14.10.2021 | Haus & Garten Auf gute Nachbarschaft: Warum Kommunikation sinnvoller als der Blick ins Gesetzbuch ist

Gibt es eigentlich noch die Mittagsruhe? Wenn Dir Laubbläser und Rasenmäher in der Nachbarschaft immer häufiger auf die Nerven gehen, solltest Du nicht gleich aus der Haut fahren. Oder gehörst Du zu den Arbeitnehmern in der Nachbarschaft, die häufig am Rande der zumutbaren Grenzen ihren Garten pflegen müssen?

Bevor es so weit kommt, solltest Du immer das Gespräch mit den Nachbarn suchen. Im Zweifelsfall kann man danach noch Maßnahmen ergreifen, Zäune aufstellen oder tatsächlich einen Rechtsstreit beginnen.

Was in der Nachbarschaft immer wieder zu Streit führt

Sowohl im Mehrfamilienhaus als auch im Reihenhaus oder dem freistehenden Einfamilienhaus – wo mehrere Menschen mehr oder weniger dicht aufeinander wohnen, kann es schnell zu Unstimmigkeiten kommen. Wer darf zu welchen Zeiten welche Tätigkeiten durchführen, wessen Laub und Unkraut stört auch auf dem Nachbargrundstück und wer parkt wem immer wieder die Einfahrt zu?

In Einfamilienhaussiedlungen haben sich für gewöhnlich ganz unterschiedliche Gruppen von Menschen den Traum der eigenen vier Wände erfüllt. Jeder wünscht sich dort nun endlich die Ruhe und Freiheit, die in der Mietwohnung nie zu finden war. Doch sowohl in Neubaugebieten als auch in bestehenden Siedlungen wird häufig ein Querschnitt der Gesellschaft abgebildet, wo Lebensrhythmus und Bedürfnisse deutlich voneinander abweichen.

Junge Familien kaufen das Haus, um dort ihre Kinder großzuziehen: Pools im Garten mit befreundeten Kindern, ein Trampolin und viel Action mit Fahrzeugen auf der Straße – dieser teilweise lautstarke Zauber umgibt das junge Familienglück. Daneben wohnen allerdings recht häufig ältere Menschen, die ihre Kinder bereits großgezogen haben. Häufig schon in Rente oder pensioniert, widmen sich diese Bewohner vielfach fast schon pedantisch all den Ecken rund um Heim und Grundstück, für deren Pflege und Gestaltung vorher nie genug Zeit übrig war. Nachdem die eigenen Kinder aus dem Haus sind, wird alles liebevoll, aber pflegeleicht gestaltet und man genießt den Lebensabend.

Die Lautstärkepegel und Lebensrhythmen von kleinen Kindern und Senioren klaffen am stärksten auseinander. Dies muss aber nicht zu Streit führen – freunden Sie Kinder und Nachbarn miteinander an. Sie werden erstaunt sein, wie gerne die lieben Kleinen in der Nachbarschaft kleine Tätigkeiten übernehmen und so unmerklich Frieden stiften.

Kinder spielen, toben und treffen Freunde, was gerade in den Sommermonaten ein lautstarker Spaß für die ganze Nachbarschaft ist. Lachen und Jauchzen wechseln sich hier mit lauten Tränen wegen Streits und Unfällen ab – wer ab 15 Uhr im Garten nebenan bei Sonnenschein sein Buch genießen wollte, fühlt sich da schnell wie in einer Badeanstalt.

Neben solchen Unterschieden, die nicht zwingend zu einem großen Streit führen müssen, führen folgende Themengebiete das Ranking der Nachbarschaftsstreitigkeiten an:

  • Räum- und Streupflicht im Winter
  • Fremde Katzen im Garten
  • Laute Hunde
  • Grundstücksbepflanzung wuchert auf Nachbargrundstück
  • Grenzbebauung
  • Hühnerhaltung
  • Grill und Feuertonne
  • Fallobst
  • Zäune und Einfahrten

Natürlich lohnt sich immer auch ein Blick in das Nachbarschaftsrecht, denn so lassen sich aus Unwissenheit gestartete Streitigkeiten meist verhindern. Insgesamt gilt in der Nachbarschaft aber folgende Faustformel: Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn und pflegen eine gute Nachbarschaft, statt blind auf Ihr Recht zu pochen.

Was im Nachbarschaftsgesetz geregelt ist

Die bundesweit geltenden Regeln und Gesetze finden Sie im BGB § 903 ff, die allerdings durch Ländergesetze und kommunale Verordnungen ergänzt werden. Gerade bei Bauvorhaben, Grenzbebauung, dem Ziehen von Zäunen oder der Errichtung von Garagen und Carports lohnt sich immer auch ein Blick in die Bauordnung. Es finden sich darin auch spezielle Vorgaben beispielsweise für das Wegerecht, das Gewohnheitsrecht oder eine Grunddienstbarkeit.

Im Hammerschlags- und Leiterrecht wird beispielsweise geregelt, dass Hauseigentümer das Grundstück eines Nachbarn betreten dürfen und dort obendrein Leitern aufstellen und Gerüste errichten dürfen. Diese Ausnahmeregelung gilt jedoch nur für notwendige Reparaturen und es ist eine Absprache im Vorfeld erforderlich.

Wenn Du dich mit einem Zaun vor neugierigen Blicken deiner Nachbarn schützen willst oder aber deine Kinder und Haustiere auf dem eigenen Grundstück wissen willst, gibt es ebenfalls ein paar Regeln zu beachten. Ob Zaun oder Hecke – auch hier lohnt sich immer im Vorfeld das Gespräch mit den Nachbarn.

Der Zaun, der auf eigene Kosten auf dem eigenen Grundstück errichtet wird, ist meist das kleinere Übel. Muss der Holzzaun nach einigen Jahren neu gestrichen werden, dürfen Sie sich auf das Hammerschlags- und Leiterrecht berufen. Vereinbaren Sie mit Ihren Nachbarn einen Termin, an dem Sie dann den Zaun auf deren Grundstück auch von der anderen Seite streichen und so erhalten können.

Hecken sind die natürliche und grüne Alternative zum Zaun als Abgrenzung, Schutz vor Weglaufen und Sichtschutz. Nur leider wuchern Hecken in alle Richtungen, was für den Nachbarn auf seinem Grundstück zur Belastung werden kann. Für Hecken, Mauern oder Zäune solltest Du zunächst einen Blick in den Bebauungsplan werfen, wo es oft Hinweise auf die „ortsübliche Gestaltung“ gibt. Dies kann dazu führen, dass der Plan von der modernen Gabione schnell wieder ad acta gelegt wird.

Auch die Bauordnung des Bundeslandes, das Nachbarrechtsgesetz und die Einfriedungssatzung sind beim Errichten von Zäunen und Hecken zu beachten. Hier lässt sich dann auch ermitteln, wie hoch solche Zäune und Mauern schlussendlich werden dürfen. Gerade bei unterkellerten Gebäuden, die teilweise aus dem Grund heraus ragen, sind meist sehr hohe Hecken, Zäune und Mauern notwendig, damit man wirklich einen Sichtschutz genießt. Derart hohe Hecken können dann allerdings nicht ohne sehr großen Aufwand gepflegt werden.

Es gibt also allerhand zu beachten, wenn der Frieden in der Nachbarschaft gewahrt werden soll. Was du im Garten darfst und was nicht – vom Laubbläser über Grenzbepflanzung bis hin zum Grillabend lauern viele Fallstricke.