07.01.2009 | Geld & Recht Wirtschaft könnte Ende 2009 wieder Tritt fassen

Die deutsche Wirtschaft dürfte nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nach dem Sturz in die Rezession bald wieder Tritt fassen.

Wirtschaft könnte Ende 2009 wieder Tritt fassen
Containerumschlag im Hamburger Hafen
Die deutsche Wirtschaft dürfte nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nach dem Sturz in die Rezession bald wieder Tritt fassen.

Ende dieses Jahres könnte es konjunkturell bereits wieder leicht bergauf gehen, teilten die Berliner Forscher am Mittwoch mit. Insgesamt rechnet das Institut für 2009 mit einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um 1, 1 Prozent. Damit wurde die eigene Herbstprognose korrigiert, die 1, 2 Prozent Wachstum angesetzt hatte.

Anders als in früheren Abschwungphasen sei am Arbeitsmarkt eine vergleichsweise stabile Entwicklung zu erwarten, der private Konsum werde positive Anstöße geben. Für 2010 sei dann mit einem Wachstum von 1, 1 Prozent zu rechnen.

Zum geplanten zweiten Konjunkturpaket der Bundesregierung äußerte sich DIW-Präsident Klaus Zimmermann skeptisch: «Mit kurzatmigem Aktionismus laufen wir Gefahr, Milliarden zu verbrennen, die uns für dauerhafte Investitionen in Bildung, Forschung und ökologische Infrastruktur fehlen.» Im Falle höherer öffentlicher Investitionen gebe es Schwierigkeiten bei der Umsetzung.

So lägen nur wenige Projekte baureif in den Schubladen, angesichts gut ausgelasteter Kapazitäten am Bau drohten höhere Preise. Investitionsprogramme sollten daher länger als nur auf zwei Jahre angelegt werden. Wer Steuern dauerhaft senken wolle, müsse zudem sagen, wie dies dauerhaft finanziert werde.

Das DIW schlug zur Beschäftigungssicherung vor, dass der Bund auf ein Jahr befristet die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber zum Kurzarbeitergeld übernehmen sollte. DIW-Konjunkturchef Christian Dreger sagte, angesichts der Erwartung einer «temporären Krise» dürften viele Firmen versuchen, mindestens ihre Kernbelegschaften zu halten.

Denn erst beim jüngsten Aufschwung habe sich gezeigt, dass Fachkräfte rar seien. Insgesamt rechnen die Forscher für 2009 und 2010 jeweils mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um etwa 200 000, was vergleichsweise moderat sei. Stellenabbau konzentriere sich dabei auf die Industrie, während Dienstleistungen profitieren könnten.

Entscheidende Ursache der «importierten Rezession» in Deutschland als stark exportabhängigem Land sei ein Einbruch der weltweiten Nachfrage, erläuterten die Experten. Stützend für den Konsum werde ein nachhaltiger Rückgang der Inflation wirken, die von 2, 6 Prozent 2008 spürbar auf 1, 1 Prozent im laufenden Jahr zurückgehen dürfte. Mit Blick auf die Geldpolitik warnte das DIW vor erheblichem Gefahrenpotenzial des Vorgehens in den USA. Eine politisch forcierte lockere Kreditvergabe drohe einen Keim für die nächste Krise zu legen.

Das DIW hob hervor, dass sich derzeit alle Voraussagen auf einem extrem unsicheren Fundament bewegten. Die eigenen Prognosen sollten daher als «Szenarien» möglicher Entwicklungen verstanden werden. In den vergangenen Monaten hatten vor dem DIW bereits andere große Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen deutlich korrigiert. (Quelle: ) (Quelle: (dpa) - Berlin ) (Quelle: )