22.11.2018 | Gesundheit Engpässe bei Grippe-Impfstoff in Bayern: Jetzt müssen Patienten schnell sein

Wer dieser Tage zum Hausarzt oder zur Apotheke geht, um sich gegen Grippe impfen zu lassen, bekommt immer öfter zu hören: „Geht nicht, es gibt keinen Impfstoff mehr.“ Jetzt müssen Patienten schnell handeln.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

In diesen Tagen wird es auch immer mehr Patienten klar, wenn sie zu ihrem Hausarzt oder in die Apotheke gehen: In Bayern werden vereinzelt die Grippe-Impfstoffe knapp. Der Bayerische Hausärzteverband teilt mit: „Es gibt erste Probleme bei Ärzten, die jetzt nachbestellen wollen.“

In manchen Praxen sei der im Sommer bestellte Impfstoff schon aufgebraucht. Für diejenigen, die sich noch impfen lassen wollen, heißt das jetzt: Schnell sein und beim Arzt nach einem Impftermin fragen. Manch einer hat Glück und kann noch Impfangebote des Arbeitgebers durch den Betriebsarzt nutzen.

Patienten gehen bei Impfung leer aus: Diese Regionen sind betroffen

„Es ist zu vermuten, dass es jetzt schon zu Engpässen kommt, weil es den Vierfachimpfstoff auch für Kassenpatienten gibt“, sagte eine Sprecherin. Deshalb ließen sich womöglich mehr Menschen impfen. Erste Meldungen über Engpässe gingen beim Verband unter anderem aus Augsburg und der Oberpfalz ein.

Anfang der Woche meldeten bereits Apotheker aus den unterfränkischen Landkreisen Kitzingen, Schweinfurt und Würzburg, dass ihnen der Grippe-Impfstoff aus geht.

Ministerin Huml versucht zu beruhigen

Das bayerische Gesundheitsministerium teilte mit, es gebe keine Informationen über einen generellen bayernweiten Versorgungsengpass. Es könne aber sein, dass es vereinzelt zu Lieferengpässen komme. Es sei aber möglich, dass sich Apotheken vom Großhändler nochmal nachbeliefern lassen, so Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

„Solange kein bayernweiter Versorgungsengpass vorliegt, besteht für die zuständigen bayerischen Behörden allerdings kein Handlungsbedarf - auch wenn das Bundesministerium für Gesundheit derzeit die Bekanntgabe eines Versorgungsengpasses für saisonale Influenza-Impfstoffe vorbereitet.“

Nürnberger Hausärzte empört über Humls Entwarnung

Auch in Nürnberg klagen Hausärzte über mangelnden Impfstoff-Nachschub. Dr. Petra Goller äußert sich gegenüber ANTENNE BAYERN wie folgt:

„Entgegen der Behauptung der Gesundheitsministerin gibt es zur Zeit in ganz Nürnberg flächendeckend keinen Grippeimpfstoff mehr zu bestellen. Wir als Praxis stehen in engem Kontakt mit mehreren Apotheken, um wieder Impfstoff beziehen zu können, aber auch über die Großhandelsapotheken ist dies zur Zeit nicht möglich. Als Gesundheitsministerin zu sagen, die Patienten sollen zum Hausarzt gehen wegen der Impfung  dies sei gar kein Problem, stellt uns vor riesige Probleme. Sollte Frau Huml wissen, wo es jetzt Grippeimpfstoff gibt, wäre es super uns Hausärzte in ihre Geheimnisse einzuweihen!“

Ähnlich äußert sich Monika Loos von der Virchow-Apotheke in Nürnberg:

„Bereits seit circa drei Wochen bekommen wir keine Ware mehr über unsere Großhandlungen. Unsere Arztpraxen würden gerne noch Impfstoffe nachbestellen, aber ich habe keine Chance mehr sie zu beliefern. Es gibt immer mal wieder Minimalmengen von einer Firma direkt. Da ist es aber auch nicht sicher, ob und wann wir nochmals Ware bekommen.“

Pharmazeutischer Großhandel widerspricht Huml

Der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels PHAGRO stellt die Lage gegenüber ANTENNE BAYERN so dar:

„Die organisierten vollversorgenden pharmazeutischen Großhandelsunternehmen verfügen im gesamten Bundesgebiet nur noch vereinzelt über Grippe-Impfstoff. Bestellungen des pharmazeutischen Großhandels können von den Grippe-Impfstoffherstellern größtenteils nicht oder nur in stark begrenztem Umfang beliefert werden. Sobald der pharmazeutische Großhandel Grippe-Impfstoffdosen als Lagerware erhält, werden diese sofort ausgeliefert, wenn entsprechende Warenbestellungen von Apotheken vorliegen.“

Gründe für die Impfstoff-Engpässe

Die Patienten hätten in diesem Jahr möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen, sagte eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Sie nannte auch die große Grippewelle in der vergangenen Saison als möglichen Grund. Dadurch seien vermutlich mehr Menschen für das Thema sensibilisiert. Laut Bundesgesundheitsministerium hatte die Grippe damals rund neun Millionen Arztbesuche ausgelöst und zu fast 2000 Todesfällen geführt.

Versorgungsengpass beim PEI melden

Das Paul-Ehrlich-Institut verweist nun auf eine  Ausnahmeregelung, mit deren Hilfe Impfstoffe aus dem EU-Ausland geholt werden sollen. Diese Produkte müssten dann aber zwingend eine deutschsprachige Verpackungsbeilage haben. Für diese Grippe-Saison seien 15,7 Millionen Dosen Impfstoff freigegeben worden, eine Millionen mehr als im Jahr 2017 verbraucht worden seien, so das PEI.

Einen bundesweiten Engpass für Grippe-Impfstoffe gibt es nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts nicht. Nur punktuell seien Gebiete betroffen. Das Probleme liege als bei der Verteilung durch die Großhändler. Zudem dürften Apotheken und Ärzte neuerdings untereinander Impfstoff in einzelnen Dosen tauschen, um Versorgungsknappheiten auszugleichen.

Apotheker, Ärzte und Privatpersonen können  hier beim PEI melden, wenn in ihrer Region der Grippeimpfstoff knapp wird:

Kein Grippeimpfstoff mehr? Hier melden!

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