11.06.2018 | Gesundheit Badetod: So sieht Ertrinken wirklich aus und so könnt ihr helfen

Bei Kindern ist Ertrinken der zweithäufigste Unfalltod. Ein Grund: Wir haben ein völlig falsches Bild davon, wie Ertrinken abläuft. Häufig sind die Eltern sogar ganz in der Nähe. Das solltet ihr unbedingt wissen und weitererzählen:

Kaum wird es wieder richtig heiß, häufen sich die ersten Badeunfälle. Fatal: Viele erkennen nicht, wenn jemand gerade ertrinkt.

Falsches Bild vom Tod durch Ertrinken

Vor allem Filme haben uns ein völlig falsches Bild davon vermittelt, wie Ertrinken abläuft: Lautes Geschrei, wildes Fuchteln - in der Realität kommt das nur in den seltensten Fällen vor. Denn fast immer ist das Ertrinken ruhig und wortlos. Besonders deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit den Anzeichen auseinandersetzen. 

Tod durch Ertrinken ist der zweithäufigste Unfalltod bei Kindern

Bei Kindern unter 15 Jahren ist Ertrinken die zweithäufigste, nicht natürliche, Todesursache - nur knapp nach Verkehrsunfällen. Bei Kinder unter 5 Jahren ist Ertrinken sogar der häufigste Unfalltod. Deswegen dürfen wir Kinder grundsätzlich nie aus den Augen lassen beim Schwimmen, aber auch schon in der Nähe von einer Wasserquelle. Gerade bei Kleinkindern kann eine Wassertiefe von nur wenigen Zentimetern, etwa in einem Planschbecken, zum Verhängnis werden.

Ertrinken sieht nicht aus wie ertrinken

In den allermeisten Fällen geht das Ertrinken nicht mit Geschrei oder hektischem Winken einher. Die Menschen und vor allem Kinder, die sich in solch einer Notsituation befinden, schaffen es körperlich nicht, um Hilfe zu rufen. Da beim Ertrinken der Atem aussetzt, schafft es auch die Stimme nicht mehr. Wenn der Ertrinkende dann den Kopf über Wasser bekommt, reicht die Zeit nicht für Atmen und Hilferuf. Auch die Arme und Hände ragen meist nicht aus dem Wasser empor. Instinktiv strecken sie die Arme zur Seite, um aufrecht zu bleiben. Wichtig: Es gibt aber natürlich auch ernstzunehmende Situationen, in denen Menschen noch um Hilfe rufen, winken und sich an der eigenen Rettungsaktion beteiligen können.

Wichtige Anzeichen des Ertrinkens

Besonders wenn euer Kind badet, solltet ihr es immer im Auge behalten. Denn in der Regel können sich Ertrinkende maximal 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen. Dann folgt ein reflexartiges Einatmen bei dem Wasser in die Lunge kommt. Das wiederum führt zu Krämpfen und Bewusstlosigkeit, letztlich zum Tod.

Folgende Anzeichen sollten euch alarmieren:

  • Wenn es ungewöhnlich ruhig wird
  • Arme sind seitlich ausgestreckt und werden von oben auf das Wasser gedrückt
  • Während dem Ertrinken ist der Körper aufrecht im Wasser
  • Die Beine werden nicht bewegt
  • Der Kopf ist nach hinten geneigt
  • Der Mund befindet sich auf Höhe der Wasseroberfläche
  • Die Augen sind geschlossen oder glasig und leer
  • Die Person kämpft nach Luft
  • Der Ertrinkende versucht zu schwimmen, kommt aber nicht voran
  • Die Person versucht sich auf den Rücken zu drehen

Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob jemand gerade ertrinkt, dann seid lieber einmal zu vorsichtig und fragt die Person laut, ob es ihr gut geht. Wenn sie nicht antwortet, bleiben euch möglicherweise nur noch Sekunden für die Rettung.

Wichtig: Wenn ihr helft

Wenn ihr eine ertrinkende Person wahrnehmt, ruft zu allererst laut um Hilfe - eventuell ist eine Person mit einer Rettungsschwimmer-Ausbildung unter den Badegästen oder aber sowieso ein Rettungsschwimmer am See oder im Schwimmbad stationiert. Macht auf jeden Fall schnell auf die Notlage aufmerksam, so dass auch einer der Anwesenden gleich einen Notruf unter der 112 absetzen kann. Versucht demjenigen etwas Schwimmfähiges zu zu werfen, an dem er oder sie sich festhalten kann. Wenn ihr direkt in der Nähe im Wasser seid, dann nähert euch der ertrinkenden Person nur von hinten. Sonst kann es passieren, dass derjenige euch im Todesreflex auch unters Wasser zieht.

Gefahr durch sekundäres Ertrinken

Selbst wenn es nicht zum Ertrinken im Wasser (Primäres Ertrinken) gekommen ist, und derjenige noch aus der Wassernotsituation gerettet werden konnte, sollte das Unfallopfer im Krankenhaus beobachtet werden. Denn bis zu 24 Stunden danach kann es noch zum sekundären Ertrinken kommen. Das kommt seltener vor, sollte man aber wissen. Beim sekundären Ertrinken schädigt das eingedrungene Wasser die Lungenbläschen, welches zum Lungenödem führt.

Teilt diesen Artikel gern mit euren Freunden und Familie. Je mehr Menschen wissen, wie Ertrinken wirklich aussieht, desto sicherer sind alle Kinder.