euch adäquate Hilfe zu holen.

So mancher Gründer wird von der Flut der administrativen und buchhalterischen Anforderungen buchstäblich erschlagen. Kaum ist die Gewerbeanmeldung erledigt, flattern Schreiben von IHK und Finanzamt auf den Tisch, melden sich Pflichtversicherungen und Berufsgenossenschaften. Doch damit nicht genug. Existenzgründer müssen die Buchhaltung erledigen und dabei die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beachten und steuerliche Anforderungen erfüllen.

Damit ihr eure buchhalterischen Pflichten vollumfänglich bewältigen könnt, benötigt ihr eine zuverlässige Software, die auch für Laien verständlich, zeitsparend und gut zu bedienen ist. Zusätzlich zu einer allumfassenden Buchhaltungssoftware, die die wichtigen Schritte erleichtert oder gar ganz abnehmen kann, ist aber auch die interne und externe Kommunikation darüber sehr wichtig. Somit ist die Klärung der gängigen Begriffe essenziell, um Missverständnissen vorzubeugen. Damit beispielsweise der Unterschied zwischen Liquidität und Gewinn klar ist oder beim obligatorischen jährlichen Aufstellen des Abschlusssaldo keine Fehler unterlaufen, sind solche Kenntnisse also durchaus relevant. Gerade bei umgangssprachlich verwendeten Begriffen wie dem Saldo sollten auch die buchhalterischen Feinheiten bekannt sein, damit es nicht zu Problemen in der Folge kommt.

Bezüglich der administrativen Anforderungen hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Die Digitalisierung erleichtert vieles, denn inzwischen sind Papierbelege stark zurückgegangen. Stattdessen werden Dokumente per E-Mail verschickt oder in geschützten Bereichen bereitgestellt. Eine Firma administrativ einzurichten bedeutet, eine Büroorganisation mit analogen und digitalen Organisationsstrukturen aufzubauen. Auch hierfür gibt es Online- und Präsenzkurse, die dabei Hilfestellung geben. Existenzgründungsberater und Organisationsberater sind ebenso Anlaufstelle für Fragen rund um die Administration.

Das liebe Geld: Scheitern wegen finanzieller Probleme

Immer wieder scheitern Existenzgründungen am Geld. Die Anschubfinanzierung ist zu gering oder die Umsätze tröpfeln nur schleppend. Um für regelmäßige Umsätze zu sorgen, kommt es natürlich in erster Linie auf die Auftragslage an. In zweiter Linie geht es um die Zahlungsbereitschaft der Kunden. Wenn Kunden Leistungen erhalten und diese erst viele Wochen später bezahlen, müssen Existenzgründer die Zeit überbrücken. Die Zeitspanne zwischen Leistungserbringung und Zahlungseingang ist mitunter zu lang, weil inzwischen viele Rechnungen bezahlt werden müssen. Es droht Zahlungsunfähigkeit, die einer der Hauptgründe ist, woran junge Unternehmen in den ersten fünf Jahren scheitern. Das Forderungsmanagement spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle.

In vielen Fällen aber ergeben sich finanzielle Probleme aus einem nachlässigen Geschäftskonzept, wozu ihr unter dem Bulletpoint “Geschäftskonzept marktreif entwickeln” im nächsten Absatz entsprechende Details findet. 

Foto: Pixabay / StartupStockPhotos Ein Geschäftskonzept zu entwickeln ist keine leichte Aufgabe. Angehende Existenzgründer sollten sich im Vorfeld intensiv mit dem Konzept auseinandersetzen, statt mit einem halbfertigen Konzept überstürzt zu starten.
Die Angst zu scheitern

Als eine der größten Hürden erweist sich die Angst vor dem Scheitern. Tatsächlich liegen viele Geschäftsideen in einer Schublade und werden nicht umgesetzt, weil die Angst vor dem Scheitern unüberwindlich erscheint. Finanzielle Risiken erscheinen zu hoch, die Konkurrenz zu stark und die Arbeitsbelastung unüberschaubar. Hinzu kommt der persönliche Aspekt. Oft setzen angehende Existenzgründer ein Scheitern einer Geschäftsidee mit dem persönlichen Scheitern gleich. Diese Einstellungen verstärkt die Hemmung durch übergroße Angst.

Angst ist per se nicht Schlechtes. Sie ist ein Warnsystem für uns und reagiert auf unbekannte Risiken. Insofern wäre es eher überraschend, wenn Existenzgründer vollkommen angstfrei wären. Ein sehr gutes und wirkungsvolles Mittel gegen Angst ist Information. Wer sich über die Risiken genau informiert und sich damit auseinandersetzt, kann einschätzen, wie groß eine potenzielle Gefahr tatsächlich ist. Um Ängste in Schach zu halten, die Entscheidung zur Selbständigkeit voranzutreiben und sich in eine gute Ausgangsposition zu manövrieren, haben sich die folgenden Tipps bewährt.

  • Geschäftskonzept marktreif entwickeln

Viele Gründer gehen mit einer guten Idee, aber ohne belastbares Konzept an den Markt. Sie scheitern, weil sie Fakten außer Acht lassen. Ein gut durchdachtes Konzept ist tragfähig und hält auch typischen Schwankungen im Marktsegment stand. Dabei ist Geld heutzutage nicht mehr der Faktor, mit dem eine Gründung steht oder fällt. Grund ist, dass jeder Zugriff auf dieselben Ressourcen hat, weil die Märkte sehr transparent geworden sind.

Beispiel: Sogar unerfahrene Shopbetreiber ohne gewachsenes Netzwerk bekommen Zugang zu großen Handelsplattformen und erhalten Einkaufspreise wie die großen Player am Markt.

Die Konkurrenzsituation hat sich auch aufgrund der steigenden Markttransparenz erheblich verändert. Kopf schlägt Kapital und wer clever ist, kann große Firmen mit einem schlanken Geschäftskonzept überflügeln. Die Stiftung Entrepreneurship hilft Gründern dabei, unabhängig vom Geld ein hochkarätiges Geschäftskonzept zu entwickeln, mit dem es sich ökonomisch unabhängig leben und arbeiten lässt. Ein Geschäftskonzept zu entwickeln erfordert sorgfältiges Planen und Ausprobieren. Ihr müsst es immer wieder überarbeiten, bis die Idee in einem stimmigen Gesamtbild aufgeht. Wer so gut vorbereitet mit einem tragfähigen Konzept an den Markt geht, hat bereits viel getan, um der übersteigerten Angst den Nährboden zu nehmen.

  • Professionellen Rat beanspruchen

Als erfolgreiche Selbständige müsst ihr viel wissen und euch in vielen Bereichen auskennen. Das ist zumindest die landläufige Meinung. Doch ihr könnt und solltet euch von Experten beraten lassen, die geballtes Fachwissen auf hohem Niveau liefern. So könnt ihr eure unternehmerischen Entscheidungen auf Basis verlässlicher Informationen fällen und das Risiko des Scheitern minimieren. Kosten für professionellen Rat sind in einem stimmigen Geschäftskonzept mit einkalkuliert, denn es ist viel teurer, darauf zu verzichten und krachend zu scheitern.

  • Gleichgesinnte suchen

Ihr seid nicht allein. Außer euch gibt es viele andere in derselben Situation und der gegenseitige Austausch besänftigt die Angst vor dem Scheitern. Stattdessen entwickelt sich ein spezieller Gründer-Spirit, der inspiriert und mitreißt. Die Herausforderungen von Existenzgründern sind unabhängig von der Geschäftsidee recht ähnlich und es ergeben sich mitunter überraschende Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Zudem können sich Gründer gegenseitig unterstützen und buchstäblich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Existenzgründer aus pragmatischen Gründen dazu entscheiden, etwa gemeinsam Büroräume zu mieten, um Kosten zu teilen. Aus einer Zweckgemeinschaft wie diese kann eine starke Kooperation erwachsen, die profitabel zusammenarbeitet.

  • Risiken klassisch absichern

Es gibt so manche Pflichtversicherung für Unternehmen und weitere optionale Versicherungen. So können Selbständige zum Beispiel freiwillige Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlen oder einen besseren Tarif bei einer privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung abschließen, um sich einen gewissen sozialen Schutz zu erhalten. Auch spezielle Absicherungen etwa gegen Cyberangriffe, Hochwasserschäden oder andere Katastrophen können spezifischen Ängsten den Schrecken nehmen.

Wer so massiv gegen teils unnötige Ängste arbeitet, hat gute Chancen, diese zu überwinden. Stellt euch die Frage, was im aller schlimmsten Fall passieren wird. Wenn ihr scheitert, ist dann wirklich alles vorbei? Scheitert ihr wirklich persönlich oder scheitert das Projekt Selbstständigkeit? Wenn ihr euch über grundlegende Fragen wie diese klar werdet, erkennt ihr auch, welche Risiken ihr tragen könnt und für welche ihr auf jeden Fall eine klassische Absicherung benötigt.