Neue Fälle in Deutschland, Symptome und Hilfsangebote... Service Spezial: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Corona-Virus

Es war nur eine Frage der Zeit, jetzt ist es soweit: Deutschland hat neue Corona-Fälle - die Zahl der nachweislich infizierten Personen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen steigt. Auch in Bayern gibt es einen neuen bestätigten Fall. Lässt sich die Ausbreitung des Virus in Deutschland eindämmen? Wie lässt sich eine Erkrankung von einer Grippe unterscheiden? Hier gibt's Antworten auf die wichtigsten Fragen.

In Deutschland sind neue Infektionen mit dem Corona-Virus bekannt geworden. Die wichtigsten Antworten zu Sars-CoV-2 gibt es hier im Überblick. Per Schnell-Navigation kommt ihr in die wichtigsten Bereiche:

Der Tropenmediziner, Professor Dr. August Stich, vom Klinikum Würzburg Mitte beantwortet die drängendsten Fragen der ANTENNE BAYERN-Hörer.

Eine oft gestellte Frage ist zum Beispiel:

Ist das nicht nur alles Panikmache?

Einschätzung von August Stich

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Foto: Klinikum Würzburg Mitte/dpa Würzburger Tropenmediziner August Stich

Corona-Virus: Aktuelle Entwicklungen in Deutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet hierzulande mit einer Ausbreitung des Coronavirus. „Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland“, sagt der CDU-Politiker. „Die Infektionsketten sind teilweise - und das ist eine neue Qualität - nicht nachzuvollziehen.“

Vor diesem Hintergrund sei es fraglich, ob die bisherige Strategie zum Eingrenzen des Virus und zum Beenden der Infektionsketten weiter aufgehe. In Deutschland sind seit Dienstagabend (26.02.) bis zum Mittwochabend zehn Infektionen bekannt geworden.

+++ Update vom 28.02.20 +++

Heute wurde bekannt, dass ein Mann aus Nürnberg während einer Geschäftsreise nach Baden-Württemberg positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Der 36-Jährige werde in einem Krankenhaus in Karlsruhe isoliert behandelt, teilten das Gesundheitsministerium in Stuttgart sowie die Stadt Nürnberg am Freitag mit. Auch seine Familie habe wohl Symptome gezeigt. Die Ehefrau, zwei Kinder sowie die Schwiegermutter des Mannes befänden sich dadurch nun in einer Nürnberger Isolierstation zur Abklärung, hieß es.

+++ Update vom 27.02.20 +++

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infizierten hat sich verdreifacht. Mittlerweile beläuft sich die Zahl der Erkrankten in Deutschland auf 30 Personen.

Was ist über die Fälle aus Nordrhein-Westfalen bekannt?

Ein Patient in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht zum Mittwoch in kritischem Zustand auf die Intensivstation der Uniklinik Düsseldorf gebracht. Der 47-Jährige war am Montag mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Erkelenz bei Aachen auf der Intensivstation isoliert worden. Er leidet an einer Vorerkrankung. Die Uniklinik Düsseldorf behandelte auch seine 46-jährige Frau. Am Mittwochabend wurde bekannt, dass eine Mitarbeiterin des Mannes und deren Lebensgefährte ebenfalls infiziert sind. Seit Donnerstagabend sind 14 neue Fälle allein in Nordrhein-Westfalen dazugekommen. Damit beläuft sich die Zahl der bestätigten Fälle dort auf 20 Personen. Schätzungsweise 1000 Menschen in Kreis Heinsberg befinden sich unter häuslicher Quarantäne. 

Was ist über die Fälle aus Baden-Württemberg bekannt?

Unter den Patienten aus Baden-Württemberg war nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein 25-Jähriger aus dem Landkreis Göppingen. Er habe sich vermutlich bei einer Reise nach Mailand mit Sars-CoV-2 infiziert und nach seiner Rückkehr grippeähnliche Symptome entwickelt. Er wird in einer Klinik in Göppingen behandelt.

Bei den anderen Fällen handelt es sich nach Angaben der Uniklinik Tübingen um seine 24 Jahre alte Reisebegleiterin und deren 60-jährigen Vater. Dieser arbeitet als Oberarzt in der Pathologie der Uniklinik. Beide werden im Krankenhaus isoliert behandelt. „Sie sind in gutem Zustand und fühlen sich wohl“, sagte Nisar Malek, Ärztlicher Direktor an der Medizinischen Klinik.

Zudem wurde das Virus bei einem 32-Jährigen im Landkreis Rottweil nachgewiesen, wie das Gesundheitsministerium in Stuttgart mitteilte. Er war kürzlich in Italien gewesen. 

Was ist über Fälle aus Rheinland-Pfalz bekannt?

In Rheinland-Pfalz wurde das Virus Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, bei einem Soldaten nachgewiesen. Er werde im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt, teilte die Bundeswehr mit.

Was ist aus den Fällen in Bayern geworden?

In Deutschland waren schon vor einiger Zeit erste Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, nachgewiesen worden: vor allem bei der Firma Webasto in Bayern, aber auch bei Rückkehrern aus Wuhan. Diese Fälle führten aber nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen. Seit Donnerstagabend ist zudem ein neuer Fall in Mittelfranken bekannt.

Wie hoch ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung in Deutschland?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) müsse mit einem weiteren Import von Fällen nach Deutschland gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen von Sars-CoV-2, Infektionsketten und Ausbrüche im Land seien möglich. Lokale Infektionen könnten dabei zunächst unerkannt bleiben, sagte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, am Mittwoch. Es sei „durchaus möglich, dass wir nicht alle diese Ausbrüche sofort erkennen“. Man müsse damit rechnen, dass es dadurch zu einer weiteren Ausbreitung komme. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland schätzen die Experten aktuell als gering bis mäßig ein.

Was würde ein größerer Ausbruch für unser Gesundheitssystem bedeuten?

Eine Infektionswelle hierzulande könnte unter anderem volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und vollkommen überlastete Gesundheitsämter bedeuten, hatte der Berliner Virologe Christian Drosten kürzlich erklärt. Als problematisch sehen Experten, dass derzeit auch die jährliche Grippewelle durch Deutschland rollt - und das Gesundheitssystem bereits stark beansprucht. 

Aktuelle Live-Daten zum Corona-Virus

Aus diesem Grund sei es das Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus möglichst hinauszuzögern, wie das Robert Koch-Institut (RKI) kürzlich erklärte. „Wir müssen mit angemessenem Aufwand versuchen, die Ausbreitung zu verlangsamen, um einen intensiven Belastungspuls auf das Gesundheitssystem abzumildern“, sagte Drosten. „Die Zahl der Infektionen sollte über eine möglichst lange Zeit ausgedehnt werden.“

Symptome: Wie äußert sich eine Corona-Infektion?

Wie unterscheiden sich Corona und Grippe?

Die Symptome von Corona und Grippe sind ähnlich:  Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen. Und genau diese unspezifischen Symptome sind das Tückische. Ob es sich um das Corona-Virus oder eine klassische Grippe handelt, ist nicht einfach zu unterscheiden. Wichtig ist deshalb, dass Betroffene und Verdachtsfälle prüfen, zu welchen Personen sie Kontakt hatten und ob diese zum Beispiel in einer Region waren, wo sich das Corona-Virus schon stark verbreitet hat.

Wie verläuft eine Erkrankungen durch das Corona-Virus?

Viele Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, haben nur leichte Erkältungssymptome wie Frösteln und Halsschmerzen - oder gar keine. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt nach derzeitigem Stand meist 2 bis 14 Tage.

Wann führt das Virus zu Komplikationen?

Wenn die Infektion tief in die Atemwege eindringt, können Patienten eine Lungenentzündung bekommen. Das ist prinzipiell zwar auch bei Grippe-Patienten möglich. Doch wenn Betroffene Kontakt zu Menschen aus Corona-Risikogebieten hatten, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Corona-Infektion handelt.

Was sollte ich tun, wenn ich Symptome zeige?

Um eine Ausbreitung des Coronavirus von Italien nach Bayern möglichst gering zu halten, will die Staatsregierung vor allem Reisende so gut wie möglich aufklären. Wer grippeähnliche Symptome und beispielsweise Atemnot habe, solle zunächst seinen Hausarzt anrufen und abklären, ob es sich um eine Infektion mit der neuartigen Lungenkrankheit handeln könne, rät Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

Darüber hinaus wurde für besorgte Bürger vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine Coronavirus-Hotline eingerichtet.

09131 6808-5101

Wie wird auf das Corona-Virus getestet und was kostet das?

Risikogruppen: Für wen ist das Corona-Virus gefährlich?

Für wen ist das Corona-Virus am gefährlichsten?

Vor allem bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen verläuft die Erkrankung mit dem Coronavirus schwerer. Das bedeutet auch, dass Patienten heftigere Symptome zeigen. Problem ist, dass sich das Virus schnell vermehrt. Für Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und ältere Menschen ist bedenklicher als für gesunde und junge Menschen.

Wie gefährlich ist das Corona-Virus für Kinder?

Das Thema Corona-Virus beschäftigt auch viele Eltern. Für sie stellt sich die Frage, wie gefährdet ihre Kinder durch das Virus sind. Dazu sagt der Tropenmediziner, Professor Dr. August Stich, vom Klinikum Würzburg Mitte...

Schutz vor dem Corona-Virus

Wie lässt sich die neue Lungenkrankheit behandeln?

Eine spezielle Therapie für die Erkrankung Covid-19 gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. In Einzelfällen werden auch antivirale Medikamente getestet.

Wie kann ich mich sonst vor einer Ansteckung schützen?

Zum Schutz vor diesem wie auch anderen Viren empfehlen Experten gewöhnliche Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen, Desinfektionsmittel und Abstand zu Erkrankten. Den Nutzen von normalen Atemmasken - wie derzeit in China und anderen Ländern überall auf den Straßen zu sehen - schätzen Experten als eher gering ein. Helfen kann es, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe nicht anzufassen.

Gibt es eine schützende Impfung?

Nein. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen wie es sie auch für die Grippe gibt. Die Entwicklung einer Schutzimpfung nimmt aber viel Zeit in Anspruch. WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan glaubt, dass erste Impfstoff-Tests an Menschen in drei bis vier Monaten beginnen könnten. Ein zertifizierter Impfstoff für weitreichenden Einsatz stehe aber wohl erst in 18 Monaten zur Verfügung.

Das US-Biotechunternehmen Moderna hatte am Montag berichtet, einen Impfstoff-Kandidaten entwickelt und an das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) geliefert zu haben. Dessen Direktor Anthony Fauci kündigte laut CNN erste klinische Studien für Ende April an. Auch er rechnete demnach damit, dass es ein bis anderthalb Jahre dauere, bevor ein Impfstoff verfügbar ist.

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Corona-Virus: Aktuelle Entwicklungen im Ausland

Nach dem Ausbruch einer Coronavirus-Epidemie in Italien gibt es nun in immer mehr europäischen Staaten Nachweise des Erregers:  Österreich, Kroatien, das spanische Festland und die Schweiz hatten am Dienstag (25.02.) von Sars-CoV-2-Fällen berichtet.

Auf der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa wurde nach einer bestätigten Erkrankung ein großes Hotel mit rund 1.000 Touristen - darunter auch Deutsche - praktisch unter Quarantäne gestellt.

Der Ursprung des neuartigen Virus liegt in China. Die Zahl der Todesopfer und Infizierten dort ist erneut gestiegen. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Mittwoch (26.02.) mitteilte, kamen weitere 52 Menschen durch das neuartige Coronavirus ums Leben. Die Gesamtzahl der Opfer in China stieg damit auf 2.715. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte um 406 auf über 78 000. Sämtliche neuen Todesfälle und fast alle neuen Infektionen wurden aus der besonders betroffenen Provinz Hubei gemeldet, wo das Virus in der Millionenmetropole Wuhan ursprünglich ausgebrochen war. Auf den Rest des Landes entfielen nur noch fünf neue Infektionen.

Müssen Reiseverbote verhängt werden?