13.10.2011 | Gesundheit Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall
Die sogenannte Zwischenwirbelscheiben oder Bandscheiben (Discus intervertebralis / Disci intervertebrales) befinden sich zwischen den Wirbelkörpern. Betrachtet man die Wirbelsäule von oben nach unten, so nehmen diese an Dicke zu.
Die Zwischenwirbelscheibe besteht aus einem äußeren Ring, dem Anulus fibrosus und einem inneren Kern, dem Nucleus pulposus. Dieser Gallertkern wird durch den kollagenen (1) Knorpel des Anulus fibrosus in Spannung gehalten. Die Bandscheiben sind als elastische Puffer zwischen die Wirbelkörper eingefügt, wobei der Kern als Druckausgleich dient.

Im Alter kann es zu degenerativen Veränderungen an der Bandscheibe kommen. Der Kern kann sich verkleinern, wodurch die Spannung des Anulus fibrosus nachläßt, dadurch können wiederum Risse im Knorpelring entstehen. Das Bandscheibengewebe kann sich nun vorwölben. Man spricht von einer Bandscheibenvorwölbung oder von einer Bandscheibenprotusion. Bei einem vollständigen Riss des Anulus fibrosus kann Bandscheibengewebe austreten. Man spricht dann von einem Bandscheibenvorfall oder von einem Bandscheibenprolaps.
Die Symptomatik kann sich langsam oder plötzlich entwickeln. Lokale und ausstrahlende Schmerzen, Schonhaltung, motorische (2) Ausfälle und sensible (3) Störungen, Schwäche bis hin zu Lähmungen und Reflexminderung gehören zu möglichen Symptomen eines Bandscheibenvorfalles. Das Beschwerdebild bei einer Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotusion) zeigt lokale Schmerzen und Schonhaltung.

Zur Vermeidung einer Operation werden krankengymnastische Behandlungsformen wie SONI, Manuelle Therapie, Krankengymnastik nach Brügger sowie neurologische Behandlungsformen wie PNF (Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation) zur Schmerzlinderung und zur Unterstützung des Heilungsprozesses eingesetzt. Der Therapeut wendet schonende mobilisierende und stabilisierende Techniken an und baut Haltungs- und ADL-Training (activities of daily live) in die Therapie ein.
Ergänzend zu den krankengymnastischen Maßnahmen sind physikalische Anwendungen wie z.B. Moorpackungen, Heiße Rolle, Elektrotherapie zur Schmerzlinderung und Detonisierung der Muskulatur sinnvoll. Bei SONI werden warme Moorpackungen im Wechsel mit Kälteanwendungen, z.B. in Form von kalter Rolle (nach Gerg-Dürr), durchgeführt.

Zeigt die konservative Therapie nicht den gewünschten Erfolg, ist oft auch ein operatives Vorgehen angezeigt. Um den Heilungsprozess nach der OP zu beschleunigen und die optimale Funktion des Bewegungsapparates wieder herzustellen, beziehungsweise ein koordiniertes Bewegungsverhalten zu erzielen, ist auch postoperativ gezielte Physiotherapie und Physikalische Therapie sinnvoll und notwendig. Der Therapeut setzt den Schwerpunkt der Behandlung auf Stabilisationstraining, Haltungsschulung und ADL-Training (s.o.). Insbesondere muss ein "Muskelkorsett" zum Schutz der Wirbelsäule aufgebaut werden. Rücken- und Bauchmuskulatur, die gesamte haltungsaufrichtende Muskulatur müssen intensiv trainiert und spezielle Muskeldefizite ausgeglichen werden.

1) Knorpel mit enormer Zugfestigkeit
2) Bewegung betreffend
3) Fühlen betreffend