04.12.2019 | Haus & Garten 22 Prozent in 5 Jahren! So stark sind die Mieten in eurer Region in Bayern gestiegen

Immer mehr Menschen, vor allem in den Großstädten. Das ist nur ein Trend, der den Druck auf den deutschen Wohnungsmarkt erhöht. Das Statistische Bundesamt hat aber noch weitere Entwicklungen ausgemacht, die die Mieten in die Höhe schnellen ließen. Ein Blick zu uns nach Bayern zeigt, wie stark die einzelnen Regionen davon betroffen sind.

Eine Wohnung finden, wo es kaum Wohnungen gibt. Ein eigenes Zuhause zu bekommen wird für viele Menschen immer mehr schwieriger.  Wohnungsnot ist eines der zentralen Themen in Deutschland - auch in Bayern.

Bau neuer Wohnungen ist zähe Angelegenheit

Das Statistische Bundesamt hat mit Unterstützung der Länderbehörden nun die Entwicklung der vergangenen Jahre abgebildet, im Fokus stand die Betrachtung von 2011 (letzter Mikrozensus) bis 2018. Dabei fassten die Statistiker die Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt in folgenden Trends zusammen:

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  • Großstädte wachsen überproportional durch Zuzug v.a. junger Menschen
  • Weniger Wohnfläche pro Person in den Metropolen
  • Baustau: 2018 mehr als doppelt so viele genehmigte, aber nicht fertiggestellte Wohnungen wie zehn Jahre zuvor
  • Wohnungsbau ist ein Motor für die Baukonjunktur: die Preise für Bau und Instandhaltung von Wohngebäuden stieg deutlich
Bauen und Mieten in Bayern

Der konkrete Blick auf Bayern verrät: Ende 2018 gab es im Freistaat 3,06 Millionen Wohngebäude und zusammen 6,43 Millionen Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden. Die Anzahl der Wohngebäude ist damit gegenüber Ende 2011 um 5,3 Prozent gestiegen und diejenige der Wohnungen zeitgleich um 5,8 Prozent. Mit anderen Worten: Der Bau neuer Wohnungen geht nur äußert zäh voran.

Von den in Bayern im Verlauf der letzten acht Jahre insgesamt 411.165 fertiggestellten Wohnungen wurden zusammen 403.629 Wohnungen bzw. 98,2 Prozent in neu errichteten Wohngebäuden erstellt.

Oberbayern am teuersten, Oberfranken am günstigsten

Die durchschnittliche Nettokaltmiete ist in Bayern von 2014 bis 2018 um 22 Prozent gestiegen - und zwar von 6,63 Euro auf 8,12 Euro pro Quadratmeter, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Besonders stark war der Anstieg in Oberbayern mit einem Plus von 28 Prozent, wohingegen Schwaben mit einem Anstieg um neun Prozent bayernweit die geringste Mietpreiserhöhung in dem Zeitraum verzeichnete.

In Oberbayern wurden 2018 durchschnittlich 10,23 Euro pro Quadratmeter fällig. In Mittelfranken zahlte man mit durchschnittlich 6,97 Euro pro Quadratmeter bayernweit die zweithöchsten Mieten, das entspricht einer Steigerungsrate seit 2014 von zwölf Prozent.

Am günstigsten lebte man in Oberfranken. Hier kostete der Quadratmeter im Schnitt 5,58 Euro. Allerdings stiegen auch dort die Preise seit 2014 um 16 Prozent. In der Oberpfalz lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 6,61 Euro. Relativ günstig wohnte man auch in Niederbayern (5,65 Euro) und Unterfranken (6,09 Euro). Das waren 13 beziehungsweise 14 Prozent mehr als 2014. Wenig überraschend hat unter den drei größten Städten München, Nürnberg und Augsburg die Landeshauptstadt den höchsten Preisanstieg zu verzeichnen. In München erhöhte sich die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter von 9,13 Euro auf 12,09 Euro - und damit um 32 Prozent.

Weniger Platz für jeden in den Städten

Der Mangel an Wohnraum führt dazu, dass Menschen in den sieben größten Städten Deutschlands - das sind Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf - näher zusammenrücken. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person nahm hier nach Ergebnissen des Mikrozensus zwischen 2010 und 2018 um 1,7 auf 39,2 Quadratmeter ab. Der knapper werdende Wohnraum wird zunehmend geteilt: Lebte 2010 in diesen Metropolen noch in mehr als jeder zweiten Wohnung (51 %) eine Person, war dies acht Jahre später nur noch bei 45 % der Wohnungen der Fall. Die Anteile der von zwei oder drei Personen bewohnten Wohnungen stieg in dieser Zeit an.

Überdurchschnittlich viel Wohnfläche für Bayern

Als mögliche Folge daraus gewinnen in den Städten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit zehn und mehr Wohnungen an Bedeutung: Ihr Anteil bei den Eigentümerwohnungen im "Neubau" ab 2011 stieg um 15 Prozentpunkte auf 39 %, bei Mieterwohnungen auf 72 % (+14 Prozentpunkte).

Diese Verknappung des Wohnraums bleibt ein Phänomen der Städte. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in Deutschland blieb zwischen 2010 und 2018 bundesweit konstant bei etwas mehr als 45 Quadratmetern. In Bayern liegt sie bei überdurchschnittlichen 48,1 Quadratmetern.

Größtes Problem beim Neubau: Handwerkermangel 

Für den bestehenden Wohnungsmangel ist die Situation des Bauüberhangs ausschlaggebend - also der Wohnungen, deren Bau zwar genehmigt ist, deren Fertigstellung aber noch auf sich warten lässt. Zwischen 2008 und 2018 hat sich der Bauüberhang bundesweit von rund 320.000 auf 693.000 genehmigte und noch nicht fertiggestellte Wohnungen mehr als verdoppelt. Ein Blick ins Bauhauptgewerbe zeigt: Aktuell warten Aufträge im Wert von rund 9,1 Milliarden Euro auf ihre Ausführung.

Preise im Wohnungsbau deutlich gestiegen

Der Wohnungsbau war in den vergangenen Jahren Motor und Stütze der Baukonjunktur. Seit 2008 haben sich die Umsätze von Baubetrieben mit 20 und mehr Beschäftigten von 8,6 Milliarden Euro auf 20,3 Milliarden Euro im Jahr 2018 mehr als verdoppelt.

Im gleichen Zeitraum haben sich auch die Preise für Leistungen von Bauunternehmen für den Neubau von Wohngebäuden um 24,3 % erhöht. Beim Ausbau erhöhten sich die Preise im Sanitärbereich (+36,6 %), im Heizungsbau (+33,6 %) und für die Elektroinstallation in Wohngebäuden (+34,4 %) besonders kräftig.