22.01.2020 | Gesundheit Rätselhaftes Corona-Virus aus China: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Das neuartige Corona-Virus in China ist offenbar weiter verbreitet als bisher angenommen. In den USA ist jetzt der erste Fall nachgewiesen worden. Bisher gehen 17 Todesfälle auf die Lungenerkrankung zurück. Die Sorgen werden größer. Europa wappnet sich.

Foto: Dake Kang/AP/dpa

Das  neuartige Corona-Virus aus China versetzt die Welt in Hab­acht­stel­lung. Nach dem Ausbruch der rätselhaften Lungenkrankheit werden Experten zufolge vereinzelte Einschleppungen nach Europa immer wahrscheinlicher.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Lungenkrankheit bereits ihren Notfallausschuss einberufen. Die Experten beraten am Mittwoch (22.01.). Am Donnerstag will der Ausschuss für Gesundheitssicherheit der EU-Kommission die Risiken des neuen Virus bewerten.

Falls der gefährliche Virus nach Europa kommt, ist man gewappnet. Das hat EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides der Zeitung „Welt“ versichert. Man stehe in Kontakt mit allen europäischen Regierungen und könne schnell reagieren.

Wie brisant ist die Lage weltweit?

Bei Menschen in China ist die neue Erkrankung bereits zum allgegenwärtigen Thema geworden. Das neuartige Corona-Virus hat sich aber auch schon über die Grenzen des Landes hinweg ausgebreitet. Jetzt ist ein erster Fall der Lungenkrankheit in den USA nachgewiesen worden. Der Mann in seinen 30ern war zuvor von einer Reise in die chinesische Stadt Wuhan nach Seattle zurückgekehrt.

Bei der Rückreise habe er noch keinerlei Symptome bemerkt, sich dann aber zur Untersuchung in ein Krankenhaus begeben, hieß es von der US-Gesundheitsbehörde CDC.

Die Krankheit war zuvor bereits in Japan, Südkorea und Taiwan festgestellt worden. Aus Thailand sind inzwischen vier Fälle von Infektionen (Stand: 22.01.) bekannt.

Immer mehr Infizierte und Tote in China

In China sind der neuen Lungenkrankheit weitere Menschen zum Opfer gefallen. Insgesamt sind nun 17 Todesfälle nachgewiesen worden, wie die Regierung der Provinz Hubei am Mittwochnachmittag (22.01.) mitteilte. Die Zahl der bekannten Infektionen mit dem Corona-Virus liegt bisher bei 620 Fällen (Stand: Donnerstag, 23.01.).

Unklar ist derzeit die mögliche Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen. Angaben aus China gibt es dazu nicht. Experten des Imperial College London gehen davon aus, dass die neue Krankheit schon wesentlich weiter verbreitet ist als bisher bekannt. Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1.700 Infizierte geben. 

Was ist über das Virus bisher bekannt?

Analysen des Erbguts der neuen Krankheiten haben dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich um eine Sars-Virus-Variante handelt. „Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante“, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke.

Sars-Viren gehören zu den Corona-Viren, die oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Mers dazu.

Welche Symptome bringe die Viruserkrankung mit sich?

Nach derzeitigem Wissen sorge das Virus für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung, erklärte Drosten. „Die oberen Atemwege sind kaum betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.“ Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Infektion gibt es nicht, lediglich die Symptome können mit Medikamenten abgemildert werden.

Wie gefährlich ist das Virus?

Experten sind sich inzwischen sicher, dass das neuartige Corona-Virus nicht nur von Tieren übertragen wird, sondern auch von Mensch zu Mensch. Mehrere Pflegekräfte in den chinesischen Krankenhäusern haben sich offenbar an den Patienten angesteckt. Das ist ein deutlicher Hinweis auf eine leichte Übertragbarkeit.

Lässt sich das Risiko für Deutschland einschätzen?

Derzeit wird das Risiko vom zuständigen Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin als „sehr gering“ eingestuft. Diese Einschätzung könne sich aufgrund neuer Erkenntnisse kurzfristig ändern. „Wir müssen uns in Deutschland darauf vorbereiten, dass es zumindest in Einzelfällen auch zu Einschleppungen der Erkrankung kommt“, sagt Virusforscher Christian Drosten. „Kliniken müssen dann darauf vorbereitet sein, die Patienten zu isolieren.“

Eine sichere Vorhersage lasse sich derzeit nicht machen, so Drosten. „Es kann einerseits sein, dass wir es mit einem schweren und auffälligen Krankheitsbild zu tun haben - dann ist es gut eindämmbar, weil erkennbar.“ Wenn es aber in den meisten Fällen um eine harmlose Erkrankung gehe, ähnlich wie bei einer Erkältung, werde man die Infektionswelle nicht so leicht eindämmen können, weil Ansteckungen kaum auffielen. „Dann ist es aber auch weniger gefährlich.“

Wo ist das Virus erstmals aufgetaucht?

Die ersten Infektionen der neuen Krankheit Ende Dezember in China werden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in der zentralchinesischen Stadt Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Mittlerweile hat sich das Virus auf große Teile Chinas und ins Ausland verbreitet.

Ausbreitungsgefahr steigt weiter

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus. Bei der größten jährlichen Völkerwanderung sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.