29.01.2020 | Gesundheit Mehr Geld für die Pflege! So deutlich steigt der Mindestlohn

Die Beschäftigten in der Altenpflege in Deutschland bekommen mehr Geld. Der Mindestlohn für mehr als eine Million Pflegekräfte wird ausgeweitet. Dazu soll bis 1. April 2022 der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte in mehreren Schritten spürbar angehoben werden. Alle Details hier im Überblick.

Foto: Federico Gambarini/dpa

In den kommenden Jahren fehlen nach Prognosen hunderttausende Pflegekräfte. Schon heute kommen in der Altenpflege auf 100 freie Stellen nur 27 Bewerber. Jetzt ist ein wichtiger Schritt gemacht, den Beruf attraktiver zu machen. Ab 1. Juli 2021 soll es erstmals einen Mindestlohn für Pflegefachkräfte von 15 Euro geben. 

Im Jahr darauf soll er zum 1. April 2022 auf 15,40 Euro steigen, wie das Bundesarbeitsministerium mitteilt. In Einrichtungen mit Pflegemindestlohn arbeiten demnach 1,2 Millionen Beschäftigte.

Auch für Hilfskräfte kommt höherer Mindestlohn

Außerdem soll bis 1. April 2022 der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte stufenweise spürbar angehoben werden. Darauf hat sich die Pflegekommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern verständigt. Der heute noch allein auf Hilfskräfte ausgerichtete Pflegemindestlohn liegt derzeit bei 11,35 Euro im Westen und 10,85 Euro im Osten.

Im April 2020 läuft diese Lohnuntergrenze für die Altenpflege und ambulante Krankenpflege aus. Für die Zeit danach sieht der Plan wie folgt aus:

  • Erster Schritt: Am 1. Juli 2020 soll der Mindestlohn auf 11,60 Euro im Westen und 11,20 Euro im Osten steigen. 
  • Zweiter Schritt: Zum 1. September 2021 soll die seit langem geforderte Ost-West-Angleichung kommen - auf 12 Euro.
  • Dritter Schritt: Bis 1. April 2022 soll der Mindestlohn auf 12,55 Euro in Ost- und Westdeutschland angehoben werden.  
Mindestlohn für angelernte Pflegekräfte wird neu eingeführt

Neu eingeführt werden sollen zum 1. April 2021 auch Mindestlöhne für qualifizierte Pflegehilfskräfte von 12,50 Euro im Westen und 12,20 Euro im Osten. In drei Stufen soll die Lohnuntergrenze für diese angelernten Pflegekräfte mit einjähriger Ausbildung bis 1. April 2022 auf einheitlich 13,20 Euro steigen.

Mehr Urlaubsanspruch für Pfleger

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die einstimmige Einigung der Kommission per Verordnung umsetzen. Auch mehr Urlaubstage über den gesetzlichen Urlaubsanspruch hinaus sieht die Vereinbarung vor: Jeweils sechs Tage mehr für 2021 und 2022. 

Tarifvertrag bleibt weiter das höhere Ziel

Noch nicht vom Tisch ist die Möglichkeit, über einen Tarifvertrag zu mehr Geld und besseren Arbeitsbedingungen in der Altenpflege zu kommen. Heil sagte: „Der bessere Weg, zu Verbesserungen für die Beschäftigten in der Pflege zu kommen, ist ein Branchentarifvertrag, den ich für allgemeinverbindlich erklären kann.“ Heil forderte die Tarifpartner auf, ihre laufenden Verhandlung zu einem Abschluss zu bringen.

Doch ob es einen solchen Flächentarifvertrag geben kann, ist offen - private Pflegeanbieter sprechen der neuen Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) ab, für die ganze Branche verhandeln zu können.