17.07.2019 | Gesundheit Impfen gegen Masern ab 2020 in Kitas & Schulen Pflicht: Das müsst ihr wissen

Masern haben sich in den vergangenen Jahren wieder stärker ausgebreitet. Zwar sind die meisten geimpft, aber die Impfquote ist laut Regierung noch zu niedrig, um die Krankheit zu stoppen. Deshalb kommt jetzt die gesetzliche Impfpflicht. Für wen sie gilt und welche Strafen bei Nicht-Impfen drohen, erfahrt ihr hier.

Foto: Arne Dedert/dpa

Die Masern sind wieder auf dem Vormarsch. Das will die Bundesregierung eindämmen. Künftig wird es eine Impfpflicht gegen Masern geben. Ein geplantes Gesetz hat das Bundeskabinett nun auf den Weg gebracht. Das Gesetz ist damit so gut wie beschlossen, denn die Zustimmung des Bundestags gilt als sicher. Im Bundesrat kann das Gesetz nicht gestoppt werden, denn in der Länderkammer ist es laut Regierung nicht zustimmungspflichtig. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Masern-Impfpflicht...

Für wen gilt die Impfpflicht?

Kita-Kinder, Schüler und auch bestimmte Erwachsene müssen künftig nachweisen, dass sie geimpft sind. Das neue „Masernschutzgesetz“ schreibt nun vor, dass künftig Kinder und Mitarbeiter in Kitas und Schulen, Personal in medizinischen Einrichtungen und auch Menschen und Personal in sogenannten Gemeinschaftseinrichtungen geimpft sein müssen. Darunter fallen Asylbewerberheime, Flüchtlingsunterkünfte und auch Ferienlager.

Ab wann gilt die Impfpflicht?

Die Impfpflicht gilt für ab dem kommenden Jahr. In Kraft treten soll die Masern-Impfpflicht im März 2020. Ab diesem Zeitpunkt müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind.

Kinder und Personal, die zum Zeitpunkt des Inkraftretens des Gesetzes im kommenden März schon in einer Kita, Schule oder Gemeinschaftseinrichtung sind, müssen die Impfung bis spätestens 31. Juli 2021 nachweisen

Wie viele sind von der Impfpflicht betroffen?

Insgesamt müssten mit dem Gesetz zur Impfpflicht schätzungsweise rund 600.000 Kinder und Erwachsene in Deutschland nachträglich geimpft werden, hatte die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf das Bundesgesundheitsministerium berichtet.

Was droht denjenigen, die sich nicht impfen?

Wer gegen die Impfpflicht verstößt, dem droht ein Bußgeld. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte von bis zu 2.500 Euro gesprochen. Zuständig für Überwachung und Bußgelder sind die örtlichen Gesundheitsämter. Kitas, Schulen und andere Einrichtungen müssen Impfsäumige an sie melden. Ansonsten drohen Bußgelder. Ungeimpfte Kinder dürfen in Kitas nicht mehr aufgenommen werden.

Wie wird Impfung kontrolliert?

Nachgewiesen werden kann die Impfung beziehungsweise Immunität durch den Impfausweis, das gelbe Kinderuntersuchungsheft oder durch ein Attest vom Arzt, dass man schon einmal Masern hatte. 

Ausgenommen sind Menschen, die einen ärztlichen Nachweis vorlegen können, dass bei ihnen eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht ratsam ist und Menschen, die vor 1970 geboren sind, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die Masern schon durchlitten haben. Die Spritze soll es künftig bei jedem Arzt geben - außer beim Zahnarzt.

Warum wird das Impfen gegen Masern Pflicht?

Laut Bundesgesundheitsministerium geht es bei der Impfpflicht nicht nur um den Schutz Einzelner vor Masern, sondern auch um den sogenannten Gemeinschaftsschutz - also eine Verhinderung der Weiterverbreitung der Krankheit in der Bevölkerung. Bei mindestens 95 Prozent der Bevölkerung sei dafür Immunität erforderlich. Deutschland habe das bislang nicht erreicht.

Das für Infektionskrankheiten zuständige Robert Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, dass 2017 nur rund 93 Prozent der Schulanfänger in Deutschland ausreichend gegen Masern geschützt waren - also die empfohlenen zwei Impfungen bekommen hatten. Impflücken gibt es aber nicht nur bei Kindern. Fast die Hälfte der Erkrankten sind laut RKI junge Erwachsene.

Wie kann man sich mit Masern anstecken?

Masern-Viren werden über Speicheltröpfchen in der Luft übertragen. Einige Tage nach der Ansteckung breitet sich ein charakteristischer bräunlich-rosafarbener Ausschlag am Körper aus. Fieber, Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung können dazukommen. Im schlimmsten Fall können die Masern auch mit schweren Komplikationen wie Mittelohr- oder Lungenentzündungen einhergehen, und selten kommt es zu Gehirnentzündungen, die tödlich enden können. 

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