15.04.2019 | Gesundheit Streit um Impfpflicht bei Masern: Fünf Mythen im Faktencheck

Angesichts der wachsenden Zahl an Masernerkrankten wird die Impfpflicht auch in der Politik heiß diskutiert. Bis heute kursieren noch viele Mythen über die Gefahren und möglichen Risiken einer Impfung.

Foto: Ralf Hirschberger/ZB/dpa

34 Masernfälle wurden von Jahresbeginn bis Anfang April schon für 2019 in Bayern registriert. Um Masern endgültig auszurotten, empfehlen Fachleute zwei Impfungen im Kindesalter. Bayernweit liegt die Impfquote bei der zweiten Impfung aber nur bei 92,2 Prozent. Um eine weitere Verbreitung der Masern zu verhindern, empfiehlt das Robert-Koch-Institut mindestens eine Impfquote von 95 Prozent.

Grund für die Unsicherheit vieler, sind Argumente und Mythen der Impfgegner. Zahlreiche Behauptungen halten sich seit Jahren, obwohl diese schon längst von Wissenschaftlern widerlegt wurden. 

Etliche Ärzte und Politiker fordern deshalb aktuell eine bundesweite Impfpflicht. Nordrhein-Westfalen und Brandenburg wollen diese jetzt schon in ihren Bundesländern einführen. Bayerns Ministerpräsident Söder sieht eine generelle Impfpflicht noch skeptisch, er hält die bisherigen freiwilligen Impfungen für ausreichend.

Wahrheit oder Fake: Fünf Mythen im Faktencheck
  • Mythos 1: Eine durchstandene Krankheit härtet den Körper ab

    Dafür gibt es keine wissenschaftliche Beweise. Die meisten Wissenschaftler sind aber überzeugt, dass eine Impfung auf jeden Fall abhärtet. Bei einer Masernimpfung werden unschädliche Masernerreger gespritzt. Diese setzten im Körper Abwehrreaktionen in Gang und das Immunsystem wird gestärkt.

    Selbst bei einem guten Immunsystem kann eine Impfung also helfen. Bei einem von 1000 Kindern, die an Masern erkranken, entwickelt sich eine Gehirnentzündung. Diese kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Eine Impfung senkt das Risiko einer solchen Erkrankung zwar nicht auf Null, jedoch sind die Chancen um eine Million Mal geringer als ohne eine Impfung.

    Fakt ist: Ja, eine durchgestandene Krankheit stärkt das Immunsystem. Eine Impfung hat aber den gleichen Effekt und schützt wirksamer gegen Erkrankungen.

  • Mythos 2: Eine Masernimpfung kann Autismus auslösen

    Ende der 90er Jahre gab es die sogenannte Wakefield-Studie. In dieser wurde bekannt, dass eine Masernimpfung bei Kindern Autismus auslösen kann. Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die zu Einschränkungen in der Informations- und Reizwahrnehmung führt. Diese Studie sorgte damals für großes Aufsehen.

    Wie später herauskam, hat der leitende Arzt Andrew Wakefield seine Studie damals nur mit 12 Kindern getestet und später zugeben, dass er die Studie aus finanziellen Gründen verfälscht hat. Wakefield wurde daraufhin die Forschungslizenz entzogen.

    Fake! Es gibt keinen Nachweis, dass eine Maserimpfung Autismus auslösen kann.

  • Mythos 3: Kann eine Impfung die Masernkrankheit verschlimmern?

    Häufig treten nach Impfungen rote Schwellungen an der Impfstelle oder Kopfschmerzen und Müdigkeit auf. Das sind aber keine Anzeichen auf eine Krankheit, sondern dabei handelt es sich um eine normale Reaktion des Immunsystems. Nach einer Masernimpfung treten nur bei fünf Prozent aller Geimpften rote Hautausschläge auf. Mittelohr- oder Lungenentzündungen, unter den Masernerkrankte meist leiden, treten bei geimpften Personen so gut wie gar nicht auf. Das zeigen Zahlen des Robert-Koch-Instituts.

    Eine Hirnhautentzündung nach einer Masernimpfung ist auch so gut wie unmöglich. Nach einer Impfung tritt diese schwere Erkrankung nur bei einen von einer Million Geimpften auf.

    Fake! Eine Masernimpfung sorgt für einen harmlosen Krankheitsverlauf.

  • Mythos 4: Masern sind eh schon fast ausgerottet

    Ursprünglich sollten die Masern in Europa laut der Weltgesundheitsorganisation schon 2015 ausgerottet sein. Dieses Ziel wurde aber verfehlt. In den letzten Jahren ist die Zahl der Erkrankten wieder leicht gestiegen. Schuld sind die großen Impflücken in der Bevölkerung. Masern gelten als ausgerottet, wenn in einem Jahr auf eine Million Einwohner weniger als ein Erkrankter kommt. Bis Mitte März haben sich 2019 schon 236 Menschen in Deutschland mit Masern infiziert.

    Fake! Die Masern sind in Europa noch lange nicht ausgerottet.

  • Mythos 5: Impfungen sollen die Pharmaunternehmen reich machen

    Eine Impfpflicht soll den Pharmaunternehmen noch mehr Geld in die Kassen spülen - so ein häufiger Vorwurf von Impfgegnern. In der Wirklichkeit sieht das aber anders aus. Die Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen ist für Pharmaunternehmen kein besonders lukratives Geschäft. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland gaben 2017 knapp 200 Milliarden Euro an die Pharmaunternehmen, davon entfielen gerade mal knapp drei Prozent auf Impfstoffe.

    Fake! Impfstoffe sind für Pharmaunternehmen keine wirkliche Geldquelle. Die Unternehmen machen eher Geld mit Medikamenten für chronische Krankheiten.