07.01.2009 | Geld & Recht US-Alukonzern Alcoa streicht mehr als 15 000 Jobs

Neue Hiobsbotschaft in der Konjunkturkrise: Der führende US-Aluminiumkonzern Alcoa streicht wegen der globalen Talfahrt weltweit mehr als 15 000 Jobs, kürzt die Produktion nochmals massiv und verkauft Randsparten.

US-Alukonzern Alcoa streicht mehr als 15 000 Jobs
Alcoa-Logo
Neue Hiobsbotschaft in der Konjunkturkrise: Der führende US-Aluminiumkonzern Alcoa streicht wegen der globalen Talfahrt weltweit mehr als 15 000 Jobs, kürzt die Produktion nochmals massiv und verkauft Randsparten.

Betroffen sind auch Beschäftigte in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Alcoa produziert in Deutschland an elf Standorten. Auf der Verkaufsliste steht ein europäischer Autozulieferbereich mit einem Werk in Soest mit rund 270 Beschäftigten.

Der Soester Werksleiter Udo Struck sagte am Mittwoch, dass es bisher keine Interessenten für das Werk gebe. In Soest werden Leichtbau-Teile für Automobile hergestellt. «Das ist trotz der Krise im Automobilbau ein Wachstumsmarkt», sagte Struck. Schließlich wollten die Hersteller angesichts von CO2-Einsparungen diese Bauteile nicht nur in den Top-Modellen, sondern auch in Mittelklasse- Großserien verbauen.

Die Alcoa-Beschäftigten in Soest waren am Mittwoch über die Verkaufsabsichten der Konzernmutter informiert worden. «Das ist natürlich erst mal eine Ansage für die Mitarbeiter. Die müssen das erst Mal sacken lassen», sagte Struck. Sollte sich kein Käufer für das Soester Alcoa-Werk finden, sei die Zukunft ungewiss. Eine Schließung hält Struck aber für unwahrscheinlich. Das Werk laufe gut und es gebe langfristige Lieferverträge, die zum Teil noch über sechs Jahre liefen.

Der wirtschaftliche Abschwung mache schnelle Entscheidungen nötig, begründete Konzern-Chef Klaus Kleinfeld die drastischen Einschnitte. Der frühere Siemens-Vorstandsvorsitzende war 2007 zu Alcoa gewechselt und steht seit Mai 2008 an der Spitze des Konzerns mit Sitz in Pittsburgh (Pennsylvania).

Weltweit fallen 13 500 feste Stellen und damit 13 Prozent aller Arbeitsplätze bei Alcoa weg. Zusätzlich streicht der Konzern 1700 Jobs von externen Zeitarbeitern. Die Gehälter der verbleibenden Mitarbeiter werden eingefroren.

Zur genauen Zahl der in Europa wegfallenden Arbeitsplätze wollte Alcoa auf Anfrage am Mittwoch keine Angaben machen. Die Mitarbeiter seien aber zumeist bereits in den vergangenen Wochen informiert worden, sagte ein Konzernsprecher.

Die Preise für Aluminium sind seit ihren Rekordständen im vergangenen Sommer um rund die Hälfte eingebrochen. Alcoa fährt die Jahresproduktion nochmals um nun insgesamt fast 20 Prozent herunter. Wettbewerber wie der britisch-australische Konzern Rio Tinto und die russische Rusal-Gruppe kündigten ebenfalls Sparmaßnahmen an.

Insgesamt will Alcoa vier Randsparten mit 22 600 Beschäftigten abstoßen. Sie erzielten zuletzt einen Jahresumsatz von zusammen rund 1, 8 Milliarden Dollar (1, 3 Mrd Euro) bei einem Verlust nach Steuern von insgesamt 105 Millionen Dollar. Durch den Verkauf erhofft sich Alcoa unter dem Strich rund 100 Millionen Dollar Einmalgewinn.

Durch den Konzernumbau erwartet Alcoa Belastungen von bis zu 950 Millionen Dollar nach Steuern. Diese sollen noch für das vierte Quartal 2008 verbucht werden. Im Gegenzug erwartet der Konzern Einsparungen von 450 Millionen vor Steuern pro Jahr.

Alcoa will sein Konzernergebnis für das vergangene Quartal und das Gesamtjahr 2008 am kommenden Montag bekanntgeben. Der im Leitindex Dow Jones notierte Aluminiumriese legt traditionell als erstes US- Schwergewicht Zahlen vor und läutet damit die Berichtssaison ein. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Pittsburgh/Soest ) (Quelle: )