11.02.2020 | Haus & Garten Brennholzversorgung en gros: Geht das als Privatmensch?

mmer mehr Menschen heizen wieder mit Holz – anteilig oder auch ganz. Doch ist man als Privatmensch dabei automatisch auf Brennholzhändler angewiesen?

Sein eigenes Holz „machen“, ganz ohne Zwischenhändler. Das geht. Und für viele lohnt es sich auch richtig.

Der Brennholzverbrauch in Deutschland hat eine ziemliche Steigerung mitgemacht. Allein zwischen den späten 1990ern und 2016 hat er sich fast verdreifacht. Kein Wunder: Immer mehr Menschen besitzen einen Kaminofen für gemütliche Wärme, aber vor allem, um sich unabhängiger von den Energieversorgern zu machen – Holz ist, erst recht bei uns, dem waldreichsten Bundesland, eine wunderbar regionale Angelegenheit. Da verwundert es nicht, dass auch immer mehr Menschen die gesamte Heizung auf den nachwachsenden Rohstoff umrüsten – in Form einer Scheitholz- oder Hackschnitzelheizung.

Allerdings: Je mehr man mit Holz heizt und je mehr Leute das insgesamt tun, desto mehr steigen die Preise für Ofenfertiges – Marktwirtschaft. An diesem Punkt stellt sich für euch als Privatverbraucher die Frage, ob ihr nicht den Brennholzhändler als Mittelsmann ausschalten und euch selbst im großen Stil versorgen könnt. Ja, es geht, aber dazu müsst ihr einige Investitionen tätigen. Der folgende Artikel zeigt, was ihr benötigt.

1. Einen Draht zu Waldbesitzern und Forstbetrieben

Kann man einfach im Wald Bäume fällen? Natürlich nicht. Entweder ist es ein Privatwald oder er gehört der öffentlichen Hand. In jedem Fall bedingt alles weitere, dass ihr euch direkt an die Quelle wendet. Dazu müsst ihr verstehen, dass man selbst in Privatwäldern nur Bäume mit Erlaubnis des Revierförsters fällen darf. Das heißt:

  • Ihr kontaktiert den örtlich zuständigen Förster und lasst euch von ihm Kontaktdaten von Privatwaldbesitzern geben.
  • Ihr fragt die privaten Waldbesitzer, inwiefern sie Stammholz zu verkaufen bereit wären.
  • Ihr fragt abermals beim Förster, was öffentliches Stammholz kostet.

Dann kommt die große Frage: Es besteht in beiden Fällen die Option, Bäume durch den Förster fällen zu lassen. Solltet ihr dieses kostenpflichtige Angebot wahrnehmen oder selbst fällen? Insbesondere deshalb, weil das Fällen gefährlich ist und viel Routine verlangt, empfiehlt es sich dringend, diese Kosten auszugeben. Dann hat man es nur mit dem Stamm zu tun.

Übrigens: Derartiges Holz kann auch über die bayerischen Staatsforsten erworben werden. Im Zweifelsfall bedeutet das Preisvergleich – wie immer.

2. Ein Transportfahrzeug

Selbst wenn ihr im Wald einen gefällten Baumstamm zerkleinert, liegen seine meterlangen Stücke immer noch dort – und überfordern jeden PKW. An dieser Stelle empfiehlt es sich, auf einen (gebrauchten) Traktor samt Hänger zu setzen, nicht etwa einen Pickup-Truck oder Pritschen-Sprinter.

Das hat nicht nur damit zu tun, dass das hinsichtlich Stauraum und Geländegängigkeit oft die günstigste Lösung ist. Sondern auch, dass nur Traktoren auch bei der Weiterverarbeitung des Holzes nützlich sein können, weil sie Anschlüsse für zusätzliche Werkzeuge haben.

3. Ein hinreichend großer Holzbearbeitungs- und Lagerplatz

Wer sein Brennholz en gros machen will, wird viel Lärm verursachen – und er wird auch einiges an Stauraum benötigen. Beides gute Gründe, die dagegensprechen, eure heimische Garageneinfahrt oder den Garten zu nutzen.

Wenn ihr nicht gerade in einem ländlichen Dörfchen wohnt, tut ihr deshalb gut daran, euch in „Traktor-Distanz“ zu eurem Zuhause Land zu pachten. Das muss kein „Filetstück“ für einen Schrebergarten sein, nicht mal Stromanschluss haben. Es muss nur eingezäunt sein und genügend Platz bieten, um dort im Zweifelsfall ganze Baumstämme zu zerkleinern, das Holz und ggf. die Werkzeuge sicher zu lagern.

4. Motorsäge, Schein und Sicherheitsausrüstung

Wir sprechen hier davon, pro Jahr mehrere Meter Brennholz herzustellen. Das lässt sich weder auf technischer Ebene noch bei der Sicherheit mit gelegentlichem Zurechtstutzen im Garten vergleichen. Das bedeutet, ihr benötigt folgendes:

  • Es ist in Bayerns öffentlichen Forsten mittlerweile Pflicht und auch im Privatbetrieb dringend angeraten, einen Motorsägenführerschein zu besitzen. Kurse dafür werden im gesamten Bundesland angeboten.
  • Schon für den Kurs muss zwingend persönliche Schutzausrüstung vorhanden sein: Schnittschutzhose, Sicherheitsstiefel, Handschuhe sowie Forsthelm mit Visier und Gehörschutz.
  • Die Kettensäge, die ihr benötigt, ist hinsichtlich ihrer Leistungen nichts, was man in der Gartenabteilung eines Baumarktes findet. Für solche Mengen und Stärken braucht ihr Profigerät. Dafür könnt ihr locker mittlere dreistellige Summen anpeilen.

Nicht zu vergessen sind die Betriebsstoffe, namentlich Kettensägenbenzin und biologisch abbaubares Kettenöl.

5. Die richtigen Zerkleinerungswerkzeuge

Mit der Motorsäge könnt ihr ökonomisch und schnell Baumstämme und Astwerk zerkleinern. Allerdings werden diese Stücke beileibe nichts sein, was in Ofen oder Heizung passt. Dazu sind sie viel zu groß. Und Holz mit der Kettensäge zu spalten, wäre reichlich unökonomisch.

An diesem Punkt kommt euer Traktor ins Spiel. Dafür gibt es ein landwirtschaftliches Gerät, mit dem ihr an eurem Holzplatz die Weiterverarbeitung ins Rollen bringt:

  • In jedem Fall braucht es einen Holzspalter. Derartige Mengen lassen sich kaum sinnvoll mit Spalthammer, Keilen und Muskelschmalz zerteilen.
  • Sinnvoll ist eine Wippkreissäge. Die bringt die gespaltenen Holzscheite erst auf Lager- und später Ofenmaß. Auch das ist viel komfortabler als mittels Kettensäge und Sägebock zu arbeiten.
  • Solltet ihr eine Hackschnitzelheizung besitzen, benötigt ihr zwingend einen Holzhäcksler, der die großen Stücke zuverlässig zu buchstäblichem Kleinholz verarbeitet.

Übrigens solltet ihr durchaus auch überlegen, ob sich nicht eine Holzpelletpresse lohnt – so viel Sägemehl, wie hier anfallen wird, kann das durchaus rechtfertigen, weil es viele Menschen gibt, die Pellets wollen – allerdings müsst ihr, wenn ihr die entstehenden Pellets weiterverkaufen wollt, natürlich zumindest ein Kleingewerbe anmelden. Da ihr den Sägeschein besitzt, ist das vollkommen problemlos möglich und kann natürlich dabei helfen, eure Kosten zu drücken.

6. Macht das Sinn?

Ihr werdet, wenn ihr all diese Punkte abarbeitet, einige tausend Euro ausgeben, bevor ihr auch nur einen einzigen selbstproduzierten Holzscheit in euren Ofen befördert. Stellt sich natürlich die Frage, ob es sich rentiert.

Die Antwort: Durchaus. Je stärker Brennholz bearbeitet ist, desto teurer wird der Preis für ein beliebiges Volumen davon. Sein eigenes Holz „zu machen“ entkoppelt euch zumindest von sämtlichen Lohnkostensteigerungen.

Dennoch müsst ihr dazu schon Holz im großen Stil selbst verbrauchen oder aber mit dem Gedanken spielen, selbst welches anzubieten. Nur dann rechnen sich die Ausgaben auch langfristig. Dann aber könnt ihr, mit vergleichsweise wenigen Arbeitsstunden aufs Jahr hochgerechnet, absolut eure Brennholzversorgung stark verbilligen – und vergesst nie die alte Försterregel: Selbstgemachtes Brennholz wärmt immer dreifach: Beim Fällen, Beim Verarbeiten und beim Verbrennen.